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5x2 Tickets | Spielfilm | Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush

Eine Mutter kämpft wie einst Don Quichotte gegen Windmühlen, hier gegen Vorverurteilung, Militärgewalt und Justiz.

Ein Fall wahnsinniger Wirklichkeit: Christian Granderat, Fiction-Chef beim NDR, las das Buch von Murat Kurnaz über dessen Jahre im US-Lager Guantánamo und motivierte Regisseur Andreas Dresen («Gundermann»), darüber einen Spielfilm zu drehen. Zusammen mit Drehbuchautorin Laila Stieler entwickelte und inszenierte er das Drama mit Murats Mutter Rybiye Kurnaz im Zentrum, die mit dem Bremer Anwalt Bernhard Docke um die Freilassung des Häftlings ohne Anklage und Prozess kämpft.

Synopsis
Der türkischstämmige Murat aus Bremen wird in Karatschi verhaftet, von Amerikanern des Terrors verdächtigt und 2002 nach Guantánamo verschleppt. Als Murats Mutter Rabiye Kurnaz davon erfährt, unternimmt sie alles, um ihren Sohn freizubekommen. Der Bremer Menschenrechtsanwalts Bernhard Docke steht ihr juristisch und menschlich bei. Zusammen gehen die beiden «Freiheitskämpfer» bis zum US Supreme Court in Washington. Andreas Dresens packender Spielfilm um Recht, Gerechtigkeit und Würde wurde an der Berlinale 2022 mit Preisen für die Hauptdarstellerin Meltem Kaptan und für das Drehbuch von Laila Stieler ausgezeichnet.

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush | Regie: Andreas Dresen | Drama | 119 Minuten | Deutschland und Frankreich, 2022 | Verleih: Filmcoopi
Kinostart:
Deutschschweiz: 15. Mai 2022
Französische Schweiz: –
Kinos und Spielzeiten

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Rezension von Rolf Breiner

Der Terrorakt 9/11 – der Anschlag auf das World Trade Center in New York 2001 – trat eine Welle amerikanischer Vergeltungsmassnahmen und Aktionen los. Im Zuge der weltweiten Fahndung nach Tätern, Helfern und Hintermännern wurde jeder, der auch nur klitzeklein verdächtigt wurde, manisch verfolgt und inhaftiert – egal ob berechtigt, zufällig oder unschuldig. Teufel komm heraus, Schuldige mussten her! Pech, wer zur falschen Zeit am falschen Ort war?

Plötzlich in Guantánamo
Der junge Mann aus Bremen, Murat Kurnaz, 19 Jahre alt, interessierte sich intensiv für den Islam, liess sich einen Bart wachsen. Er ahnte nichts Böses, als er in Karatschi, Pakistan, weilte, um den Koran zu studieren. Der Kontakt daheim mit einem Bekannten, Selçuk Bilgin, hatte ihn verdächtig gemacht. Bei einer Routinekontrolle der Polizei in Pakistan wurde er festgenommen, vom Militär dann gegen ein Kopfgeld an die US-Streitkräfte in Afghanistan ausgeliefert, schliesslich im Januar 2002 von den Amerikanern ins Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba verschleppt. Jahr um Jahr war er dort Verdächtigungen, Folter und Ungewissheit ausgesetzt. Es gab keine offizielle Anklage, keinen Prozess.

Neue Titelheldin
Christian Granderath, Chef der Fictionabteilung beim NDR, empfahl Filmregisseur Andreas Dresen das Buch, das der Guantánamo-Häftling nach seiner Deutschland-Rückkehr 2007 geschrieben hatte: «Fünf Jahre meines Lebens. Ein Bericht aus Guantánamo». Stefan Schaller verfilmte es 2013 mit Sascha Alexander Geršak als US-Gefangenen Murat. Einen anderen und durchaus überzeugenderen Zugang zum Stoff fand Filmer Dresen zusammen mit Autorin Leila Stieler. Sie machten Murats Mutter zur Titelheldin ihres Spielfilms: «Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush». Und das ist gut so! Der vorverurteilte Murat (Abdullah Emre Öztürk) ist zwar Stein des Anstosses, die Figur, um die sich alles dreht, doch er bleibt ein Schemen im Hintergrund – bis auf Eingangs-und Schlusssequenzen. Es ist seine Mutter, grandios verkörpert durch Meltem Kaptan, die wie einst der legendäre Don Quichotte gegen Windmühlen, sprich Militär, Politik und Justiz kämpft. Der «Sancho Panzo» heisst hier Bernhard Docke (Alexander Scheer) ist Bremer Menschenrechtsanwalt und steht ihr zur Seite – durch Dick und Dünn. Gemeinsam «stieren» sie das Vorhaben durch, gehen ihr Ziel an: die Freilassung des terrorverdächtigen Murat. Ihr Kampf um Recht und Gerechtigkeit und Menschenwürde wurde auch in Washington und Berlin zur Kenntnis genommen, aber … Die Rolle deutscher Behörden vom Geheimdienst bis Berlin ist nicht sauber, aber das ist eine andere Geschichte.

Menschenrechte und Solidarität
Die Partnerschaft Mutter-Anwalt, der Glauben an Menschenrecht und eine unglaubliche Solidarität sind Kernpunkte dieses Spielfilms, der so glaubhaft und überzeugend wie eine Dokumentation ist. Dabei kommt der Humor (zwischen Rabiye und ihrem Mitkämpfer) nicht zu kurz und würzt das Drama. Erstaunlich, auch die äusserliche Ähnlichkeit der Hauptfiguren stellt man beim Nachspann fest. Es ist ein ausserordentlicher Verdienst von Dresen/Stieler, dass sie uns Folterszenen, Guantámano-Kitzel bzw. Horror ersparen. Man muss nicht immer alles zeigen, um dennoch im Bild zu sein. Ein engagierter Film der Meisterklasse!

Regisseur Andreas Dresen wurde 1963 in Gera geboren. Erste praktische Erfahrungen beim Film als Regieassistent bei der DEFA. Er studierte Regie an der Potsdamer Filmhochschule HFF Konrad Wolf und ist seit 1992 als Autor und Regisseur für Film, Theater und Oper tätig. Sein Film «Halbe Treppe» wurde ein weltweiter Erfolg und gewann 2002 unter anderem den Silbernen Bären der Berlinale. Für «Halt auf freier Strecke» wurde Dresen 2011 in Cannes mit dem Preis der Reihe «Un Certain Regard» ausgezeichnet. 2018 kam «Gundermann» in die Kinos, der sechs deutsche Filmpreise gewann, darunter Bester Film. Mit «Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush» ist Dresen zum vierten Mal im Wettbewerb der Berlinale vertreten.

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