Berlinale 2018 | Schafft die Preise ab!

Publiziert am 24. Februar 2018

Der Goldene Bär geht an «Touch Me Not». Das ist nur noch lächerlich!
Zwei miserable Filme liefen im Wettbewerb der Berlinale. «Eve» mit Isabelle Huppert als Edelprostituierte und der Siegerfilm, eine Kombi zwischen Eso-Geplapper und Sexfilm. Die Filmkritik war sich weitgehend einig: Zwei missglückte Filme. «Wir haben herausgefunden, dass wir nicht nur das würdigen wollen, was Kino kann, sondern auch das, wo es noch hingehen kann», verteidigt sich Jury-Präsident Tykwer. Bei «Touch Me Not» wären das dann Dilletantismus und Distanzlosigkeit.

arttv Kritik: «Touch Me Not»
Hinter jedem «Woah» steckt eine Geschichte. Das sagt der – selbsternannte – Therapeut zur weiblichen Protagonistin des Films, als diese das besagte Geräusch aus ihrer Seele presst. Mag sein, dass dem so ist, dann ist «Touch Me Not» der rumänischen Künstlerin und Regisseurin Adina Pintilie aber eine weitgehend langweilige Geschichte. Was aber schwerer wiegt, ist, dass sie so aufgesetzt wirkt. Die Menschen im Film, die mit eher laienhaften Therapien ihre physischen und sexuellen Grenzen überwinden wollen, reden viel. Das meiste ist oberflächliches Esogeplapper, angereichert mit Szenen aus einem Sado-Maso Club. Aber es sind nicht diese Bilder, die den Film unerträglich machen, das ist man sich gewöhnt, sondern die Impertinenz, die Radikalität vortäuscht. Radikal bedeutet aber gesellschaftliche Relevanz, die hat der Film hinten und vorne nicht. Es ist eher eine Nabelschnur aus dem Zentrum der westlichen Komfortzone, in der Menschen Geld dafür ausgeben, ihrem Atem nachzuprüfen, währenddessen in der Welt tausende Kinder an Hunger sterben. «Touch Me Not» ist eigentlich gar kein Film sondern eher ein banales Psycho-Experiment, das mit der Kamera festgehalten wird. Interessant ist einzig der schwerstbehinderte Protagonist. Hätte man sich besser nur darauf konzentriert. Ein weiteres Berlinale-Ärgernis wäre der Kino-Welt erspart geblieben. Übel nehmen darf man mir diese Kritik nicht, denn wie sagt der besagte Therapeut im Film: «Jedes Gefühl ist willkommen!» So banal – so gut. – Felix Schenker, arttv.ch

Andere Stimmen
«Die rumänische Künstlerin und Regisseurin hat einen Hybrid-Film gedreht, changierend zwischen Dokumentation und Fiktion, höchster Stilisierung und fast dilettantischem Eifer, mit dem hier Botschaften vermittelt werden, wie sie auf den Packungen von ayurvedischen Tees zu finden sind. Misslungen!» – Christina Bylow, Berliner Zeitung | «Der Film ist eine Geiselnahme, die Geisel ist das Publikum. Über dem ganzen Exerzitium liegt ein ungemein dilettantischer Song: ‹Mela-, Mela-, Mela-ncholia schwebt über der Stadt und über dem Stoppelfeld›. Der Erkenntnisgehalt von ‹Touch Me Not› geht an keiner Stelle darüber hinaus.» – Kerstin Decker, Tagesspiegel | «Adina Pintilies Film ‹Touch Me Not› ist das Resultat ihres jahrelangen Forschungsprojektes, wobei die Wissenschaftlichkeit und Methodik durchaus zweifelhaft sind. Berührungen, Nacktheit, Masturbation und Gespräche über (sexuelle) Identität stehen im Zentrum des Films, der Tabus herausfordern möchte. Die Szenenfolge ist erratisch, und grosse Teile des Publikums mochten sich dieser Zurschaustellung auch behinderter Protagonisten nicht aussetzen. Die Entscheidung der Jury unter dem Vorsitz des deutschen Regisseurs Tom Tykwer hat weitherum für Kopfschütteln gesorgt, noch dazu, da die Regisseurin auch den Preis für den besten Debütfilm gewonnen hat» – Susanne Ostwald, Neue Zürcher Zeitung

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