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Ballett Zürich | Bella Figura

Publiziert am 04. Januar 2019

Zürcher Hommage an Jiří Kylián, legendäre Persönlichkeit der internationalen Tanzszene.
Über drei Jahrzehnte prägte Kylián das künstlerische Profil des Nederlands Dans Theaters, das sich unter seiner Leitung zu einer der besten zeitgenössischen Ballettformationen der Welt entwickelt hat. Das Zürcher Ballett ehrt ihn mit einem vierteiligen Tanz-Abend, quasi als verspätetes Geburtstagsgeschenk, 2017 wurde der gebürtige Prager 70 Jahre alt.

Zürcher Ballett | «Bella Figura» | vierteiliger Ballettabend | Premiere 13. Januar 2019 | weitere Vorführungen bis 8. Februar 2019

Faszinierende Zeit- und Denkreise
Was Kyliáns Choreografien eint, ist ihre schmerzliche Schönheit und eine Leichtigkeit der Bewegungen, die mit tiefer Musikalität, expressiver Emotionalität und ergreifender Innerlichkeit einhergehen. Nachdem das Ballett Zürich in den letzten Jahren immer wieder einzelne Choreografien von Kylián auf die Bühne gebracht hat, ist dieser neue Abend nun ein exklusiver und repräsentativer Querschnitt seiner bahnbrechenden Tanzstücke.
In «Bella Figura» (1995) unternimmt Kylián eine faszinierende Zeit- und Denkreise, auf der er sich einmal mehr mit grundlegenden Fragen der menschlichen Existenz auseinandersetzt und die festgefahrenen Grenzen zwischen Traum und Realität, zwischen Schein und Sein zu überwinden sucht. Zu einer Mischung aus alter und neuer Musik – Vivaldi, Pergolesi, Lucas Foss – vollführt das Stück einen atemberaubenden «Seiltanz auf der Nabelschnur».

Welt von absurder Strenge und Schönheit
Zu Kyliáns im Nachklang eines ausgedehnten Australienaufenthaltes entstandenen Stücken gehört auch die 1989 vom Stuttgarter Ballett uraufgeführte Choreografie Stepping Stones. Zu Musik von John Cage und Anton Webern entwirft Kylián darin die Vision einer tänzerischen Weltkultur. Erstmals in Zürich zu sehen ist Sweet Dreams (1990) zur Musik von Anton Weberns «Sechs Stücken für Orchester op. 6». Auf den Spuren Franz Kafkas und des belgischen Malers René Magritte errichtet Kylián in dieser Choreografie eine Welt von absurder Strenge und Schönheit. In «Sechs Tänze» (1986) zu Musik von Wolfgang Amadeus Mozart wirbelt Kylián die klassischen Versatzstücke kräftig, mehrdeutig und assoziativ durcheinander und kreiert einen humorvoll-frivolen «Krieg der Geschlechter».

arttv Wertung – Ein Geschenk
Die Herleitung ist zwar nicht originell, aber zutreffend: Der vierteilige Ballettabend «Bella Figura» macht in der Tat eine gute Figur, eine sehr gute! An dieser grandiosen Aufführung teilhaben zu dürfen, ist ein Privileg. Das Titelstück des Abends ist von erhabener Schönheit. Wie in jedem der vier Teile gilt: bestes Casting, jeder Tänzer, jede Tänzerin in der richtigen Rolle, berauschende Lichtführung, präziser Tanz, überraschende Bewegungsmuster. Die zweite Choreografie «Stepping Stones» fordert dem Publikum wohl am meisten ab. Die Musik ist streng und wenig gefällig. Aber gerade das lässt besonders vielfältige Bewegungen zu. Trotzdem ist «Stepping Stones» im wahrsten Sinne des Wortes eher ein «harter Brocken». «Sweet Dreams», Stück Nummer Drei, ist eine schweizerische Erstaufführung. Sie ist musikalisch, visuell und tänzerisch besonders intensiv. Hier kann man gar nicht wegsehen. «Sechs Tänze», die vierte Darbietung des Abends, besticht durch viel Humor. Sicherlich etwas vom Besten und Lustigsten, was es zur Zeit auf Schweizer Tanzbühnen zu sehen gibt. «Bella Figura» ist ein Gesamtkunstwerk und ein grosses Geschenk, das uns Jiří Kylián, ein Grossmeister des modernen Balletts, hier macht. (Felix Schenker, arttv Chefredaktion)

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