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Theater Basel | La Bohème

Publiziert am 28. September 2008

Ungewöhnliche Lesart von Puccinis Opernhit, garantiert nicht langweilig, vermag bestimmt auch junge Leute für Oper zu begeistern! Bravi!!! Mehr lesen
La Bohème

Kritik:
Selten hat das Publikum dermassen mit den vier Künstlern im ersten Bild von Puccinis Bohème mitfrieren müssen wie hier in Basel. Da ist nichts von Malatelier mit Ausblick auf die Dächer von Paris zu sehen, sondern eine trostlose, beinahe apokalyptisch anmutende eiskalte Gletscherlandschaft bildet den Rahmen für die Handlung. Kein Wunder dass Colline, Schaunard und Marcello sich mit Hilfe des Kletterseils ins Café Momus begeben müssen, welches dann selbstverständlich nicht im Quartier Latin liegt sondern die Sonnenterrasse eines noblen Skiorts ist, auf welcher sich die Schickeria langweilt, bis die Blasmusik zur letzten Talabfahrt drängt. Nach diesen beiden weissen Bildern folgen sinngemäss die schwarzen. Nun kippt das Geschehen, aus dem Spass wird Ernst. Der Boden ist nun schwarz, auf einer Seite liegt noch etwas Schnee, die Bühne wird hinten durch ein dunkles, irrisierendes Licht ausstrahlendes Lochblech begrenzt. In dieser irrealen Welt begegnen sich die Liebenden noch einmal, vereinigen sich, um sich bald darauf wieder zu trennen. Stark dann der Schluss der Oper. Nun ist die Bühne total schwarz, die Protagonisten werden mit Spots hervorgehoben, treten kaum noch in Kontakt zueinander. Mimì stirbt, doch ihre Seele erhebt sich und findet endlich das lange erträumte Glück, das wärmende Bett, das in einem allerdings hässlichen Silberkäfig vom Bühnenhimmel schwebt. Diese neue Leseart des bekannten Stücks durch das junge Inszenierungsteam um Regisseur David Hermann (Falstaff in Luzern, Jeanne d’ Arc au bûcher in Basel) hat erwartungsgemäss das Publikum gespalten.
Gesungen und gespielt wurde allerdings grandios. Allen voran die zerbrechlich wirkende und doch so wunderbar sauber und mit warmem und aufs Schönste aufblühendem Sopran singende Mimì von Maya Boog. Welch ein Glück für Basel, diese fantastische Sängerin und Gestalterin am Haus zu haben. Berückend ihre Piani, begeisternd das Crescendo in ihren grossen Szenen. Aber auch die anderen Protagonisten dieses spielfreudigen Ensembles leisteten Beachtliches – so der junge Mexikaner David Lomeli als Rodolfo, mit stupender Höhe und umwerfend tolpatschigem Gehabe bei seinem ersten Annäherungsversuch an Mimì, der junge Kanadier Phillip Addis überzeugt mit warmem, rundem Bariton als eifersüchtiger, humorvoller Marcello und Nicholas Söderlund gestaltet die Trennung von seinem neuen, plastifizierten Designmantel vortrefflich. Sehr komisch auch die Musetta mit Schosshündchen von Agata Wilewska, deren helle Stimme sich wunderbar in die Ensembles einfügt.
Der Dirigent Maurizio Barbacini leitet das Geschehen mit viel Schwung, verleiht der Musik aber auch die nötige Portion Süsse und bereitet einen intensiven Klangteppich, auf welchem sich die Sängerinnen und Sänger wohl fühlen können.

Fazit:
Musikalisch beeindruckend, szenisch gewöhnungsbedürftig, aber erstaunlicherweise doch irgendwie stimmig. Garantiert kein langweiliger Abend!!!

Werk und Inhalt:
In eindringlichen, atmosphärisch dichten Bildern zeichnen Puccini und seine Librettisten Szenen aus dem Leben junger Menschen. Sie träumen von Freiheit und Selbstverwirklichung, sie lieben und sie streiten sich, sie kämpfen mit Humor ums Überleben. Doch als eine von ihnen tödlich erkrankt, wird aus dem sorglosen Leben bitterer, tragischer Ernst.
Puccini hat dazu eine seiner farbenprächtigsten Partituren komponiert, lyrisch-sentimentale Stellen verschmelzen mit humorvoll kontrastierenden Passagen, die Personen sind überaus stimmig in kurzen, prägnanten Ariosi charakterisiert. Im letzten Bild verschmelzen all diese Leit- und Erinnerungmotive, der Orchesterklang wird aber zugleich dünner und führt so zum ergreifenden Schluss.

Musikalische Höhepunkte:
Che gelida manina, Arie des Rodolfo, Bild I
Si, mi chiamano Mimì, Arie der Mimi, Bild I
O soave fanciulla, Duett Mimì-Rodolfo, Bild I
Quando m’en vo, Walzer der Musetta, Bild II
Addio dolce svegliare, Duett Mimì-Rodolfo mit Hintergrundgezänk Marcello-Musetta, Bild III
Vecchio zimarra, senti, Arie des Colline, Bild IV
O Mimì, tu più non torni, Arioso des Rodolfo, Bild IV

Für art-tv: © Kaspar Sannemann, 28. September 2008

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26. September 2008
Oper in vier Bildern
Musik: Giacomo Puccini
Libretto: Luigi Illica / Giuseppe Giacosa
Uraufführung: 1. Februar 1896 im Teatro Regio, Turin
Aufführungen in Basel:
28. 9. | 1.10. | 5.10. | 13. 10. | 17.10. | 19.10. | 26. 10. 08 und weitere Aufführungen im November

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