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Kino-Tipp | Hexenkinder

Publiziert am 21. August 2020

Geboren von ledigen Müttern, verstossen von den Vätern, gequält im Namen der Religion und trotzdem voller Lebenswille und Widerstandskraft!

Der Film erzählt die Geschichte von «zwangsversorgten» Heimkindern, die im Namen der Religion gequält wurden, sich trotzdem nicht brechen liessen und dank ihrer Widerstandskraft und Fantasie überlebt haben. Gleichzeitig erinnert der Film an das ähnliche Schicksal von Kindern, die vor nicht allzu langer Zeit im Namen Gottes der Unholderei bezichtigt, gefoltert und zu ihrem angeblichen Seelenheil oft auch hingerichtet wurden.
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Gedanken des Filmemachers
Das Zufügen von Leid «in Gottes Namen» hat die Jahrhunderte überdauert. Die schwarze Pädagogik bezweckte, Kinder, die man für milieugeschädigt, schwer erziehbar oder sittlich verwahrlost hielt, mittels Zucht, Disziplin und religiöser Dressur auf den angeblich alleinseligmachenden Lebensweg zu führen. Man glaubte, Heimkinder seien mit dem Makel der Sünde befleckt, weshalb sie zu ihrem angeblich eigenen Besten der vermeintlich gottgewollten Strafe zugeführt werden müssten: «Wen der Herr liebt, den züchtigt er.» Im Kostüm christlicher Seelsorge führt die Spur obrigkeitlicher Gewaltstrukturen von der Zeit des Hexenwahns direkt zum Schicksal «fremdplatzierter» und «zwangsversorgter» Heimkinder. Sie erlitten ein vergleichbares Schicksal, wie rund 300 Jahre früher die misshandelten und der Hexerei bezichtigen Kinder. Repressive Erziehungsmethoden des 19. und 20. Jahrhunderts in ihren vielfältigen Ausprägungen sind das Erbe von Hexenhammer und Rutenpädagogik, die Frucht einer moralisierenden Körperfeindlichkeit. Der Film soll an die vergessenen Hexenkinder der frühen Neuzeit erinnern, deren Schicksal sich in den Geschichten der zwangsversorgten Heimkinder unserer Tage in vielen Aspekten widerspiegelt.

Die Kinder von einst

MarieLies war eines der Mädchen aus dem Kinderheim. Sie sei vom Teufel besessen, eine Sünderin und sittlich verwahrlost. Eingesperrt auf dem Estrich, lässt sie Tierchen über ihre Haut krabbeln, «das kitzelt so schön». MarieLies ist eine gute Schülerin. Die Nonne vom Kinderheim aber meint, ihre schöne Schrift passe gar nicht zu ihr.

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MarieLies Birchler

Nach der Schule sucht Pedro, ein ungewolltes Kind, lieber Zuflucht im Pferdestall, statt ins Heim zurückzukehren. Alles, was ihn betrübt, flüstert er seinem Lieblingspferd ins Ohr. Dann umarmt er es, spürt seinen Atem. Pedro weiss: «Das Pferd versteht mich».

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Pedro Raas

Tiere lügen nie, meint Sergio. Er vertraut ihnen, nicht aber der Heimleitung. Die sagt, seine Mutter sei eine Sünderin, weil sie ihn, ein uneheliches Kind, zur Welt gebracht habe. Zehn Tage nach seiner Geburt wird er ins Heim abgeschoben. Das Heimkonzept ist simpel: «Bete und arbeite!»

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Sergio Devecchi

Auch Annemarie, damals ein Waisenmädchen, erinnert sich: «Immer hat man still sitzen und beten müssen. Zur Strafe musste ich fünfhundertmal schreiben: Ich darf dem hochwürdigen heiligen Herrn Pfarrer nicht ‹Globi› sagen.» Das war 1965.

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Annemarie Iten-Kälin

Schlimmer ist es Katharina ergangen, einem 11-jährigen Mädchen. Es behauptete, es könne Vögel machen. Das sei Teufelswerk, hiess es, sie sei eine Hexe, Gott möge der Kinderseele gnädig sein. Der sündige Mädchenkörper aber müsse zu Asche verbrannt werden. Das geschah im Jahr 1652.

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Hexenkinder | Regie: Edwin Beeler | Dokumentation | 96 Minuten | Schweiz, 2019 | Verleih: Calypso Film

Filmstart Deutschschweiz: 17. September 2020

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