Streaming-Tipps

Juli/August 2020 | LGBTQ

Filme, in denen queere Lebensweisen dargestellt werden, waren in den letzten Jahren immer öfters auch in den grossen Kinos zu sehen. Diese Entwicklung spricht nicht nur für den Fortschritt der LGBTQ-Bewegung im Kampf für Akzeptanz und Gleichberechtigung, sondern auch für die Qualität der Filme. In der Streaming-Reihe, die wir für die Doppelausgabe Juli/August zusammengestellt haben, setzen wir unseren Fokus auf LGBTQ. Die acht ausgewählten Spielfilme nehmen alle einen bedeutenden Platz in der Filmgeschichte ein und feierten – national oder international – grosse Erfolge.

Das Spektrum reicht vom Biopic einer eindrücklichen Persönlichkeit (Yves Saint Laurent) über eine Buchverfilmung mit Starbesetzung (Cate Blanchett im Highsmith-Roman Carol) bis zur sensiblen Romanze im Historienfilm (Portrait de la jeune fille en feu). Auch in Coming-of-Age-Dramen werden die Geschichten von LGBTQ-Menschen erzählt. In ihnen stellen sich die jungen Protagonist*innen nicht nur dem Erwachsenwerden – entdecken ihren Körper und ihre Sexualität, sondern suchen auch ihren eigenen Weg in der Gesellschaft als Schwuler, Lesbe oder Transsexuelle* (Mario, La vie d’Adèle und Girl).

Besonders bewegend sind die Filme, die sich darüber hinaus in soziale oder ethnische Umfelder begeben, in denen überhaupt keine Toleranz herrscht. Hier stellt die Diskriminierung aufgrund sexueller oder geschlechtlicher Identität leider nicht das einzige Problem dar, sondern ist oft begleitet von Armut und struktureller Gewalt (Moonlight, Köpek). Doch eines ist allen Filmen gemeinsam: Sie entziehen sich stereotypen Darstellungen der LGBTQ-Gemeinschaft und feiern so die Diversität und die Komplexität der heutigen Gesellschaft.

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Juli/August 2020 | LGBTQ

Filmliste:
Yves Saint Laurent | Regie: Jalil Lespert | Biopic | Spielfilm | Frankreich 2014 | 106 Minuten

Carol | Regie: Todd Haynes | Spielfilm | USA, UK 2015 | 118 Minuten | Verleih: Pathé Films

Portrait de la jeune fille en feu | Regie: Céline Sciamma | Drama, Romanze, Historisch | 119 Minuten | Frankreich, 2019 | Verleih: Cineworx

Mario | Regie: Marcel Gisler | Drama | 119 Minuten | Schweiz, 2018 | Frenetic Films

La vie d’Adèle | Regie: Abdellatif Kechiche | Spielfilm | Frankreich 2013 | 179 Minuten | Verleih: Frenetic Films

Girl | Regie: Lukas Dhont | Drama | 100 Minuten | Belgien, Niederlande, 2018 | Verleih: DCM Distribution

Moonlight | Regie: Barry Jenkins | Spielfilm | USA 2016 | 111 Minuten | Verleih: DCM

Köpek | Regie: Esen Işık | Spielfilm | Schweiz 2015 | 100 Minuten | Verleih: Cineworx

Alte Dossiers

Juni 2020 | Zurück ins Leben

Feste soll man bekanntlich so feiern, wie sie fallen – leider fielen sie jedoch in den letzten Monaten aus bekannten Gründen hauptsächlich aus. Und auch wenn langsam wieder Normalität zurückkehrt, erwartet uns nicht in allen Lebensbereichen Altbekanntes. Anstatt auf zukünftige Feste zu warten erinnert unsere arttv-Streaming Auswahl im Juni an vergangene und stürzt sich so unbekümmert zurück ins Leben. Die sieben ausgewählten Filme stellen eine Hommage an die «joie de vivre» und ihre abgründigen Facetten dar.

Auf sehr unterschiedliche Art führen uns zwei Dokumentationen auf die Tanzbretter. Während die eine das kollektive Tanzen als Gemeinschaftsgefühl einfängt und in kraftvollen Bildern die daraus entstehende Lebensfreude übermittelt (Le grand bal), versteht die andere den Bühnenbetrieb als hohe Kunst und gibt einen Einblick in den erstaunlich geerdeten Betrieb eines der prestigeträchtigsten Musiktheater der Welt (L’Opéra de Paris).

Die Regisseurin Mia Hansen-Løve entführt in ihrem Spielfilm in die Pariser Elektro Szene und setzt ihr einfühlsames Drama um den jungen DJ Paul in die aufregendste Zeit des Musikgenres (Eden). Ebenso verliert sich Woody Allens Hauptdarsteller in den Pariser Nächten, die verspielten Zeitreise wird als der beste Film des neurotischen New Yorkers gehandelt (Midnight in Paris). Den Abschluss unserer frankophilen Empfehlungen bildet eine Komödie. Die Macher von «Ziemlich beste Freunde» parodieren gekonnt das chaotische Drumherum von Familienfesten und erzählen liebevoll von Pleiten, Pech und Pannen im Hochzeitscatering (Le sens de la fête).

