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Absolut Spitze in seiner Rolle: Jan Bülow als Udo Lindenberg
Absolut Spitze in seiner Rolle: Jan Bülow als Udo Lindenberg |

Lindenberg! Mach dein Ding | Interview Jan Bülow

Publiziert am 23. Januar 2020

«Gebt mir diese Scheissrolle und ihr werdet es nicht bereuen.»

Am Zürcher Schauspielhaus wurde er unter der Regie von Barbara Frey als Hamlet in der Theaterwelt auf einen Schlag bekannt. Davor kannte ihn «noch keine Sau». Jan Bülow im arttv Interview darüber, dass er sich das ganz grosse Ding schon immer zugetraut hat, dass man auch als 1,90 m Mann Udo Lindenberg spielen kann und warum es keine Option war, dass Lindenberg den Film vorher sehen durfte. Mehr lesen

«Gibt Udo jetzt seinen Segen für mich, seinen ‹Stellvertreter auf Erden›?»
Interview mit Jan Bülow von Geri Krebs

«Mich kennt ja keine Sau», so betitelte eine Zeitung im September 2018 ein Interview mit Jan Bülow, als dieser zur Saisoneröffnung im Zürcher Schauspielhaus Shakespeares Hamlet unter der Regie von Barbara Frey spielte. Knapp eineinhalb Jahre später sieht es mit dem Bekanntheitsgrad des 1996 in Berlin geborenen Schauspielers ganz anders aus. Als junger Udo Lindenberg brilliert er in Hermine Huntgeburths Biopic «Lindenberg! Mach dein Ding» – nach dem Bühnenerfolg hat er auch den Sprung in die grosse Filmwelt geschafft.

Sie seien jetzt ein Rockstar und würden mit Ihren 1,90 m auffallen, habe ich über Sie gehört. Der Film bestätigt Ersteres, sie wirken sehr überzeugend, aber bei Letzterem frage ich mich: War Ihre Körpergrösse nicht ein Problem bei der Figur, die Sie verkörpern?
Jan Bülow: Ach ja, das habe ich auch immer wieder von Leuten gehört, als ich ihnen von meiner Rolle erzählte: Udo ist ja viel kleiner als du. Doch Udo Lindenberg ist gar nicht so klein, er dürfte so etwa 1,78 gross sein – und ausserdem kann man mit Kamerawinkeln so viel drehen und wenden, das ist überhaupt kein Problem, das merkt am Ende kein Mensch mehr. Schauen Sie sich als Gegenbeispiel Tom Cruise an, er ist in Wirklichkeit sehr klein und im Film wirkt er immer ganz gross.

Der Vergleich mit Tom Cruise gefällt mir, ich finde ihn auch berechtigt. Doch bisher haben Sie in Filmen immer nur kleine Nebenrollen gehabt, meist bei unbekannten Regisseuren. Wie sind nun zu Ihrer ersten Hauptrolle gekommen und dazu noch im Film einer Starregisseurin?
Als junger Schauspieler schaut man halt immer, was man kriegen kann. Und bis vor Kurzem war das bei mir so, dass im Film nie etwas Grosses zustande kam, ich hatte nur Mini-Rollen. Zwar war ich ein paar Mal vorgesehen für grössere Rollen, die jeweiligen Master und Regisseure wollten mich und im letzten Moment sagte dann jemand von der Produktion: Nein, das können wir mit dem nicht machen, der ist nicht bekannt genug, wir müssen auch noch ans Geschäftliche denken.

Immerhin wurden Sie 2018, als Barbara Frey Sie in Zürich als Hamlet verpflichtet hatte, in der Theaterwelt schlagartig bekannt. Haben Sie davon geträumt, beim Film gross herauszukommen?
Ja, diesen Traum gab es. Mittlerweile sind diese Welten von Theater und Film viel mehr miteinander verschmolzen als früher. Von älteren Kollegen habe ich gehört, man hätte sich damals entscheiden müssen: Theater oder Film. Wenn man in den 70ern in Deutschland vom Theater zum Film wechselte, nahmen einem das die Theaterleute übel, das war wie Nestbeschmutzung. Heute ist es ganz anders: Junge Schauspieler, die im Filmbereich schon erfolgreich sind, gehen sogar noch auf eine Schauspielschule zwecks Theaterausbildung, weil ihnen das von Castern empfohlen wurde. Als junger Schauspieler hat man heute den Traum, beides zu machen. Man darf nicht vergessen: Beim Film verdient man viel besser. An einen Drehtag kann man das verdienen, was man beim Theater in einem Monat bekommt.

