Player laden ...

Porträtserie Get Going! | Beat Gysin

Publiziert am 16. September 2019

Unterwegs im und mit dem Raum
Ort, Zeit und Raum spielen in den Arbeiten des Komponisten Beat Gysin eine zentrale Rolle. In seiner sechsteiligen «Leichtbautenreihe» konzipiert er dafür speziell Räume, um das Publikum mit wechselnden Klang- und Raumerfahrungen zu konfrontieren. Ab 2021 soll der zweite Teil des aufwändigen Projekt realisiert werden.

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel Get Going! werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellt arttv.ch die Empfängerinnen und Empfänger dieser Get Going!-Beiträge vor. Das Videos zu den Texten, konnte dank der finanziellen Unterstützung der FONDATION SUISA realisiert werden.

Zu Get Going erscheint im Herbst 2019 ein CLICK Sonderheft.

Weitere Links

Website BEAT GYSIN

Beat Gysin
Chemie und Musik: Geht das zusammen? Was anfänglich wie ein Widerspruch erscheint, macht in der Biografie von Beat Gysin durchaus Sinn. Aufgewachsen in einer Musikerfamilie, hat sich Gysin dafür entschieden, neben Komposition und Musiktheorie auch noch Chemie zu studieren. Der wissenschaftliche Ansatz und das empirische Auswerten eines experimentellen Ansatzes sind für ihn genauso wichtig wie das musische Element. «Ich wollte mit meiner Musik nie berühmt werden. Ich wollte mit und in der Musik immer Antworten finden», erklärt der heute 50jährige Basler.

Sein Werkverzeichnis ist beeindruckend. Noch beeindruckender allerdings ist die Art und Weise, wie er seine Kompositionen zur Aufführung bringt. Gysin bewegt sich konsequent jenseits der Vervielfältigung und von Tonkonserven. Ort, Zeit und vor allem der Raum sind zwingende Elemente seiner Aufführungspraxis. In dieser Hinsicht ist Gysin weitaus mehr als «nur» Komponist und Musiker. Man muss schon Umschreibungen wie Forscher, Architekt, Vermittler und Philosoph bemühen, um letztlich das Gysinsche Universum zu begreifen.
«Mein Kern ist tatsächlich ein philosophischer», meint er dazu. «Es geht um die Wahrnehmung und ich stelle fest, dass die Musik in ihrer ganzen Rezeption aus dem Raum gefallen ist.» Man betrachte die Musik heute losgelöst von ihrer Aufführung, fügt er an und verweist damit auf einen zentralen Punkt seiner Arbeit: Das konsequente Zusammenspiel von Raum und Klang. «Wenn man ein Stück von mir aus dem Raum herausnimmt, dann ist dies etwa so, als würde man von einem Orchesterwerk eine Klavierpartitur anfertigen. Man kennt zwar dann die Töne, aber man hört das Orchester nicht.»

Mit bemerkenswerter Konsequenz, Akribie und Lust am Experiment lotet Gysin in seinen zahlreichen Projekten immer wieder aufs Neue das komplexe Zusammenspiel von Raum, Klang und der sich daraus ergebenden Wahrnehmung von Musik aus. Der Aufführungsraum wird Teil des Kunstwerks, das letztlich dem Publikum nicht nur eine völlig neue sinnliche Erfahrung bietet, sondern Gysin immer wieder neue Erkenntnisse liefert, um in der Folge wiederum einen neuen Ansatz und ein nächstes Projekt zu gestalten. «Ich will Dinge finden. Und erfinden», umschreibt er fast lakonisch seinen künstlerischen Antrieb. Dabei steht er als Komponist nicht zwingend im Mittelpunkt, sondern oft auch «nur» als konzeptioneller Leiter. Um den Austausch zu fördern, hat er in Basel das studio-klangraum sowie das Festival ZeitRäume Basel gegründet.

