© Ayse Yavas

Schweizer Grand Prix Literatur 2022 | Reto Hänny

Publiziert am 10. Februar 2022

«Reto Hännys Sprachkraft hat bleibende Breschen geschlagen.»

Es ist eine Auszeichnung für sein Gesamtwerkt. Reto Hänny schrieb in allen seinen Büchern die gleiche Geschichte nieder: seine eigenen und die seiner Zeit. Was ihn umtreibt, sind seine Kindheit in den Bündner Bergen, seine Jugend in Ruch (ein Anagramm von Chur), die Zürcher Unruhen der 1980er-Jahre. Seine Texte verarbeiten diese Themen aber nicht autobiografisch, sondern in Assoziationen, Erinnerungsstücken und Träumen, vor allem aber durch die Nachahmung, mit der er sich Weltliteratur aneignet.
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Jedes Jahr gingen die Gewinner:innen der Schweizer Literaturpreise auf Lesereise, um mit ihrem Publikum über ihr Buch und ihr Schreiben zu diskutieren. Doch die Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie waren mit einer Lesereise nicht zu vereinbaren und mussten wiederholt annulliert werden. Doch liessen sich so neue Begegnungsformen entwickeln wie der Podcast Schweizer Literaturpreise. Zu hören sind darin Interviews mit den Preisträger:innen, sie geben Antworten auf spannende Fragen und lesen Auszüge aus den ausgezeichneten Büchern.

Grand Prix Literatur 2022

Reto Hänny, geboren 1947 in Tschappina, einem kleinen Bergdorf in Graubünden. Nach ausgedehnten Reisen und verschiedenen Tätigkeiten, u. a. als Ziegenhirte, Schullehrer und Bühnenarbeiter am Theater in Chur, debütierte er 1979 mit «Ruch. Ein Bericht» und erregte mit «Zürich, Anfang September», einem Bericht über die Zürcher Jugendunruhen von 1980, erstmals grosses Aufsehen. Neben seiner intensiven Auseinandersetzung mit Neuer Musik und bildender Kunst entsteht ein überschaubares, aber umso dichteres literarisches Werk. Hänny, der zahlreiche literarische Auszeichnungen erhielt, u. a. den Ingeborg-Bachmann-Preis und zuletzt den Kunstpreis Zolliken, lebt als freier Schriftsteller in Zollikon (ZH) und Graubünden. Seine wichtigsten Werke sind «Sturz» (2020), «Blooms Schatten» (2014), «Helldunkel. Ein Bilderbuch» (1994), «Flug» (1985), «Zürich, Anfang September» (1980) und «Ruch. Ein Bericht» (1979).

Förderungsmassnahmen in der Literatur

Das BAK vergibt jedes Jahr die Schweizer Literaturpreise. Der Schweizer Grand Prix Literatur zeichnet das Gesamtwerk einer/es Autor:in aus. Alle zwei Jahre wird im Wechsel mit dem Spezialpreis Vermittlung der Spezialpreis Übersetzung vergeben. Zusätzlich zu diesen mit je 40 000 Franken dotierten Auszeichnungen werden jährlich Preise für im vergangenen Jahr erschienene Einzelwerke ausgeschrieben. Die Preisträger:innen erhalten je 25 000 Franken und werden durch spezifische Förderungsmassnahmen unterstützt, die ihre Werke auf nationaler Ebene bekannt machen sollen. Gespräche mit den Preisträger:innen werden ab dem 10. Februar 2022 alle zwei Wochen als Podcast gesendet. Ihr Schaffen wird ausserdem an den Solothurner Literaturtagen vorgestellt.

Spezialpreis Übersetzung 2022

Maurizia Balmelli wurde 1970 geboren und ist auf der Schweizer Seite des Lago Maggiore aufgewachsen. Dass viele Werke von Martin Amis, Tahar Ben Jelloun, Emmanuel Carrère, Marie Darrieussecq, Jean Echenoz, Mary Gaitskill, Aleksandar Hemon, Ágota Kristóf, J.M.G. Le Clézio, Ian McEwan, Cormac McCarthy, Noëlle Revaz, Yasmina Reza, Sally Rooney, Miriam Toews und Fred Vargas heute im italienischen Sprachraum gelesen werden und bekannt sind, ist der Arbeit von Maurizia Balmelli zu verdanken, die zu den wichtigsten Übersetzerinnen aus dem Französischen und Englischen ins Italienische zählt. Es ist ihr gelungen, starke Brücken zwischen den Literaturen zu bauen. Ihr stetiges Engagement für den Unterricht und die Ausbildung ist von grossem Wert. Typisch für ihr Schaffen ist die Fähigkeit, mit der Zielsprache zu arbeiten, um Rhythmus und Mass zu finden, die den Eigenheiten der Autor:innen in der Ausgangssprache entsprechen.

Schweizer Literaturpreise 2022

Die Eidgenössische Jury für Literatur hat folgende 2021 erschienene Werke ausgezeichnet:
La casa vuota | Yari Bernasconi (geboren 1982 in Lugano, lebt in der Nähe von Bern) | Verlag: Marcos y Marcos
D’oncle | Rebecca Gisler (geboren 1991 in Zürich, lebt in der Nähe von Zürich) | Verlag: Verdier
Die nicht sterben | Dana Grigorcea (geboren 1979 in Bukarest, lebt in Zürich) | Verlag: Penguin Verlag
Die Aufdrängung | Ariane Koch (geboren 1988 in Basel, lebt in Basel) | Verlag: edition suhrkamp
Eurotrash | Christian Kracht (geboren 1966 in Saanen im Kanton Bern, lebt in Zürich) | Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Émail diamant | Fabienne Radi (geboren 1960 in Freiburg (Schweiz), lebt in Genf) | Verlag: art&fiction
tout tient tout | Isabelle Sbrissa (geboren 1971 in Genf, lebt in Undervelier im Kanton Jura) | Verlag: Héros-Limite

Text: Bundesamt für Kultur

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Die Preisverleihung findet am 25. Mai 2022 zur Voreröffnung der Solothurner Literaturtage statt.

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