Coverausschnitt des Buches «Verbrannte Sonne» von Elvira Dones

Online-Literaturfestival | Tage südosteuropäischer Literatur

Publiziert am 10. Februar 2021

Jenseits von Kli­schees und kurzlebigen Schlagzeilen – wir präsentieren fünf Bücher aus dem Programm.

Seit sechs Jahren lädt das Literaturhaus im Februar zu einem Festival, das sich der Literatur einer Region oder eines Landes widmet. Das Eintauchen in eine Vielzahl von Geschichten ermöglicht differenzierte Einblicke und Erkenntnisse. Dieses Jahr liegt der Fokus auf Südosteuropa – einer Region inmitten von Europa, reich an Geschichte und Geschichten, Sprachen und literarischen Traditionen. Gemeinsam mit der Buchhandlung mille et deux feuilles stellt arttv fünf Bücher aus dem Programm vor.
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Online-Veranstaltungen im Rahmen der «Tage südosteuropäischer Literatur»
(Eine Auswahl)

Über Familiengeschichte(n) und Zeugenschaft
Online-Veranstaltung mit Dragan Velikić und Ivana Sajko Moderation: Alida Bremer | Lesung: Miriam Japp
Freitag, 26. Februar 2021 | 20:00–21:30 Uhr
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Aus dem Serbischen, Kroatischen und Bosnischen von… Ein Übersetzerleben
Online-Veranstaltung mit Mirjana und Klaus Wittmann | Moderation: Karl Rühmann
Samstag, 27. Februar 2021 | 11:00–12:30 Uhr
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Im Brennglas des Krieges
Online-Veranstaltung mit Damir Ovčina im Gespräch mit Melinda Nadj Abonji | Lesung: Thomas Douglas
Samstag, 27. Februar 2021 | 17:30 – 19:00 Uhr
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Albanien gestern und heute
Online-Veranstaltung mit Luljeta Lleshanaku und Elvira Dones | Moderation: Jennifer Khakshouri Lesung: Lara Körte
Sonntag, 28. Februar 2021 |11:00 – 12:30
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Es war einmal in Slowenien
Online-Veranstaltung mit Drago Jančar und Zora del Buono | Moderation: Thomas Grob Lesung: Daniel Hajdu
Sonntag, 28. Februar 2021 | 14:00 – 15:30 Uhr
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Online-Literaturfestival
Das Literaturhaus lädt Autor*innen, Übersetzer*innen und Künstler*innen ein, in Lesungen, Podiumsdiskussionen und Übersetzergesprächen ihre Werke vorzustellen und miteinander ins Gespräch zu kommen: Es geht um individuelle Erfahrungen und Generationenthemen, um konfliktbeladene Nachbarschaften und Brückenschläge, um Krieg und Frieden, Diaspora und Verwurzelung. Zu Wort kommen auch zahlreiche Kulturschaffende und Schriftsteller*innen, die in den letzten Jahrzehn­ten aus dem Balkan in die Schweiz gekommen sind und heute zu den spannendsten literarischen Stimmen gehören.

5 Bücher aus dem Programm

Wenn die Liebe ruht | Drago Jančar
Die junge Medizinstudentin Sonja erkennt in dem SS-Offizier, den sie auf der Strasse trifft, Ludek wieder, einen Bekannten, der sie als Kind einmal beim Skifahren aus dem Schnee gezogen hat. Ludek heisst jetzt Ludwig und ist ein überzeugter Nazi. Sonja nimmt ihren ganzen Mut zusammen und bittet Ludek um Hilfe für ihren inhaftierten Freund Valentin. Für Ludwigs Hilfe zahlt Sonja einen hohen Preis. Doch Valentin, der bei den Partisanen kämpft und später bei den Kommunisten Karriere macht, dankt Sonja ihren Einsatz nicht. [Klappentext]

Drago Jančar lebt in Ljubljana und gilt als der bedeutendste zeitgenössische Autor seines Landes; seine Romane, Essays und Stücke wurden in viele Sprachen übersetzt und vielfach aus­ gezeichnet. 1974 wurde er wegen «feindlicher Propaganda» inhaftiert. Zuletzt erschien der Roman «Wenn die Liebe ruht» (Zsolnay 2019) über die Kriegsjahre in Maribor und den Beginn der kommunistischen Herr­schaft. «Wenn die Liebe ruht» bei mille et deux feuilles

Familienroman | Ivana Sajko
Vier Generationen und eine Erzählerin, die sich den Tücken der Erinnerung stellt. Ivana Sajko erzählt vom Partisanenkampf im Zweiten Weltkrieg, von der Titozeit und vom Himmel über Zagreb, vom letzten Krieg in Europa und von Liebe und Tod. Ratlosigkeit und Hoffnung wechseln sich ab mit Idealismus und Enttäuschung, das Private kreuzt das Öffentliche, die Geschichte einer kleinen Familie die grosse Geschichte unseres Kontinents. [Klappentext]

Ivana Sajko ist eine kroatische Auto­rin, Regisseurin, Performerin, Mit­gründerin der Theatergruppe «BAD co.». 2018 wurde sie für «Liebes­ roman», gemeinsam mit ihrer Über­setzerin Alida Bremer, mit dem Inter­nationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt ausgezeichnet. Zuletzt erschien «Familienroman» (Voland & Quist 2020); Sajko ver­webt in dieser völlig neuen Art eines «historischen Romans» die Erzäh­lungen ihrer Vorfahren zu einem Porträt Zagrebs und der Geschichte Jugoslawiens. «Familienroman» bei mille et deux feuilles

