60 Jahre Museum kunst + wissen | Diessenhofen | Auf Tuchfühlung mit dem Kulturerbe

Publiziert am 15. August 2022

Die aktuelle Ausstellung wirft einen Blick in den Nachlass des Museums, das vor 60 Jahren als Stoffdruckereimuseum eröffnet wurde.

Erstmals überhaupt werden anlässliche des Jubiläums über 100 der insgesamt mehr als 1000 erhaltenen Entwurfszeichnungen der ehemaligen Kattundruckerei der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu sehen sind Entwurfszeichnungen, Stoffe und Druckmodel. Die Varietät der ornamentalen Textilmuster wie auch der figurativen Motive, welche den damaligen Zeitgeist widerspiegeln, sind eine ausgesprochene Augenweide und haben nichts von ihrer Frische verloren.
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Von der Fabrik zum Museum

Zur Museumseröffnung vor 60 Jahre wurden Objekte aus der ortsgeschichtlichen Sammlung, u.a. hölzerne Druckmodel, reich verzierte rote Stoffe und Modelstecherwerkzeuge gezeigt, welche auf die Mitte des 19. Jahr­hunderts von Heinrich Hanhart (1784–1854) und Johann Conrad Huber (1788–1871) gegründete «Rotfarb und Cattundruckerei» zurückgehen. Die Firma befand sich im heutigen Museumsgebäude; der Hänkiturm gehörte dazu und diente zur Trocknung der gefärbten Tücher. Der Bestand der Diessenhofer Zeugdruck-Entwurfszeichnungen ist bezüglich Anzahl, Zustand und Qualität weitherum einmalig und überdauerte dank glücklicher Umstände und engagierter Persönlichkeiten.

Fotografie als Zeitgeschichte

Die beiden bekannten Schaffhauser Fotografen Bruno und Eric Bührer haben extra für die Ausstellung ihre vor 60 Jahren anlässlich der Eröffnung gemachten Aufnahmen gesichtet und eine Auswahl getroffen, um davon Originalabzüge anzufertigen. Diese wertvollen Bilddokumente geben Einblick in das frühere Ortsmuseum und die gleichzeitig eingeweihte Dauerausstellung mit Werken von Carl Roesch (1884–1979). Die Fotografen kannten den Diessenhofer Maler seit 1957, als sie im renommierten Schaffhauser Zigarrengeschäft Forster eigene Fotografien ausstellten. Carl Roesch war als passionierter Pfeifenraucher ein guter Stammkunde von Forster und wollte, nachdem er die Ausstellung gesehen hatte, die beiden jungen Fotografen persönlich kennenlernen. Aus der Begegnung wurde eine tiefe Freundschaft.

Die Sendung TOP DOKU «Zwei Menschen, eine Leidenschaft» vom 2. Januar 2022 ist ein schönes Porträt der Bührer-Zwillingsbrüder: Link.

Künstlerische Intervention: «Andrea Buck: Anziehend! Lauter rotes Zeug»

Die in Diessenhofen ansässige Textildesignerin Andrea Buck hat bereits für die umfangreiche Publikation und Ausstellung «Rotfarb und Zeugdruck in Diessenhofen» (2016) einzelne Muster des Zeugdruckgewerbes rapportiert, neu koloriert und auf Fotos mit zeitgemässer Bekleidung digital montiert. Bei der aktuellen Ausstellung greift sie das Thema nochmals auf. Sie appliziert die Zeugdrucke auf Fotografien der 1920er-Jahre. Dank raffinierter Technologie lassen sich die Bilder mit dem eigenen Smartphone animieren. Ausserdem hat Andrea Buck mit Modepuppen eine Installation mit höchst aktuellem Zeitbezug geschaffen. Die Fotocollagen (Giclée-Print auf mattem Fotopapier aus 100% Zellstoff, 5er Auflage) können erworben werden.

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Auf Tuchfühlung mit dem Kulturerbe | Museum kunst + wissen, Diessenhofen | Sonderausstellungen zum 60-jährigen Bestehen | 2. April bis 18. September 2022

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