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Kunstmuseum St.Gallen | Filipa César

Publiziert am 10. April 2013

Die in Portugal geborene Künstlerin Filipa César rekonstruiert mittels Videos historische Ereignisse. Dokumente, Filme und Fotografien nutzt sie für eine Neuinterpretation der portugiesischen Geschichte der Entkolonialisierung afrikanischer Staaten.
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Rekonstruktion von Geschichte
Das Medium Film steht bei der 1975 in Porto geborenen Künstlerin Filipa César im Mittelpunkt ihrer Arbeiten. Die in den letzten Jahren international wahrgenommenen Werke Césars beschäftigen sich mit der Beziehung zwischen dem bewegten Bild und dessen Wahrnehmung durch die Gesellschaft. Ihre Teilnahme an weltweit beachteten Grossausstellungen wie der Manifesta 8 2010 in Cartagena und der Biennale São Paulo zeichnet César als gefragte Vertreterin des Genres aus. Die Ausstellung im Kunstmuseum St.Gallen ist ihre erste Einzelpräsentation in einem Schweizer Museum. Themen wie Erinnerung, Gedächtnis und deren Rezeption durch das Filmische untersucht César unter anderem entlang historischer Ereignisse in ihrer Heimat Portugal Mitte der 1970er Jahre wie beispielsweise das Ende der Salazar-Diktatur und die damit einhergehende Entkolonialisierung afrikanischer Besitzungen.

The Embassy – Fotoalbum Guinea-Bissau
Packend verwebt die Künstlerin überlieferte Geschichte mit subjektiven Erzählungen von Protagonisten, die – marginalisiert von der offiziellen und tradierten Geschichtsschreibung – Ideologien neu beleuchten. Mit Ihrer Arbeit «The Embassy» (2011) begibt sich Filipa César in die ehemalige westafrikanische Kolonie Guinea-Bissau. Der Journalist Armando Lona blättert in einem vergilbten Fotoalbum, auf das César in einem verwahrlosten Staatsarchiv gestossen ist, und lässt die koloniale Vergangenheit auf den vorgefundenen Aufnahmen anschaulich werden. Die weiche, sonore Stimme des Archivars kommentiert aus dem Off die Schwarzweiss-Aufnahmen aus den 1940er und 1950er Jahren. Anhand fotografischer Bilder, die aus der Perspektive der ehemaligen Unterdrücker entstanden sind, erzählt er Geschichten aus dem Alltag der Bewohner Guinea-Bissaus.

Cuba – Kolonialmacht Portugal
Weitere filmische Werke wie «Cuba» (2012) thematisieren das kollektive Gedächtnis, den politischen wie gesellschaftlichen Hintergrund Portugals und dessen Vergangenheit als Kolonialmacht. Ein Ausgangspunkt ist dabei der Unabhängigkeitskämpfer Amílcar Cabral (1921–1973) und sein Einfluss auf das kinematografische Vermächtnis Guinea Bissaus. Die lokale Filmproduktion spielte eine wesentliche Rolle im Unabhängigkeitskampf der Kolonie 1961 bis 1973 gegen Portugal.

Porto, 1975 – Sozialer Wohnungsbau
In der Arbeit «Porto, 1975» (2010) kondensiert die Künstlerin Gegenwart und Vergangenheit am Beispiel von Bouça – einem Projekt des sozialen Wohnungsbaus. 1973 vom Architekten Álvaro Siza geplant und begonnen, wurde es 1978 eingestellt und konnte erst 2006 abgeschlossen werden. Filipa Césars Videoarbeit führt in einer einzigen Kamerafahrt durch die Anlage und endet in einem Architekturstudio. Die Erinnerung an die kontroversen Reaktionen auf das Bauprojekt ist hier abschliessend als Telefonnachricht eines Zeugen zu hören.

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Filipa César | Kunstmuseum St.Gallen | 6. April bis 23. Juni 2013

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