Berlinale 2017 | Pokot | Darf man Tiere töten?

Publiziert am 13. Februar 2017

Eine Tierschützerin, welche die Jagd verurteilt, das Töten von Tieren als Mord deklariert und selber zur Serienkillerin wird! Das ist «Pokot», ein Film von Agnieszka Holland. Er spielt in der tiefsten polnischen Provinz. Was nach B-Movie tönt, kämpft um den Goldenen Bären der Berlinale.

«Pokot» von Agnieszka Holland | Dauer: 128 Min | Polen / Deutschland / Tschechische Republik / Schweden / Slowakische Republik 2017 | Der Film ist einer von achtzehn im Rennen um den Goldenen Bären.

«Pokot» basiert auf der Erzählung «Der Gesang der Fledermäuse» der polnischen Bestsellerautorin und Nobelpreisanwärterin Olga Tokarczuk.

Die Berlinale dauert vom 9. bis 19. Februar 2017.

Weitere Links

Begegnung mit Olga Tokarczuk | arttv-Archiv 2011

Ein Herz für Tiere
Die diesjährige Berlinale zeigt auffallend viele Wettbewerbs-Filme, in denen Tiere vorkommen. Besonders Hirsche und Hirschkühe. In «On Body and Soul» von Ildikó Enyedi beispielsweise stehen sie für die Beziehungswünsche der beiden Hauptdarsteller. In «Django» dekorieren sie das Leben der Zigeuner im Wald, und in «Pokot» werden sie zu Hauf abgeknallt. Es sind die Jäger in einem polnischen Provinznest, die alles abschiessen, was ihnen vor die Flinte kommt. Dachse, Wildschweine, Füchse. Auch ausserhalb der Jagdsaison. Das büssen sie schwer, einer nach dem anderen wird von einer pensionierten Ingenieurin, die erst vor zwei Jahren in die Gegend gezogen ist, ermordet. Im Dorf gilt sie als schrille Alte. Sie hat kaum Freunde. Nur gerade die Schulkinder, denen sie zeitweise Englischunterricht gibt, ihr Nachbar, ein älterer Herr und ein junger IT-Informatiker, der neu in der Gegen lebt, mögen sie.

Die Rache der Tiere
Das Herz der Alten gehört aber hauptsächlich den Tieren. Sie bewahrt in Kartonschachteln die unverwertbaren Reste der getöteten Kreaturen auf, damit man diese dereinst klonen kann. So soll geschehenes Unrecht wiedergutgemacht werden. Die Alte will von ihren Gräueltaten ablenken, indem sie der Polizei vorspielt, es seien die Tiere selbst, die sich rächen. Das alles tönt nach etwas gar viel Action. Und das ist es auch. Wäre «Pokot» nicht so gut gespielt (brillant vor allem Agnieszka Mandat) und handwerklich hervorragend umgesetzt, man würde sich schnell in einem B-Movie oder in einem TV-Krimi wähnen. Dass aber die Chancen von Agnieszka Hollands Film, mehrfach für den Oscar nominiert, durchaus intakt sind, den Goldenen Bären zu gewinnen, hat dann wohl eher damit zu tun, dass die Fragestellung des Filmes dem Zeitgeist entspricht. Dürfen wir Tiere töten, haben sie eine Seele? Der Dorfparrer im Film gibt die Antwort: Ja und Nein. Ob er recht hat, bleibt Glaubenssache.

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