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Napoleonmuseum Thurgau | Wir waren auch dabei

Publiziert am 30. April 2018

Schweizer Männer im «Grossen Krieg». In einer Ausstellung werden Fronterfahrungen von Soldaten aus der Schweiz im Ersten Weltkrieg thematisiert.
Die aktuelle Sonderausstellung im Napoleonmuseum Thurgau beleuchtet ein vergessenes Kapitel europäischer Geschichte: Mehr als 50‘000 aus der Schweiz stammende Soldaten kämpften im Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite. Eine Ausstellung zu Fronterfahrungen der Soldaten aus der Schweiz am Beispiel des Konstanzer Regiments.

Napoleonmuseum Thurgau | «Wir waren auch dabei» | Vernissage: 30. April 2018 | 1. Mai bis 11. November 2018 | Im Verlag Labhard Medien erscheint unter dem gleichen Titel eine Begleitpublikation | Schloss und Park Arenenberg, CH-8268 Salenstein | Öffnungszeiten: 02. April bis 21.Oktober 2018
täglich, 10:00 bis 17:00 Uhr, 22.Oktober 2018 bis 31. März 2019 dienstags bis sonntags, 10:00 bis 17:00 Uhr

Schweizer Soldaten im «Grossen Krieg»
Es ist ein vergessenes Kapitel europäischer Geschichte: Mehr als 50‘000 aus der Schweiz stammende Soldaten kämpften im Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite. Eine schlichte Lücke in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Forschung. Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums Thurgau und Dozent für Militärgeschichte an der Offizierschule in Dresden, stiess während seiner Arbeit über das Konstanzer Militär darauf. Das Thema liess ihn nicht mehr los.

Erinnerungsstücke und Multimediavermittlung
Anlässlich des Kriegsendes vor 100 Jahren schliesst das Napoleonmuseum diese Lücke nun mit einer Ausstellung auf Arenenberg und einer reich bebilderten Begleitpublikation. Die Ausstellung «Wir waren auch dabei – Männer aus der Schweiz und das Konstanzer Regiment Nr. 114 im Krieg 1914 – 1918» greift dabei auf mehrere tausend Fotos, unbekannte Feldpost, noch nie gezeigte Erinnerungsstücke, Videoeinspielungen und Hörstationen zurück. Am Beispiel des Konstanzer Regiments widmet sich die Sonderausstellung dem Frontleben und fokussiert dabei besonders auf Soldaten aus der Schweiz.

Das Konstanzer Regiment als Beispiel
Das Konstanzer Militär unterhielt traditionell enge Verbindungen in den Schweizer Kanton Thurgau und andere Kantone. Konstanzer Offiziere hatten das Privileg, uniformiert Schweizer Gebiet betreten zu dürfen. Von dort stammende Soldaten waren nichts Ungewöhnliches. Berühmtester Vertreter dieses Personenkreises dürfte sehr früh Prinz Louis Napoléon von Schloss Arenenberg sein, der seine ersten militärischen Erfahrungen in Konstanz machte. Seit 1868 lag das 6. Badische Infanterie Regiment Kaiser Friedrich III. Nr. 114 in Konstanz. Die Ausstellung zeichnet die Geschichte dieses Verbands und seiner Soldaten während des Ersten Weltkrieges nach. Die aus der Schweiz stammenden Soldaten werden dabei besonders in den Blick genommen. Denn viele der Soldaten waren in der Schweiz geborene und aufgewachsene Auslanddeutsche. Sie sprachen Mundart und hatten dort ihre familiären Verbindungen. So etwa Leo und Jacob Keller aus Winterthur. Die Brüder meldeten sich in den ersten Augusttagen 1914 freiwillig. Wenige Wochen später fielen sie kurz hintereinander. Ein Zeuge beschreibt ihre Motivation: «Sie sind gefallen in treuer Pflichterfüllung für das Vaterland, – des Vaters-Land -, das sie nicht gekannt haben, dem sie aber durch Familienbande, Erziehung und heimatliche Überlieferung sich verbunden fühlten.»

Zwei Männer aus dem Thurgau begleiten den Ausstellungsbesucher
Adolf Merk stammte aus der Kantonshauptstadt Frauenfeld, sein Kamerad Richard Adler aus Kreuzlingen. Beide dienten bei den 114ern. Dabei handelte es sich um keine Einzelfälle. Das Schweizer Militär schätzte am Ende des Krieges, dass mehr als 50‘000 Männer aus der Schweiz zu den deutschen Fahnen eilten. Merk und Adler sind die Begleitfiguren der Ausstellung. Ihre Biografien ziehen sich als roter Faden durch die unterschiedlichen Kapitel und Räume. Die 114er kämpften ausschliesslich an der Westfront: im Elsass und in Lothringen, in französisch- und belgisch Flandern, an der Somme und in der Champagne. Dabei standen sie immer wieder mitten im Brennpunkt des Weltkrieges.

Die Heldin von Loos
In der Ausstellung wird das Kriegserleben primär auf der deutschen Seite der Front gezeigt – Videoeinspielungen und Hörstationen lassen aber auch die französischen «Poilus» (Soldaten/Landser) zu Wort kommen. Schonungslos weisen die Ausstellungsmacher auf alle Facetten des Krieges hin. Auch Kriegsverbrechen, Deserteure und das Leben/Leid der Zivilbevölkerung werden thematisiert. Eine besondere Rolle spielt dabei Emilienne Moreau, eine junge französische Lehrerin, die in ihrem Heimatort gegen die deutsche Besatzung kämpfte und als «Heldin von Loos» in die französische und englische Geschichtsschreibung einging.

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