Ob in Kirchen mit ihren unterschiedlichen Klangeigenschaften, in leeren Wasserwerken mit einem bis zu 30 Sekunden dauernden Echo oder in stillgelegten Bergwerken, in denen eine fast perfekte Stille herrscht: Gysin entdeckt immer wieder neue Räume, die sich klanglich kartographieren lassen. Und wo der natürliche Raum für ein Weiterkommen nicht vorhanden ist, werden sie architektonisch konzipiert. Die sechsteilige «Leichtbautenreihe» ist nicht nur des verbundenen Aufwands wegen eines der zentralen Werke in Gysins Schaffen. Es repräsentiert auch den logischen nächsten Schritt: Räume zu schaffen, die sich transportieren lassen. Es handelt sich um sechs abstrakte Raumkonzepte, umgesetzt als pavillonartige Architekturen, die ungewohnte Hörsituationen und damit eine neue Wahrnehmung von Musik ermöglichen. «Chronos» bestand aus einer Karussell-artigen Drehbühne, bei «Gitter» wurden die Musiker «sphärisch» rund um das Publikum angeordnet, bei «Haus» in bestehenden Häusern Klangraumwanderungen möglich gemacht und in «Rohre», das kurz vor der Umsetzung steht (Uraufführung im Rahmen von ZeitRäume Basel im September 2019 im Innenhof des Kunstmuseums Basel), treffen das Publikum und die Musiker im wahrsten Sinne des Wortes in begehbaren Rohren aufeinander.

«In den abschliessenden zwei Teilen ab 2023», so Gysin, «möchte ich der Frage mobiler Anordnungen und ihrem Einfluss auf das Hören nachgehen. Beim einen Projekt sitzen Musiker und Publikum auf sich ständig bewegenden Wägelchen. Alles bleibt in Bewegung und der Raum wird ständig neu definiert. Und beim letzten Teil handelt es sich um einen aufgehängten Raum, der einem Ballon ähnlich immer wieder implodiert und sich wieder aufblasen lässt.» Solch aufwendige Projekte sind für einen Künstler nicht leicht zu finanzieren. «Man ist schon bei der Konzeption auf Hilfe angewiesen, und die kostet», weiss er und fügt gleich an: «Der Get Going!-Beitrag der FONDATION SUISA ist die perfekte Antwort auf diese Herausforderung. Es handelt sich um eine Art Finanzierung von Vorprojekten. Das existierte bislang in dieser Form nicht.»

In Zeiten der Eventisierung der Kultur, in der die Marketing-Experten dem Formalen mehr Beachtung schenken als dem Inhaltlichen, symbolisiert die «Leichtbautenreihe» auch eine Form der künstlerischen Gegenbewegung. «Der Vorteil ist, dass ich als Künstler das Event als Ganzes konzipiere», sagt Gysin und ergänzt: «Als Musiker ist man heute verpflichtet, sich in einer Welt der Reizüberflutung wieder selbst darum zu kümmern, die Musik zu verorten, weil sie ausserhalb ihres Kontextes nicht mehr verstanden werden kann.»

Text: Rudolf Amstutz

1.1 Videobericht als Web-Movie
Sie können unsere Videos kostenlos mittels Embed-Code in Ihre Website einbinden. Regelmässiges und mehrmaliges Einbinden von art-tv Videos in eine andere Website als art-tv.ch bedarf unserer Zustimmung.

1.2 Web-Video auf Datenträger
Sie können einen unserer Web-Videos für 35.- Franken plus 5.- Handling auf einer CD bestellen. Es gelten dieselben Bestimmungen wie unter Punkt 1.1.

1.3 Videobericht hochauflösend
Möchten Sie den Bericht in Kinoqualität besitzen oder diesen weiterverarbeiten? Gerne erstellen wir für Sie eine Daten-DVD im gewünschten Format (MPG/DV o.ä.) für Fr. 250.- Franken. Ohne weitere Angaben erhalten Sie den Trailer im Formt DV Pal.

1.4 Kopie des Rohmaterials
In begründeten Fällen können wir Ihnen das gesamte Rohmaterial im gewünschten Format zur Verfügung stellen. Eine digitale Kopie kostet 280.- Franken*. Ist das Originalmaterial noch auf Digitalkassetten gespeichert kostet das Kopieren der ersten 100 Minuten (oder 2 DV-Bänder) insgesamt 280.- Franken, jede weitere Stunde derselben Produktion 50.- Franken*. Wünschen Sie ein anderes Format, oder haben Sie andere Fragen? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

1.5 TV und Film
Für TV-Sender oder für Filmprojekte bestehen spezielle Regelungen, bitte kontaktieren Sie uns diesbezüglich. (+41 (0) 76 337 59 99)

Rechtliches
Der Bericht und das Videomaterial dürfen nur für den Eigenbedarf verwendet werden und nicht an Dritte abgegeben oder verkauft werden. Eine andere Einbindung in eine Website als über den Embed-Code ist u.U. kostenpflichtig. Die Tarife werden im Einzelfall ausgehandelt.