Zwei Jahre Nacht | Damir Ovčina
Ein achtzehnjähriger Junge in einer Stadt am Rand Mitteleuropas, die noch das vielvölkrige Erbe alter Zeiten trägt. Doch der Staat um sie herum zerfällt, und plötzlich ist Krieg. Als der junge Mann zufällig in einem fremden Viertel Sarajevos eingeschlossen wird, muss er dort, in Grbavica, zwei Jahre lang bleiben, vom Vater getrennt. Und eine dunkle Erziehung beginnt. Er wird Diener der Besatzer, muss für sie arbeiten, spionieren, wird gedemütigt. Er muss Tote bestatten, steht aber auch den Lebenden bei. Er lernt, im Verborgenen, eine Frau kennen. Als er öffentlich ein Gebet sprechen soll, nur um verspottet zu werden, wehrt er sich zum ersten Mal gegen seine Peiniger – flüchtet und lebt im Widerstand, im Untergrund, nur geschützt von seiner Freundin. Einzig das Ende des Krieges kann ihn befreien. [Klappentext]

Damir Ovčina fing nach seinem Ab­schluss in Literaturwissenschaft an, als Direktor an einer Schule für blin­de und sehbehinderte Kinder zu arbeiten. Sein erster Roman «Zwei Jah­re Nacht» (Rowohlt 2020) hat in Bosnien und auch international viel Aufmerksamkeit erregt. Ovčina be­schreibt zugleich schonungslos, wie poetisch radikal die Erlebnisse während des Bürgerkrieges im belagerten Sarajevo. «Zwei Jahre Nacht» bei mille et deux feuilles

Verbrannte Sonne | Elvira Dones
Ein Roman, der erschüttert, der ausspricht und beschreibt, was man nicht hören, nicht lesen möchte. Ungeschminkt und explizit wird Frauenhandel aus den Perspektiven zahlreicher Frauen erzählt, die von Dortunten entführt, mit falschen Versprechen nach Dortoben gelockt wurden. Es kommen auch die Eltern zu Wort, die versuchen, die verschollenen Töchter ausfindig zu machen, oft wissend, wer die Täter sind, mit denen sie den Alltag teilen. Jedoch ohne Unterstützung zu erhalten, weder im Dortoben noch im Dortunten. Italien wie Albanien werden zwar nie benannt, doch es ist offensichtlich. Der Roman spielt in den 90er Jahren. Das kommunistische Regime Albaniens ist gestürzt, es kommt zu Massenauswanderung und Zerfall der staatlichen Strukturen. [Klappentext]

Elvira Dones, geboren in Albanien, ist eine schweizerisch­amerikanische Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Dokumentarfilmerin, sie lebt im Tes­sin. Neben vielen Romanen in ihrer Muttersprache hat sie auch zwei in ih­rer adoptierten Sprache Italienisch geschrieben. Im Roman «Verbrannte Sonne» (Ink Press 2020) behandelt sie aktuelle politische Vorgänge in Albanien. «Verbrannte Sonne» bei mille et deux feuilles

Der Held | Karl Rühmann
2005, in einem Land, in dem von 1990–1995 ein Bürgerkrieg getobt hat: Zwei hohe Offiziere, die einst in derselben Armee gedient, im Krieg aber auf verschiedenen Seiten gekämpft hatten, werden als Kriegsverbrecher angeklagt und an das Internationale Tribunal in Den Haag ausgeliefert. Dort freunden sie sich an, da sie Vieles verbindet: die Vergangenheit, die Sprache, das Alter, nicht zuletzt die drohende Strafe. Der General der siegreichen Partei wird nach fünf Jahren Untersuchungshaft freigesprochen, der Oberst der unterlegenen Partei zu einer langjährigen Strafe verurteilt. Die Männer schreiben einander Briefe, um die vergangenen Ereignisse einzuordnen und Szenarien für die Zukunft zu entwickeln. Ihre Gedanken kreisen um Schuld und Unschuld, Justiz und Gerechtigkeit. Die Briefe sind Ausdruck der Freundschaft zweier Menschen, die erst im Gefängnis gemerkt haben, dass sie mehr verbindet als trennt. [Klappentext]

Karl Rühmann (Mladen Jandrlic) stu­dierte Germanistik und Hispanistik in Zagreb und Münster, heute lebt er in Zürich als Literaturübersetzer und Autor von Romanen, Hörspielen und Kinderbüchern. Sein erster Roman «Glasmurmeln, ziegelrot» erzählt aus der Perspektive eines Kindes vom Aufwachsen im Kalten Krieg, «Der Held» (Rüffer & Rub 2020, nominiert für den Schweizer Buchpreis) ist ein eindringliches Kammerspiel über das komplexe Zusammenspiel von Schuld und Wahrheit. «Der Held» bei mille et deux feuilles

Biografien und Veranstaltungstext: Literaturhaus Zürich

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Tage südosteuropäischer Literatur | Online-Literaturfestival | Literaturhaus Zürich | 26. bis 28. Februar 2021

Die Gäste aus dem Ausland werden digital zugeschaltet, die Veranstaltungen werden live aus dem Literaturhaus gestreamt.
Streaminglinks zu den Veranstaltungen finden Sie auf literaturhaus.ch bei den jeweiligen Veranstaltungen, sie stehen kostenlos zur Verfügung.

Alle Bücher des Festivals erhältlich bei mille et deux feuilles.

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