Bild (Ausschnitt): Le depart du Soldat Suisse, vor 1780, Sigmund Freudenberger, Nationalbibliothek

Nidwaldner Museum | Söldner

Publiziert am 09. März 2021

Die Schweiz war nie aktiv in einen Weltkrieg involviert, und doch war unser Land 500 Jahre lang der grösste Lieferant von «menschlicher Munition».

Schätzungen gehen von bis zu 1,5 Millionen Schweizer Soldaten aus, die unter fremden Fahnen dienten. Meist war es bittere Armut, die junge Männer dazu trieb, ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Die Kriegsdienste waren für viele notwendig, für die Obrigkeit lukrativ aber auch immer wieder politisch umstritten. Auch zahlreiche Nidwaldner leisteten fremde Dienste, so etwa Konrad Scheuber, der Enkel von Niklaus von Flüe. Das Nidwalden Museum erzählt ihre Geschichten.
Mehr lesen

Zahlreichen Einzelschicksale
Ein prominenter Söldner war Konrad Scheuber, 1481 in Altzellen, heute Wolfenschiessen, geboren, wurde er 1543 Landammann von Nidwalden. Dem Beispiel seines Grossvaters Niklaus von Flüe folgend, verliess Scheuber 1544 die öffentliche Welt und zog sich als Eremit zurück, zunächst in den Ranft bei Sachseln. Drei Jahre später wich er auf die Bettelrüti in Wolfenschiessen aus. Als Bruder Konrad war er Ratgeber für Räte und Richter wie auch für einfache Leute. Er wurde so zu einer Art Landesvater. Auf der Bettelrüti blieb er bis zu seinem Tod im Jahre 1559. Obwohl er nie selig gesprochen wurde, wird er bis heute verehrt. Aber auch andere Persönlichkeiten zogen für fremde Mächte in den Krieg, etwa Melchior Lussy, der heute als wichtiger Vertreter der katholischen Reform im 16. Jahrhundert gilt. Im 19. Jahrhundert kam «Borneo Louis», der Nidwaldner Louis Wyrsch, als Offizier auf den Gewürzinseln im Dienst der niederländischen Kolonialarmee zu Rang und Namen. Es dienten jedoch nicht nur angesehene Herren wie Lussy, Scheuber und Wyrsch. Im Gegenteil, in strukturschwachen Bergregionen wie Nidwalden bot der Solddienst zahlreichen jungen Männern aus ärmlichen Verhältnissen während Jahrhunderten oftmals die einzige Möglichkeit der Arbeitsmigration und einen Ausweg aus der Not. Die Ausstellung geht Fragen der wirtschaftlichen Verhältnisse nach und folgt Einzelschicksalen von Innerschweizer Söldnern und Militärunternehmern. Die Historischen Vereine Zentralschweiz, Nidwalden, Obwalden, Uri, Luzern, Schwyz und Zug ergänzen die Ausstellung mit diversen Beiträgen und Begleitveranstaltungen.

weniger lesen

Nidwaldner Museum | Salzmagazin | Söldner, Reissäckler, Pensionenherren — Ein Innerschweizer Beziehungsnetz | 31. März bis 31. Oktober 2021 | Diverse Begleitveranstaltungen | Das Museum Bruder Klaus widmet gegenwärtig Dorothee Wyss, der Grossmutter von Konrad Scheuber, eine Sonderausstellung.

Kulturnachrichten

  • Mehr

    Katja Gentinetta | Neue Präsidentin Stapferhaus Lenzburg

    Die promovierte politische Philosophin tritt ihr Amt am 1. Januar 2022 an und folgt auf die ...

  • Mehr

    Albert Koechlin Stiftung | Förderprogramm «piiik»

    Ein Förderprogramm für einen starken Zusammenhalt in der Gesellschaft

  • Mehr

    Stiftung Im Obersteg | Géraldine Meyer

    Géraldine Meyer wird neue Kuratorin der Stiftung Im Obersteg.

  • Mehr

    Zürcher Hochschule der Künste | Preisträger 2021 | Sonnhild Kestler und Lisa Brühlmann

    Die ZHdK zeichnet die Textildesignerin Sonnhild Kestler und die Regisseurin Lisa Brühlmann für ...

  • Mehr

    Textilmuseum St.Gallen | Fabrikanten & Manipulanten

    Was fabrizieren mit manipulieren zu tun hat: Die Geschichte der Ostschweizer Textilwirtschaft und ...

Unser eMagazin

CLICK 2021/stage/05
CLICK 2021/cinema/07
CLICK 2021/art/04

Kulturvermittlung unterstützen

Jetzt Mitglied werden