Preise exkl. MwSt

* Pflichtfelder

Das könnte Sie auch interessieren

Klassik | Jazz

J.S. Bach-Stiftung | BWV 114 | Ach, lieben Christen, seid getrost

Mehr
Klassik | Jazz, Musik-Szene

Zürcher Kammerorchester | Saisoneröffnung

Ein Auftakt zu weiteren grossartigen Abenteuern des Zürcher Kammerorchesters und Daniel Hope mit «Hope and Friends».
Mehr
J.S. Bach-StiftungKlassik | Jazz

J.S. Bach-Stiftung | BWV 95 | Christus, der ist mein Leben

Mehr
J.S. Bach-StiftungKlassik | Jazz

J.S. Bach-Stiftung | BWV 51 | Jauchzet Gott in allen Landen

Mehr

Anzeige

J.S. Bach-StiftungKlassik | Jazz

J.S. Bach-Stiftung | BWV 78 | Jesu, der Du meine Seele

Mehr
J.S. Bach-StiftungKlassik | Jazz

J.S. Bach-Stiftung | BWV 33 | Allein zu Dir, Herr Jesu Christ

Mehr
Pop | Volk

Urbane Volksmusik | Gläuffig - Gesellen Wanderung-Tour

Zu Beginn hat sich «Gläuffig» der traditionellen Innerschweizer Ländlermusik verschrieben. Jetzt begeben sie sich auf neue Wege.
Mehr
Kunst-Szene, Musik-Szene

Schweizer Grand Prix Musik | Cod.Act

Die Preisträger des Schweizer Musikpreises stehen fest, den Hauptpreis nahm das Duo Cod.Act im Kunstmuseum Basel entgegen.
Mehr
Klassik | Jazz, Film-Szene, Fondation SUISA

Portätserie Get Going! | Michael Künstle

«Orchestral Spaces» – wenn Musik beim Hören räumlich fassbar wird
Mehr
Pop | Volk

Alpentöne 2019 | Internationales Musikfestival Altdorf

Alpentöne 2019 ludt auch in seiner vergangenen Ausgabe Musiker*innen aus allen Ländern des Alpenbogens von Slowenien bis Okzitanien ein.
Mehr
Pop | Volk, Musik-Szene, Projekte, Fondation SUISA

Porträtserie Get Going! | Eclecta

Von der unendlichen Lust am Experiment
Mehr
Klassik | Jazz, Musik-Szene, Projekte, Fondation SUISA

Porträtserie Get Going | Bertrand Denzler

Jazz ist seine grosse Leidenschaft, weil die Improvisation, also die Umsetzung des Denkens in Echtzeit, ihn immer mehr fasziniert hat.
Mehr
Klassik | Jazz, Fondation SUISA

Tiefe Bässe und Neonlicht | Tobias Preisig | Violinist

Seine ersten Sprünge machte Tobias als 6 Jähriger, als er in der Stube seines Grossvaters mitgeigte. Heute spielt er Konzerte auf der ganzen Welt.
Mehr
Musik-Szene

Patrick Kessler | Experimenteller Echtzeit-Soundtrack

Wer bei Chuchchepati erstmal nur Chuchichästli versteht, liegt nicht ganz falsch: Eine Echtzeit – Installation für acht Lautsprecher & Orchester
Mehr
Klassik | Jazz, Musical | Oper | Tanz

Orchester Biel-Solothurn | 50 Jahre Musikgenuss

Ein Konzert voller Geburtstagsüberraschungen. Und das Orchester hat doppelt zu feiern.
Mehr
Klassik | Jazz

Osterfestival Andermatt 2016 I Galaeröffnung

Neben Bach und Mozart prägte das zeitgenössische Werk zur NEAT-Eröffnung des Schweizer Komponisten Luigi ...
Mehr

eMagazin

Neuste Ausgabe

Alle Ausgaben

Mitglied werden

Profitieren

Mehr

Wettbewerbe

Gewinnen

Mehr

eClick

Sonderausgabe

Ausgabe ansehen