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Der Film von Thomas Heise war der grosse Renner an der Berlinale, keine Chance auf ein Ticket. Das VdR bietet die Möglichkeit, den Film doch noch zu sehen.

Visions du Réel | 50. Ausgabe

Publiziert am 15. März 2019

Das Festival feiert sein 50-jähriges Bestehen im Zeichen von Freiheit und Weltoffenheit - Attribute, die es seit seiner Gründung auszeichnen.

Die Jubiläumsausgabe zeigt 169 Filme aus 58 Ländern. Werner Herzog beehrt das Festival drei ganze Tage lang und erweist damit einer Veranstaltung seine Ehre, die seit einem halben Jahrhundert, wie kaum eine andere, für ein Kino ohne Kompromisse, ohne Zwänge oder Einschränkungen in Form und Inhalt steht. Vier ehemalige Direktor*innen treten dafür mit neun ausgewählten Filmen den Beweis an. Ein neuer, transparenter Holzbau visualisiert Zukunft.
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Carte blanche für die ehemaligen Direktoren und eine neue Infrastruktur
Die Freiheit des Festivals spiegelt sich in der Auswahl des Programmteams wider, insbesondere in der neuen Sektion «Cinquante», einer Retrospektive, in der die vier ehemaligen künstlerischen Direktor*innen des Festivals (Moritz de Hadeln / 1969 bis 1980, dessen kürzlich verstorbene Frau Erika de Hadeln /1980 bis 1993, Jean Perret /1995 bis 2010 und Luciano Barisone /2011 bis 2017) neun Filme vorstellen. Es sind Werke, die ihre Epochen und die Geschichte des Kinos geprägt haben. «Es schien natürlich und angemessen, zu diesem Jubiläum diejenigen einzuladen, die die Geschichte des Festivals geschrieben haben», betont die künstlerische Direktorin des Festivals Emilie Bujès. Sie hat ihnen dabei freie Hand gelassen. Auch einige Folgen der Histoire(s) du cinéma von Jean-Luc Godard werden in diese Sektion eingestreut, gewissermassen als fröhliche und fruchtbare Interferenzen des in der Region lebenden Filmemachers.

Transparente Holzkonstruktion
Neben dem Rückblick auf den seit 1969 zurückgelegten Weg soll die 50. Ausgabe auch zum Anlass genommen werden, in die Zukunft zu schauen und dem Festival ein neues Antlitz zu verleihen, etwa mit dem ‹Forum› im Village du Réel. Diese mit transparenten Paneelen bedeckte Holzkonstruktion ist eine Kreation des Genfer Architekten Giona Bierens de Haan. Das Motto des Jubiläums «50 Jahre Freiheit, 50 Jahre Weltoffenheit, 50 Jahre Kino» inspirierte ihn für diesen transparenten, lichtdurchfluteten und vollständig modularen Bau, der die Weiterentwicklung des Festivals in den kommenden Jahren aufnimmt. Die Schweizer Regisseurin Mariama Balde ihrerseits gibt mit einem eigens für das 50-jährige Jubiläum aus Archiven zusammengeschnittenen Kurzfilm, der während der Eröffnungszeremonie und Feier präsentiert wird, einen Rückblick auf das Festival.

Die zerstörerische Wirkung einer Vergewaltigung
Zum 50-jährigen Jubiläum hat Visions du Réel für die Sektion «Internationaler Wettbewerb – Langfilme» 15 markante Werke ausgewählt, die fast alle in Nyon ihre Weltpremiere feiern. Jeder Film ist eine Immersion in eine von der Kamera einfühlsam festgehaltene Welt: «Aether» von der Filmemacherin Rûken Tekeş zeigt beispielsweise eine antike Stadt in der Türkei, die vom Bau eines Staudamms bedroht ist. «Century of Smoke» hat eine Gemeinschaft im Norden von Laos, die vom Opiumanbau lebt und stirbt zum Thema.
Die Ausgabe 2019 von Visions du Réel zeigt auch sehr persönliche Filme, wie die Reflexion über Identität, Raum und Erinnerung in «Heimat is a Space in Time», mit der Thomas Heise einmal mehr am Festival teilnimmt, oder die Frage der Trauer, und wie sie die Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn stärken kann. Yuki Kawamura behandelt dies in seinem Film «Norie». Die unmögliche Trauer um einen verschollenen Ehemann wird im Film «Those Who Remain» von Ester Sparatore nachgezeichnet. Die zerstörerische Wirkung einer Vergewaltigung beschäftigt uns in «That Which Does Not Kill» von Alexe Poukine.

Nicht erziehbare Jugendliche
Das Programm bietet aber auch Platz für Revolte und Widerstand. «Out of Place» von Friederike Güssefeld beschäftigt sich mit dem Porträt von drei deutschen Jugendlichen, die seitens Behörden als nicht «umerziehbar» gelten und nach Rumänien geschickt werden. Christian Labhart zeigt in «Passion – Between Revolt and Resignation» die Widersprüche des aktuellen kapitalistischen Dschungels auf. Der Film wurde an den Solothurner Filmtagen abgelehnt, was zu heftigen Diskussionen führte. Die Identitätsfragen eines jungen Soldaten aus einer birmanischen Minderheit ist das Thema in «Soil Without Land» von Nontawat Numbenchapol.

Werner Herzog im Rampenlicht und zwei Workshops
Ein weiterer Höhepunkt des diesjährigen Programmes ist die Hommage an Werner Herzog mit nicht weniger als 14 Filmen, von denen mehrere vom Filmemacher selbst vorgestellt werden. Herzog wird selber für drei Tage in Nyon präsent sein. Ausserdem bietet das Festival zwei Workshops, die Tariq Teguia und dem Duo Massimo D’Anolfi und Martina Parenti gewidmet sind und eine Brücke zwischen Poesie und Politik schlagen.

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