Wissenschafltlicher Zufallsbefund: Bier macht glücklich.

Wissenschafltlicher Zufallsbefund | Bier macht glücklich

Publiziert am 19. September 2017

Genau wie Dopamin aktiviert Hordenin den Dopamin-D2-Rezeptor und weckt ein Glücksgefühl.

Wiesn-Besucher wussten es schon immer, nun ist es wissenschaftlich belegt: Bier kann glücklich machen. Wissenschaftler haben 13.000 Lebensmittelinhaltsstoffe daraufhin untersucht, ob sie das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren und somit für ein zufriedenes Gefühl beim Konsumenten sorgen. Der Gewinner? Hordenin, ein Inhaltsstoff von Gerstenmalz und Bier.
Mehr lesen

Hedonische Nahrungsaufnahme
Es gibt Lebensmittel, die machen glücklich. Nun, vielleicht nicht glücklich, aber zufrieden. Und deswegen hört man gar nicht mehr auf sie zu essen – auch wenn man eigentlich schon satt ist. Dieses Phänomen wird in der Fachsprache hedonische Nahrungsaufnahme genannt. Das gute Gefühl wird durch den Neurotransmitter Dopamin ausgelöst: Verlockende Lebensmittel aktivieren Gehirnareale des Belohnungszentrums, in denen der Dopamin-D2-Rezeptor zu finden ist. Wissenschaftler vom Henriette Schmidt-Burkhardt Lehrstuhl für Lebensmittelchemie der FAU haben sich nun gefragt: Gibt es spezielle Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, die – ähnlich wie das körpereigene Dopamin – den Dopamin-D2-Rezeptor aktivieren? Um das herauszufinden, bedienten sich die Forscher zusammen mit Kollegen des Computer-Chemie-Centrums der FAU der Methode des virtuellen Screenings, ein aus der Pharmaforschung bekannter Ansatz. Dabei werden die Lebensmittelinhaltsstoffe zunächst nicht im Labor, sondern am Computer untersucht. Der Vorteil: Im Gegensatz zu klassischen Screening-Verfahren, bei denen nur eine kleine Auswahl an Lebensmittelextrakten im Labor getestet werden kann, können die Forscher alle möglichen existierenden Inhaltsstoffe untersuchen.

13.000 Moleküle, 17 Treffer
Die Wissenschaftler legten dafür zunächst eine virtuelle Datenbank aus 13.000 in Lebensmitteln vorkommenden Molekülen an. Aus dieser Datenbank galt es, diejenigen Moleküle zu finden, die auf den Dopamin-D2-Rezeptor passen – quasi die passenden Schlüssel für das Schlüsselloch. Der Computer berechnete, welche Moleküle wahrscheinlich mit dem Dopamin-D2-Rezeptor interagieren können: entweder über synthetische Substanzen, von denen bereits bekannt ist, dass sie mit dem Rezeptor interagieren – wie Arzneimittel zur Behandlung von Parkinson oder Schizophrenie – oder über die dreidimensionale Struktur des Rezeptors. Am Ende blieben von den 13.000 Optionen noch 17 übrig, die dann im Labor in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie der FAU getestet wurden.

Überraschungsfund Bier
Die vielversprechendsten Testergebnisse zeigte dabei die Substanz Hordenin, ein Inhaltsstoff von Gerstenmalz und Bier. „Es ist schon überraschend, dass – ohne dass wir speziell in der Gruppe der Genussmittel gesucht haben – ein Inhaltsstoff von Bier zur Aktivierung des Dopamin-D2-Rezeptors führt“, sagt Prof. Dr. Monika Pischetsrieder.
Genau wie Dopamin aktiviert Hordenin den Dopamin-D2-Rezeptor – mit einem wichtigen Unterschied: Er funktioniert über einen anderen Signalweg. Hordenin aktiviert den Rezeptor im Gegensatz zu Dopamin ausschließlich über sogenannte G-Proteine, was zu einem nachhaltigeren Effekt auf das Belohnungszentrum führen könnte. Ob die im Bier enthaltenen Mengen für eine spürbare Beeinflussung des Belohnungszentrums ausreichend sind, untersuchen die Forscher zurzeit. Insgesamt deuten die Ergebnisse aber darauf hin, dass Hordenin zum stimmungssteigernden Effekt von Bier beitragen könnte.

weniger lesen

arttv Dossiers - Mehr

Kulturlandsgemeinde

Kulturnachrichten

  • Mehr

    Zahlen zum Corona-Jahr 2020 | Weniger Kulturschaffende

    Die Zahl der Kulturschaffenden ist 2020 um rund 5% gesunken

  • Mehr

    Memobase

    Ein Portal für medienübergreifende Entdeckungsreisen in frühere Bild- und Tonwelten der Schweiz.

  • Mehr

    Museum Burg Zug | Personelle Veränderung in der Direktion

    Dr. Marco Sigg verlässt das Museum Burg Zug.

  • Mehr

    Katja Gentinetta | Neue Präsidentin Stapferhaus Lenzburg

    Die promovierte politische Philosophin tritt ihr Amt am 1. Januar 2022 an und folgt auf die ...

  • Mehr

    Albert Koechlin Stiftung | Förderprogramm «piiik»

    Ein Förderprogramm für einen starken Zusammenhalt in der Gesellschaft

  • Mehr

    Textilmuseum St.Gallen | Fabrikanten & Manipulanten

    Was fabrizieren mit manipulieren zu tun hat: Die Geschichte der Ostschweizer Textilwirtschaft und ...

Unser eMagazin

CLICK 2021/stage/04
CLICK 2021/cinema/05
CLICK 2021/art/04

Kulturvermittlung unterstützen

Jetzt Mitglied werden