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Zurich Film Festival | Die Gewinner

Publiziert am 04. Oktober 2020

Zwei starke Frauen, die um Sohn und Mann kämpfen sowie das Schicksal eines jungen Österreichers stehen im Mittelpunkt der Gewinnerfilme des ZFF.

Die Goldenen Augen der drei Wettbewerbe des 16. Zurich Film Festival gehen an «Hochwald» von Evi Romen (Fokus Wettbewerb), «Sin siñas particulares» von Fernanda Valadez (Spielfilm Wettbewerb) und «Time» von Garrett Bradley (Dokumentarfilm Wettbewerb).
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Hochwald
Regie: Evi Romen | Drama | 108 Minuten | Österreich, Belgien, 2020

Zum Film: In seinem kleinen südtiroler Heimatdorf kennt jeder den schrägen und sensiblen Mario, der leidenschaftlich gerne tanzt. Von den anderen Bewohnern zwar akzeptiert, aber zugleich kritisch beäugt, findet er immerhin in seinem Vater einen Verbündeten. Als Mario seinen Jugendfreund Lenz wieder trifft, drängen sich Gefühle an die Oberfläche. Dieser lebt mittlerweile als Schauspieler in Rom, und Mario beschliesst kurzerhand, ihm hinterherzureisen. Die beiden treffen sich in einer Schwulenbar, doch Mario realisiert bald, dass Lenz nicht unbedingt auf ihn gewartet hat. Als plötzlich bewaffnete Männer in die Bar stürmen, wird Lenz Opfer eines Attentats, und Mario kommt unversehrt davon. Als er ins Südtirol zurückkehrt, gerät sein Leben allmählich aus den Fugen.

Jury: «Hochwald geht mit seiner Vielfalt an Themen ein Wagnis ein, das der Hauptdarsteller Thomas Brenn an jeder Stelle zu meistern weiss. Ihm folgen wir durch die dramatischsten Wendungen, die uns mit seiner Aussenseiterrolle und unseren Vorurteilen konfrontieren. Die Regisseurin Evi Romen hat uns mit der Wahl und Inszenierung ihres Casts und dem Umgang mit dem erzählerischen Rhythmus und der Visualität überzeugt. Wir sind neugierig auf ihr weiteres filmisches Schaffen.»

Sin Siñas Particulares
Regie: Fernanda Valadez | Drama | 97 Minuten | Mexiko, Spanien, 2020

Zum Film: Magdalena ist auf der Suche nach ihrem totgeglaubten Sohn. Vor Monaten war er mit dem berüchtigten Bus 670 aus Mexiko aufgebrochen, um in den USA ein besseres Leben zu finden. Losen Spuren folgend und entgegen aller behördlichen Warnungen hängt sich Magdalena an sein unbekanntes Schicksal. Sie zieht gen Norden, durch die trostlosen, von Kartellen beherrschten Territorien Mexikos. In Miguel findet sie einen Verbündeten. Ungleich und doch in ihrer Odyssee verbunden gehen sie gemeinsam weiter auf der Suche nach der Wahrheit. Atmosphärisch dicht und visuell fesselnd führt Fernanda Valadez eine Mutter dahin, wo Opfer und Täter aufeinanderprallen und wo Gut und Böse ineinandergleiten. Ein Film wie ein Sog: hochspannend und tief berührend.

Jury: «Dieser furchtlose, magische, eindringliche und allzu reale Film beginnt als eine geradlinige Reise und führt den Zuschauer dann in eine filmische Welt, in der Monster real sind. Der Film konzentriert sich auf eine humanitäre Krise, die leere Dörfer und Armeen von Menschen zurückgelassen hat, und ist ein umfassendes Porträt einer Tragödie. Er ist eine atemberaubende Annäherung an eine Fabel über den Krieg, und er lässt sich mit vielen Orten auf der ganzen Welt in Verbindung bringen, die sich innerlich im Krieg befinden. Dieser herausragende erste Spielfilm einer Gruppe aussergewöhnlicher Künstlerinnen und Künstler weigert sich, irgendwelche Stereotypen darüber, was ein von Frauen gemachter Film sein kann, aufzustellen»

Time
Regie: Garrett Bradley | Dokumentation | 81 Minuten | USA, 2020

Zum Film: Vor 21 Jahren haben Sibil und ihr Ehemann Rob eine Bank ausgeraubt. Während sie mit einer geringen Freiheitsstrafe davonkam, ist er zu 60 Jahren im Staatsgefängnis von Louisiana verdonnert worden. Mittlerweile ist die Afroamerikanerin eine erfolgreiche Unternehmerin, Autorin sowie Mutter von sechs Kindern, die ohne ihren Vater aufwachsen müssen. Unbeirrt kämpft Sibil seit zwei Jahrzehnten für die Begnadigung ihres Mannes – und hält das Familienleben mit der Videokamera fest. Virtuos verwebt Regisseurin Garrett Bradley die Heimvideos mit eigenen Aufnahmen zu einer berührenden Odyssee. Ein episch-dramatischer Langzeitdokumentarfilm, der mit seinen poetischen Bildern den Blick freilegt auf eine Familie zwischen Sehnsucht und Hoffnung.

Jury: «Der Film blickt in beeindruckender Weise auf zwanzig Jahre Kampf für Gerechtigkeit zurück. Anhand von Originalmaterial und Archiv-Heimvideos entwirft die Regisseurin das Porträt einer Frau, das sich zu einer komplexen Chronik einer Ehe, einer Familie, einer Gemeinschaft und schliesslich eines Landes ausweitet. Herzzerreissend und leidenschaftlich bietet der Film einen intimen und eindringlichen Blick auf eine lange Geschichte von polizeilichem Fehlverhalten und sozialer Diskriminierung. Die evokative Schwarz-Weiss-Verfilmung schafft ein grundlegendes Gefühl der Zeitlosigkeit, in der Ungerechtigkeiten fortbestehen. Es ist ein Film über Stärke und Widerstandskraft und letztlich über Hoffnung.»

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