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Rezension | Prinzessin

Publiziert am 10. September 2021

Ein modernes Märchen mit grossartiger Besetzung

Peter Luisi ist für seine erfolgreichen Komödien wie «Flitzer» oder «Der Sandmann» bekannt, doch trifft er auch in einem Drama den richtigen Ton? Mit «Prinzessin» versucht er sich an einem Familienfilm über Sucht, Liebe, Freundschaft. Auf sein starkes Ensemble, bestehend aus Matthias Habich, Johanna Bantzer, Fabian Krüger und Anne Haug sowie Kinderstar Lia Hahne kann er sich dabei verlassen.
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Prinzessin | Synopsis

Wir schreiben das Jahr 1985. Josef hat sich mit seinem Alkoholismus in das baufällige Haus seiner Mutter mit Garten zurückgezogen. Als seine Schwester mit ihrer vierjährigen Tochter Nina in die zweite Wohnung zieht, entwickelt sich zwischen der Kleinen und dem Onkel eine unerwartete Freundschaft. Fünfunddreissig Jahre später treffen sie wieder aufeinander. Diesmal ist es Nina, die in Schwierigkeiten steckt. Und Josef, inzwischen über 80, hat sich in den Kopf gesetzt, ihr zu helfen.

Peter Luisi, 1975 in Zürich geboren, ist Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Er hat mit zahlreichen Spielfilmen, darunter «Flitzer», «Verflixt Verliebt» und «Der Sandmann» sowie als Ko-Autor von Fredi Murers «Vitus» auf sich aufmerksam gemacht. Seine Filme wurden unter anderem mit dem Zürcher Filmpreis, dem Jury- und Publikumspreis am Filmfestival Max Ophüls und mit dem Publikumspreis am Locarno Film Festival ausgezeichnet.

Prinzessin | Rezension

von Madeleine Hirsiger

Es könnte fast eine weihnachtliche Geschichte sein: Man fühlt sich im Kinosessel sofort in Sicherheit und glaubt, dass alles gut kommen wird. Es geht um ein altes, renovierungsbedürftiges Zweifamilienhaus im Dorf, als die Mutter stirbt, erben es die beiden Kinder. Die Tochter, eine Pflegefachfrau in Weiterbildung, will sofort verkaufen, sie braucht das Geld. Ihr Bruder Josef, ein schwerer Alkoholiker, der sich messimässig von harten Drinks ernährt, will auf keinen Fall aus seiner vergammelten Wohnung ziehen. Eine klassische Situation als Ausgangslage für ein Drama mit viel Herzblut. Die Hauptperson ist Josef, glaubwürdig und mitfühlend gespielt von Fabian Krüger, abgemagert und ungewaschen, in schmutzigen, zerschlissenen Kleidern.

Seine Prinzessin
Josef muss mit seiner Schwester, die in die Wohnung ihrer Mutter einzieht, irgendwie auskommen – so spart sie sich wenigstens den Mietzins für eine andere. Aber da gibt es noch Nina, die wunderbare kleine Tochter der Schwester (Lia Hahne). Das aufgeweckte und schlaue Mädchen kommt gezwungenermassen mit ihrem Onkel in Kontakt. Die Nähe der beiden stimmt die Schwester versöhnlich, die Skepsis und Ablehnung gegenüber ihrem Bruder, der permanent betrunken ist, nimmt ab. Und da wieder die Hoffnung: Er wird es schaffen, den Alkohol zu besiegen, dank der kleinen Nina, die zu seiner Prinzessin wird. Josef blüht auf und spielt seiner Nichte wunderbare erfundene Geschichten im wilden Garten ums Haus vor. Der 47-jährige Zürcher Regisseur Fabian Luisi, der 2004 mit seiner Komödie «Verflixt verliebt» im Schweizerischen Filmschaffen sofort seinen Platz gefunden hatte, beschreibt diese Annäherung behutsam und mit Fingerspitzengefühl in einem stimmungsvollen Setting der 1980 Jahren, gekonnt eingefangen von Kameramann Ramòn Giger.

Der Twist
Aber es kommt anders: Nina fällt die Treppe unglücklich hinunter und liegt mit einer Gehirnerschütterung im Spital. Josef darf sie nie wieder sehen. Dann ein harter Schnitt, wir gelangen im Heute an. Der über 80-jährige Josef, schon lange im Altersheim, geht an die Beerdigung seiner Schwester. Er hatte keinerlei Kontakt zur Familie. Doch er ergreift die Möglichkeit und erkundigt sich nach Nina, die er Jahrzehnte lang nicht gesehen hat. Seine Prinzessin sei den harten Drogen verfallen, wird ihm gesagt. Sie sei nicht mehr zu retten und befände sich jetzt irgendwo in der Ukraine. Und da beginnt ein neues Abenteuer von Josef: Die Rettung seiner Prinzessin.

Problematischer Zeitsprung
Leider passt die Zweiteilung der Geschichte mit dieser langen zeitlichen Pause nicht wirklich zusammen. Die Szene, in der Josef an der Beerdigung aufgeklärt wird, kommt zu unvermittelt. Von vielen Seiten wird auf ihn eingeredet, immer noch mehr Details über die aktuelle Lage und die Drogensucht von Nina werden beigefügt. Der Film ändert zu sehr den Erzählfluss und auch seine visuelle Umsetzung. Trotzdem: Mit dem ersten Teil der Geschichte wird man belohnt – auch emotional. Und wem es gelingt, sich auf die Fortsetzungsgeschichte einzulassen, der kommt auch da auf seine Rechnung. Freude macht vor allem ein Wiedersehen mit dem altgedienten Schauspieler Matthias Habich als alter Josef und mit Johanna Bantzer in der Rolle der drogenabhängigen Nichte.

Fazit: Regisseur Peter Luisi zeigt uns mit der «Prinzessin» ein fast zärtliches Drama zwischen einem verwahrlosten, alkoholisierten Onkel und seiner bezaubernden kleinen Nichte – mit unerwarteter Entwicklung.

Prinzessin | Stimmen

«Ein warmherziges Drama über zwei Menschen, die sich gegenseitig neuen Lebensmut schenken.» – ZFF | «‹Prinzessin› beginnt mit einer bärenstarken Performance und baut nach und nach eine unglaublich dichte Atmosphäre auf. Der erste Storyteil wird berührend erzählt, […] der zweite Teil […] vermag nicht zu überzeugen: Er wirkt zufällig und baut keine richtige Verbindung zwischen den Charakteren mehr auf. Schade, dass ‹Prinzessin› so sein gesamtes Potenzial verspielt.» – Yannick Bracher, Outnow

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Prinzessin | Regie: Peter Luisi | Drama | Schweiz, 2021 | 101 Minuten | Verleiher: Cineworx

Der Film feierte am Zurich Film Festival 2021 seine Schweizer Premiere.

Kinostart Deutschschweiz: 27. Januar 2022 | Französische Schweiz: -

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