Am vergangenen Wochenende wurden Sie in München mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. In Ihrer Dankesbotschaft sagten Sie, an Caster und Produzenten gerichtet: Gebt auch mal jemandem, den keine Sau kennt, eine grosse Rolle. Sprachen Sie da aus eigener Erfahrung?
Ja, klar. Ich habe mir, ehrlich gesagt, auch früher immer schon eine grosse Kiste zugetraut, dieses Selbstvertrauen hatte ich. Und ich bin sicher, das haben auch die meisten meiner Generation – Leute, die bis jetzt noch nicht so viel Glück hatten wie ich. Ich habe mir gesagt: Mann, die sollen mich doch einfach mal nehmen. Dann zeige ich ihnen, dass ich es wert bin. Gebt mir diese Scheissrolle und ihr werdet es nicht bereuen. Um auf ihre Frage wegen des Traums zurückzukommen: Ja, im Moment lebe ich meinen Traum. Ich habe, was ich will: Eine Hauptrolle und einen Filmpreis. Aber ich weiss auch, das kann sich schnell wieder ändern. Gerade neulich sagte jemand zu mir: Es kann auch sein, dass du nie wieder einen grossen Film machst.

Das heisst, Sie werden auch weiterhin fürs Theater arbeiten?
Ja, ich gehöre seit letztem Jahr zum Ensemble des Wiener Burgtheaters. Ich habe einen Vertrag, der bis Sommer 2021 läuft, bald fange ich an, für «Peer Gynt» zu proben und ich wohne in Wien.

Sie waren beim Schauspielhaus Zürich für Hamlet verpflichtet, als die Dreharbeiten für «Lindenberg» begannen. Sie mussten sich fast ein halbes Jahr zwischen Zürich und Hamburg zweiteilen – hatten dazu auch noch Schlagzeugunterricht. Würden Sie einen solchen Stress nochmal mitmachen?
Ich würde das nächste Mal versuchen sicherzugehen, dass ich nicht ganz so viel hin- und herreise, damit ich nicht vergesse, wo ich eigentlich gerade bin. Aber ich hatte den Vertrag mit dem Schauspielhaus Zürich praktisch gleichzeitig bekommen mit der Verpflichtung für die Rolle als Udo Lindenberg, das hatte sich so ergeben. Die Lindenberg-Geschichte stand dann plötzlich auf der Kippe, weil die Produzenten sich fragten: Ja geht denn das überhaupt? Ich sagte ihnen dann: Wenn ihr mir diese Rolle trotzdem gebt, werde ich mich dafür um jeden Preis verbiegen. Es war dann die Filmproduktion, die den gesamten Dreh für mich verschob, um dieses hochgradig komplizierte Konstrukt logistisch möglich zu machen. Dem Schauspielhaus unter der Leitung von Barbara Frey habe ich das aber auch zu verdanken, da auch sie Dinge extra für mich umstellten. Ich ging also mit einer gewissen Naivität in diese Lindenberg-Geschichte. Aber ich bin jemand, der in seiner Arbeit voll an körperliche Grenzen geht. Und ausserdem trieb mich die Angst vor dem Scheitern erst recht dazu, unaufhörlich zu üben. Aber ich war bei Weitem nicht der Einzige, der sich für diesen Film verrückt geackert hatte. Alle standen immer unter Starkstrom.

Sie haben für die Vorbereitung auf Ihre Rolle Udo Lindenberg kennengelernt. Wie war ihre erste Begegnung?
Das war einige Wochen vor Drehbeginn, so Ende September 2018. Und der Wunsch zu diesem Treffen war von mir gekommen, denn ich wollte wissen, wie Udo privat ist, wenn er eben nicht auf der Bühne steht. Überflüssig zu sagen, dass ich sehr aufgeregt war vor dieser Begegnung. Heute würde ich sagen: Sie war unspektakulär. Das heisst keineswegs, dass sie langweilig gewesen wäre. Bei diesem ersten Treffen in Hamburg im Hotel Atlantis, wo er wohnt, war noch eine ganze Entourage dabei. Für meine Produzenten ging es darum: Gibt er jetzt seinen Segen für mich, seinen ‹Stellvertreter auf Erden› (lacht).

Waren Sie nervös?
Es war schon eine Riesenerleichterung, als er mir den Segen gab. Bei jedem folgenden Treffen waren weniger Leute dabei, Udo gab mir bald ein Gefühl, als würden wir uns schon lange kennen. Unsere Begegnung endete dann damit, dass wir alleine über Gott und die Welt plauderten, über Politik und Musik. Irgendwann kamen die Produzenten und sagten mir, ich müsse jetzt ins Bett – denn sie wussten, Udo ist einer, der erst um sieben Uhr morgens schlafen geht.

War Udo Lindenberg gelegentlich bei den Dreharbeiten anwesend?
An den insgesamt 50 Drehtagen ist er zwei Mal vorbeigekommen. Aber das war nur ganz kurz, als wir im Freien auf der Reeperbahn drehten. Udo war ganz locker, hat ein paar Spässe gemacht und ist nach einer Viertelstunde wieder gegangen. Ich bin auch überzeugt, dass sich so ein Projekt nur gut verwirklichen lässt, wenn sich die betreffende Person möglichst raushält. Es gibt aus den USA diverse negative Beispiele, bei denen Leute, über die ein Film gedreht wurde, gleich selber Regie (mit-)führen wollten – mit entsprechend desaströsen Resultaten. Hermine Huntgeburth hatte in dieser Hinsicht eine ganz klare Linie, indem sie sagte: Wir dürfen Udo auf keinen Fall halb fertige Sachen zeigen, er darf nur die finale Version sehen. Und sie hat das durchgezogen.

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