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Dokumentarfilm | #Female Pleasure

Publiziert am 07. Januar 2019

Ein filmisches Plädoyer gegen die Unterdrückung und Eingrenzung durch eine dominante männliche Gesellschaft.
Fünf Frauen, fünf Kulturkreise, fünf Repressionen: Die Schweizerin Barbara Miller beschreibt in ihrem Dokumentarfilm «#Female Pleasure» fünf Frauen, die sich auflehnen, ausbrechen, Zeichen setzen, für Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung kämpfen. Ein Film von einer Regisseurin, die sich schon länger mit Sexualität beschäftigt. Ihr neustes Werk bewegt und vermag zu verändern.

#Female Pleasure | Dokumentarfilm | Schweiz/Deutschland 2018 | 97 Minuten | Regie: Barbara Miller | Kamera: Anne Misselwitz, Gabriela Betschart, Akiba Jito | Mitwirkende: Deborah Feldman, Leyla Hussein, Rokudenashiko, Doris Wagner, Vithika Yadav | Verleih: Filmcoopi

Weitere Links

Rolf Breiner, Textatur – Filmkritik und Hintergrundinformation

Fünf Frauen

Deborah Feldman
Die Jüdin Deborah Feldman, aufgewachsen in einer ultraorthodoxen Familie in New York (Williamsburg), als 17-Jährige mit einem ihr unbekannten Mann verheiratet, rebellierte. Sie brach mit 25 aus, legte die Fesseln eines orthodoxen Kulturkreises ab, baute mit ihrem Sohn Isaac ein neues freies Leben auf und lebt heute in Berlin.

Doris Wagner
Die Deutsche Doris Wagner, deren protestantische Eltern zum Katholizismus konvertierten, trat als 19-Jährige ins strenggläubige Kloster Thalbach («Das Werk») bei Bregenz ein. Sie wähnte sich mit Jesu vermählt – und wurde während ihrer Klosterausbildung in Rom von ihrem vorgesetzten Pater mehrfach vergewaltigt. Bei einer Ordensschwester fand sie kein Gehör. Schuldgefühle und Scham hinderten sie daran, ihr Leiden publik zu machen. Im Alter von 24 Jahren hatte die Nonne endlich die Kraft, sich zu wehren. Sie klagte bei der vorgesetzten Ordensschwester ihr Leid. Wieder vergeblich. Neue Schuldzuweisungen waren die Folge. In Deutschland beendete sie ihr Theologiestudium und trat aus der Religionsgemeinschaft aus. Ihr Anklagen bei Gerichten und im Vatikan verpufften. Doris Wagner schrieb ihre Erfahrungen im Buch «Nicht mehr ich» nieder, heiratete und brachte 2015 ihr erstes Kind zur Welt. Die studierte Theologin und Philosophin kämpft für Missbrauchsopfer der katholischen Kirche und Sekten.

Vithika Yadav
Die Inderin Vithika Yadav entstammt einer hinduistischen Familie in Rajastan. Schon als kleines Mädchen wurde sie sexuell belästigt und weiss um die sexuelle Diskriminierung der Frauen in Indien. Sie schloss sich der NGO-Bewegung «Free the Slaves» an und gründete das Projekt «Love Matters», ein Sexualaufklärungsprojekt. Sie brach damit ein hinduistisches Tabu und machte Sexualität zum öffentlichen Thema. Die Aktivistin wird von extremen Hindu-Nationalisten angefeindet und bedroht. Doch sie lässt sich in ihrer Aufklärungsarbeit über Sexualität, Liebe und Gleichberechtigung nicht beirren.

Leyla Hussein
Leyla Hussein, in Mogadischu (Somalia) geboren und streng muslimisch erzogen, musste als siebenjähriges Mädchen den Akt der Beschneidung, also eine Genitalverstümmelung, über sich ergehen lassen. Ein Traumata, das nachwirkte. In London gross geworden, widmete sich die Psychotherapeutin dem Kampf gegen dieses brutale islamische Ritual und gegen herrschenden Aberglauben. Sie setzt sich vehement für die Organisationen «The Girl Generation» und NGO «Daughters of Eve» gegen islamische Sittengebote, gegen Körperverletzung durch Beschneidung und für das Recht der Frauen auf lustvolle Sexualität ein. Infolge ihrer «Tabubrüche» wird sie von fundamentalistischen Kräften angegriffen.

Rokudenashiko
Die Japanerin Rokudenashiko, bei Tokio aufgewachsen, widmet sich lustvoll ihrem eigenen Geschlecht. Die Künstlerin begann, ihre Vagina abzubilden, bunte Plastikabdrucke anzufertigen, ein Vagina-Kanu zu bauen und ganze Vagina-Landschaften zu kreieren. Das kam in einer männlichen Gesellschaft, die Penis-Feste feiert, nicht gut an. Sie wurde angeklagt, ihr wurde ein Prozess wegen «Obszönität» gemacht.

Aufbruch und Befreiung
All diese Schicksale haben einiges gemeinsam: Sie stehen für Unterdrückung und Eingrenzung durch eine dominante männliche Gesellschaft, aber auch für Ausbruch und Befreiung, manifestiert durch den Schritt in die Öffentlichkeit und durch Publizierungen. Die Erfahrungen dieser Frauen stehen nicht für sich allein, sie wollen etwas bewirken, aufbrechen, radikal verändern für ihre Töchter, Schwestern und andere Frauen. Dabei geht es beim japanischen Beispiel vordergründig «nur »um Lust und Kunst, Aktion und sexuelle Gleichberechtigung. Die anderen Fälle prangern Zwänge, Abhängigkeiten und Traditionen (Beschneidungen) an, die zur Unterdrückung und Diffamierung der Frau in unterschiedlichen Kulturkreisen dienen. Die Verteufelung der Frau als verführte und verführende Eva, als Sünde und Lustobjekt ist auch heute noch gang und gäbe – siehe Indien, siehe sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen vor unserer Haustür.

Sexualität schon länger ein Thema
Barbara Miller (48), die Zürcher Filmerin, hat sich in ihren Arbeiten mehrfach mit Sexualität auseinander gesetzt («Sex im Internet – Kinder schauen Pornos, Eltern schauen weg», 2008; «Häusliche Gewalt», 2005; «Klitoris – die schöne Unbekannte», 2005). Mit ihrem jüngsten Film «#Female Pleasure» hat sie anhand der gelebten, verbotenen oder unterdrückten Sexualität die Stellung der Frau in verschiedenen Gesellschaften und Kulturen beleuchtet. Auch wenn der Film bisweilen etwas sprunghaft wirkt und die japanische Vagina-Performerin etwas aus dem Rahmen kippt, ist doch ein globales Bild entstanden, das über hierarchische Strukturen aufklärt, Auswüchse von Ideologien, die Mechanismen einer weltweiten «Religion», dem Patriachat, an den Pranger stellt.

  • .. und die Männer?*
    Was Männer denken, meinen, bewegt, wird nur beiläufig thematisiert, wenn nämlich die somalische Aktivistin Leyla Hussein auf «Missionsreise» bei den Massai ist oder junge Männern mit Beschneidungsbildern konfrontiert werden. Gleichwohl sollte der Film allen Teenagern und jungen Männern auch bei uns vorgeführt werden. Er klärt auf, bewegt und kann etwas bewegen.
    Der Film fand am Filmfestival Locarno (Semaine de la Critique) grosse Aufmerksamkeit und gewann nun am Dok-Filmfestival Leipzig den erstmals vergebenen Spezialpreis der interreligiösen Jury.

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