Selbstverständlich darf auch das Zürcher Nachleben nicht zu kurz kommen. Fast nostalgisch Stimmen einen die Bilder des chaotischen Treibens in Manuel Hendrys rasantem Krimi um einen zwielichtigen Langstrassen-Antihelden (Strähl). Noch weiter zurück reicht Kurt Frühs Klassiker, ihm diente das Café Odeon bereits 1959 als Kulisse für sein gar nicht so kleinbürgerliches Drama um das Schicksal der Lena Feller (Café Odeon).

Und wichtig: Black lives matter!
Die letzte Filmempfehlung stellt sich den ersten sieben zum Thema «Zurück ins Leben» auf traurige Weise entgegen. Aus aktuellem Anlass fällt unsere Wahl auf das Drama «Fruitvale Station» von Ryan Coogler (2013). In dem auf wahren Begebenheiten basierenden Drama durchleben wir den Silvesterabend 2009 mit dem Familienvater Oscar Grant, der dabei unverschuldet zum Opfer brutaler Polizeigewalt wurde (Fruitvale Station). Erschütternd und aktuell.

Le grand bal | Regie: Laetitia Carton | Dokumentarfilm | Frankreich 2018 | 95 Minuten

L’Opéra de Paris | Regie: Jean-Stéphane Bron | Dokumentarfilm | Schweiz 2017 | 110 Minuten

Eden | Regie: Mia Hansen-Løve | Drama | Frankreich 2014 | 131 Minuten

Midnight in Paris | Regie: Woody Allen | Komödie | USA 2011 | 94 Minuten

Le sens de la fête | Regie: Eric Toledano und Oliver Nakache | Komödie | Frankreich 2017 | 117 Minuten

Strähl | Regie: Manuel Flurin Hendry | Drama | Schweiz 2004 | 83 Minuten

Café Odeon | Regie: Kurt Früh |Drama | Schweiz 1959 | 90 Minuten

Fruitvale Station | Regie: Ryan Coogler | Drama | USA 2013 | 85 Minuten

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Mai 2020 | Neuere Deutschschweizer Filmproduktionen

Man stand vor dem Kino und hatte die Qual der Wahl. Hand aufs Herz, wie oft hat man sich für einen Film aus der Deutschschweiz entschieden? Dabei haben sich Schweizer Filmschaffende in den letzten Jahren sehr breit aufgestellt. In der ersten arttv-Streaming Auswahl soll sich das widerspiegeln.

Das Kameraauge führt seine Betrachter in den Dokumentationen weit über die Landesgrenzen hinweg, wagt sogar den Weg in vergessene Kriegsgebiete (Chris The Swiss) oder den Abstieg in die US-amerikanische Kanalisation (Above and Below). Doch manchmal bedurfte es nur des Weges bis zum Nachbarzaun im eigenen Dorf, um sich fremd zu fühlen (Zum Beispiel Suberg).

Oft im Zentrum steht die Familie; die eigentliche, mit ihren verqueren Besonderheiten (Wir Eltern) und die selbst gewählte, die ein Schicksal entscheiden kann (Der Goalie bin ig). Schicksalhaft ist auch die Liebe, wo immer sie hinfällt (Glaubenberg, Wolkenbruch). Ebenfalls empfehlen wollen wir die Dokumentation über den kürzlich verstorbenen Schweizer Künstler Markus Raetz.

Chris The Swiss | Regie: Anja Kofmel | Animation-Doc | 92 Minuten| Schweiz 2018 | Verleih: First Hand Films

Above and Below | Regie: Nicolas Steiner | Dokumentarfilm | Schweiz-Deutschland-USA 2015 | 118 Minuten | Verleih: Cineworx

Zum Beispiel Suberg | Regie: Simon Baumann | Dokumentarfilm | Schweiz 2013 | 90 Minuten | Verleih: Fair and Ugly

Wir Eltern | Drehbuch und Regie: Eric Bergkraut and Ruth Schweikert | Spielfilm | Schweiz 2019 | 95 Minuten | Verleih: 72 productions GmbH

Der Goalie bin ig | Regie: Sabine Boss | Spielfilm | Schweiz 2014 | 92 Minuten | Verleih: Ascot Elite

Wolkenbruch | Regie: Michael Steiner | Kömödie, Drama | 92 Minuten | Schweiz 2018 | Verleih: DCM Distribution

Glaubenberg | Regie: Thomas Imbach | Drama, Mystery | 114 Minuten | Schweiz, Türkei, 2018 | Verleih: Frenetic Films

Markus Raetz | Regie: Iwan P. Schumacher | Schweiz 2007 | 75 Minuten | Verleiher: Look Now!

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Filme zu streamen ist von der Ausnahme, zur Notlösung und schnell zu einer festen Gewohnheit geworden. Wer sich einmal darauf eingelassen hat, entdeckt viele alte und liebgewonnene Filme wieder. arttv.ch präsentiert an dieser Stelle monatlich eine kleine, thematisch gerahmte Auswahl an Filmen, die man sich über das arttv-Streaming in Kooperation mit unseren Partnern ganz einfach nach Hause holen kann.

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