Sprengung Tunnelsüdportal (06.09.1960)

Buchvorstellung | Lopper | überquert – umrundet – umkämpft

Publiziert am 21. Dezember 2020

Ein Buch über den Renggpass, das Nadelöhr auf der Gotthardroute.

Ein fast in Vergessenheit geratener Pass, der Rengg, eine Landstrasse, die Eisenbahn, ein Autobahnknotenpunkt sowie fünf Brückengenerationen erschliessen den Lopper, eine Felsnase südlich von Luzern. Der Renggpass verbindet die Kantone Nid- und Obwalden und spielte in der Geschichte mehrfach eine wichtige Rolle bei militärischen Bedrohungsszenarien, zuletzt im Réduit und im Kalten Krieg.
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Marion Sauter ist Professorin für Kulturtheorie an der Berner Fachhochschule und Dozentin für Architekturgeschichte an der Hochschule Luzern. Die profunde Kennerin der Innerschweiz hat mit dem Renggpass- bzw. dem Lopperbuch ihre dritte verkehrshistorische Arbeit vorgelegt.

Das Lopperbuch ist mit Karten, Plänen und historischen Fotografien reich illustriert. Der Fotograf FX Brun dokumentierte die Gegenwart. Der Geologe Peter Spillmann lieferte einen Textbeitrag, der die Ausgangssituation für Bauarbeiten im Felsmassiv erläutert.

Der Lopper in der Frühzeit
Die Renggpassquerung (885 m ü.M.) ist ein Teilstück des historischen Saumpfads am westlichen Ufer des Vierwaldstättersees, die über Jahrhunderte eine Alternative zu den kostspieligen Schiffspassagen darstellte. Der Renggpass gewährleistete den Luzernern aber auch die Verbindung in Richtung Brünig und ins Berner Oberland. Die wissenschaftliche Ausgangslage in der Frühgeschichte ist ausserordentlich reich: Unweit des Loppers liegen die Pfahlbausiedlung Kehrsiten NW und die Römervilla Alpnach OW. Der Lopper selbst war spätestens seit der Jungsteinzeit Zeit temporär besiedelt. In der jüngeren Vergangenheit verlieren sich die Spuren. Daher rückten die Nachfolgeprojekte der Renggpassquerung weitab der Passhöhe in den Vordergrund: Das Renggpassbuch wurde zum Lopperbuch.

Zeit der Erschliessung
Die Landstrasse wurde 1860 gebaut. Es fanden sich keinerlei Hinweise auf Pläne zur Erschliessung des Renggpasses, obwohl dies technisch problemlos möglich gewesen wäre und zahlreiche Hofstätten erschlossen hätte. Die neue Strasse umrundete stattdessen die unwirtliche, nicht besiedelte Lopper-Felsnase. Eine Zugbrücke erschloss Stansstad und gewährte gleichzeitig die Durchfahrt für die Dampfschiffe, die Touristinnen und Touristen zur Pilatusbahn nach Alpnachstad brachten. Aus der Pionierphase der Eisenbahn lassen sich für den Lopper mehrere Projekte fassen, die über den Brünig in Richtung Grimsel- und Griesspass weiter nach Italien führten. Die Eröffnung der Brünigbahn erfolgte in den Jahren 1888/89, die Anbindung Nidwaldens an das Schweizer Schienennetz jedoch erst 1964 – spät und heute kaum mehr vorstellbar. Im Jahr 1964 konnte die Autobahn A1 bis Stansstad NW eröffnet werden. Nach dem Eisenbahntunnel von 1888 führten nun zwei weitere Röhren durch den Lopper. Der Loppertunnel gehörten zu den Pionierbauten des 1960 in Kraft getretenen Schweizer Autobahnprogramms.

Euphorie und Ernüchterung
Der Kanton Obwalden erreichte, dass die Brünigstrasse nachträglich in das zukunftsweisende Bauprogramm aufgenommen wurde. Die Verbindung von A1 und A8 am Lopper machte in den 1980er-Jahren komplizierte Kreuzungen und Schleifen sowie eine weitere Tunnelröhre durch den Lopper erforderlich. Die ersten Bauprojekte am Lopper datieren aus der Zeit der Autobahneuphorie. 1964 wurde am Acheregg ein Hotel mit Blick auf die Autobahn eröffnet. Wenig später forderte die Bevölkerung bereits weitreichende Lärmschutzmassnahmen, musste die Sicherheit gewährleistet werden. Dies gelang nicht immer: 2010 beschädigte ein gewaltiger Felssturz die Fahrbahnen. Um den Verkehr aufrecht halten zu können, wurde die bislang längste Pontonbrücke Europas auf dem Vierwaldstättersee errichtet. Von den beschaulichen Anfängen zu zahlreichen Infrastruktur-Superlativen: Die Lopper bildet auf engstem Raum nahezu alle Aspekte der Schweizer Verkehrsgeschichte ab.

Text: LIBRUM Publishers & Editors LLC

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Lopper | überquert – umrundet – umkämpft | Marion Sauter | ISBN: 978-3-906897-52-3 | 200 Seiten

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