EIN
LIED FÜR ARGYRIS
(Regie: Stefan Haupt / CH 2006 / 105 Minuten /
Dokumentarfilm / Start: 2. November)
Synopsis: „Im griechischen
Bauerndorf Distomo überlebt der vierjährige Argyris
1944 ein Massaker der deutschen Besatzungsmacht. Nachdem Argyris
mehrere Jahre in Waisenhäusern verbracht hat, bringt
ihn eine Delegation des Roten Kreuzes in die Schweiz ins Kinderdorf
Pestalozzi in Trogen. Jahre später erlangt er den Doktortitel
in Mathematik und Astrophysik an der ETH Zürich. Zeit
seines Lebens setzt sich Argyris mit dem Wahnsinn auseinander,
der ihm als Kindv widerfahren ist. Er versucht, damit leben
zu lernen und nach aussen etwas zu bewirken.
Kritik: Im Zentrum
von EIN LIED FÜR ARGYRIS steht das Leben eines traumatisierten
Knaben, der sechzig Jahre nach dem Massaker in seinem Heimatdorf
immer noch dafür kämpft, dass die Opfer und die
Taten nicht in Vergessenheit geraten. Der dafür kämpft,
Ruhe und Frieden zu finden. Dies kann er nur erreichen, wenn
er sich mit seiner Vergangenheit aussöhnen kann. Stefan
Haupts Dokumentarfilm zeichnet ein einfühlsames Porträt
eines sensiblen, rastlosen Kämpfers, der sein Leben als
„Provisorium“ und sein Lebensstil als „Ich
bin ein Wanderer“ bezeichnet. Haupt lässt dabei
neben Argyris Geschwister auch prominente Zeitgenossen wie
den griechischen Komponist Mikis Theodorakis zu Worte kommen.
Einzelne Statements sind jedoch so montiert, dass sie dem
Erzählfluss etwas abträglich sind. Die wiederholten
Schilderungen von bestialischen Taten fordern dem Zuschauer
einiges ab und sind nur schwer zu ertragen. EIN LIED FÜR
ARGYRIS schildert ein Einzelschicksal. In den Vierziger Jahren
ist allerdings unzählige Menschen u.a. im griechischen
Bürgerkrieg 1946 – 1949 ähnliches Leid erfahren.
EIN LIED FÜR ARGYRIS ist daher nicht nur ein spannender
sondern auch ein sehr wichtiger Film. (IF)
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