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Tanzszene Schweiz | Mira Studer | Suchen, nicht finden ist das Ziel

Publiziert am 26. November 2019

Ganz ohne Leitplanken in eine Zukunft als Profitänzerin und mit dem Nichts umgehen lernen.

Mira Studer tastet mit ihren Augen den Himmel ab. Ihre Hände erspüren den rauen Beton der Wände, die Füsse suchen angewinkelt nach Halt. Wie viele Tage dieses Sommers die junge Tänzerin in dem riesigen ehemaligen Industrie-Areal in Solothurn verbracht hat, kann sie nicht sagen. In der aussergewöhnlichen Atmosphäre, zwischen mit Wasser gefüllten Betonbecken und mit Graffiti überzogenen Wänden, sucht die Performerin nach Inspiration.
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Tanzszene Schweiz | Mira Maria Studer | Standbild
Tanzszene Schweiz | Mira Maria Studer | Standbild

Suchen, nicht finden ist das Ziel
Mira Studer sucht und will gleichzeitig nie alles finden. Denn: «Der Weg ist das Ziel» – die Suche das, was sie antreibt. Ein Ziel zu erreichen, würde Stillstand bedeuten. Doch Mira will in Bewegung bleiben. Musik und Bewegung gehören zu ihrem Leben seit sie denken kann. Schon als Dreijährige begeisterte sie eine Tänzerin in Thomas Hauerts Kompanie «ZOO». Als Kind nahm sie an verschiedenen Schulen in Bern und Solothurn Klavier- und Gesangstunden. Improvisation und moderner Tanz folgten während des Gymnasiums, sowie Aufführungen mit der Jungen Bühne Solothurn. Seit 2015 nahm sie regelmässig an Sommerkursen an der Schule für zeitgenössischen Tanz P.A.R.T.S. in Brüssel teil.

Es gibt wenige Adressen
Die vergangenen drei Jahre verbrachte Mira Studer in Lausanne an der Manufacture – neben der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) die einzige Hochschule für zeitgenössischen Tanz in der Schweiz. Es war eine Zeit, die nur ihr selbst und ihrer künstlerischen Entwicklung gehörten. Nicht sie habe die Schule ausgewählt, sondern die Schule sie, sagt die 23-Jährige dankbar. Mit dem Bachelorabschluss aus Lausanne in der Tasche, könnte ihre Ausbildung fertig sein: Mira ist eidgenössisch diplomierte Tänzerin. Nur macht ein anerkanntes Diplom noch keine anerkannte Künstlerin. Und es entspricht auch nicht Miras Naturell, sich schon an einem Ziel zu wähnen. Sie weiss: Die Freiheit gewinnen heisst auch, ohne Leitplanken seinen Weg finden zu müssen. Dieser Weg könnte nun von Audition zu Audition führen, in der Hoffnung auf einen Part in einem Stück oder einen Platz in einer Compagnie. Eine weitere Ausbildung im Ausland wäre eine Option: An der DOCH in Stockholm, an der SEAD in Salzburg oder bei P.A.R.T.S. in Brüssel. Die Studienplätze sind allerdings rar und begehrt, die Aufnahmeprüfungen anspruchsvoll und letztlich immer ein bisschen Glücksache.

Ohne Leitplanken in die Zukunft
Mira Studers Weg könnte aber auch aus dem Solothurner Betonbecken, in dem sie sich inspirierte heraus und zu einem eigenen Stück führen. In dem fände sie Platz für ihre eigene künstlerische Entwicklung und vielleicht, ja wahrscheinlich, auch für ihre Stimme. Eine «Site-specific Performance», ein Stück, das den Ort einbezieht, an dem es spielt, würde gut zu ihr passen. Die junge Künstlerin will sich noch nicht festlegen – und das ist gut so. Zurzeit arbeitet sie in mehreren kleinen Projekten von Freund*innen mit und ist offen für das, was kommen mag. Sie zeichnet, singt und tanzt; mal im Studio, mal im Industrieareal – eigentlich immer und überall, denn: «Tanz ist nicht nur eine Arbeit, sondern eine Lebensform», wie sie sagt. Ob Tanz, Bilder oder Musik, letztlich gehöre das doch alles zusammen, meint Mira. Die Kunst sei immer ein Teil von ihr gewesen.

Mit dem Nichts umgehen lernen
Dass das Leben als freischaffende Künstlerin wechselhaft sein wird, ist der Solothurnerin bewusst. «Es gibt wohl immer wieder Situationen, in denen man mit dem Nichts konfrontiert wird», sagt sie im Hinblick auf die Zukunft. Sie wird lernen müssen, damit umzugehen und gleichzeitig ihre Emotionen und Sensibilität zu pflegen. Abgebrühtheit und Durchlässigkeit: Es braucht beides, um sich künstlerisch durchzusetzen.

Text: Nina Scheu

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Das Portrait über Mira Studer entstand im Rahmen der Serie «Tänzer*innen im Wandel» die Dank der Unterstützung der Else v. Sick Stiftung realisiert werden konnte. Darin werden Protagonisten*innen der Schweizer Tanzszene portraitiert, die den ständigen Wandel der Szene als Herausforderung annehmen.

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