Annina Polivka und Matthias Koch in ORT(S)WECHSEL einem performativen Beitrag von Ruth Baettig | © Ruth Baettig

Kulturfestival 1569 | Eröffnungsperformance

Publiziert am 23. Oktober 2019

Die Videokünstlerin Ruth Baettig vereint Interaktion, Lesung und Kunstobjekte in ihrer performativen Aufführung ORT(S)WECHSEL.
Am Anfang des Projektes, das das Kulturfestival 1569 im Historischen Museum Luzern eröffnen wird, stand eine umfangreiche Briefsammlung von Migrant*innen, die diese von der Schweiz aus nach Hause an ihre Liebsten schickten. Sie erzählen von Heimweh, Sehnsucht, der Einsamkeit in der Fremde, aber auch von Neugier und unbeirrbarem Optimismus.

Eröffnungsperformance Ruth Baettig | Kulturfestival 1569 | Historisches Museum Luzern | Samstag 19. Oktober | 19:30 Uhr

Eine poetische Hommage an die Wanderschaft
Einerseits vereint das Projekt Performance, Lesung und Kunstobjekte in einer Aufführung. Andererseits werden in dem Stück Innen- und Aussenwelten über die Brieftexte verwoben. ORTWECHSEL bietet eine Möglichkeit, über die aktuelle Migration (gewollt oder forciert) nachzudenken und die Situation der Migrierenden besser zu verstehen. Mehr noch, der menschliche Kern soll sicht- und greifbar werden. In den Geschichten geht es um das Weggehen und das irgendwo Ankommen. Sie verdichten sich zu einer poetischen Hommage an die Menschen, die auf Wanderschaft sind. Migrare – Migrieren – Wandern hat einen essayistischen Kern. Baettigs Arbeit ist eine Versuchsanordnung, in der es darum geht, Geschichten zu ertasten.

Briefe aus Hundert Jahren
Am Anfang des Projektes stand eine umfangreiche Briefsammlung von Migrantinnen und Migranten, die diese nach Hause an ihre Liebsten schickten. Die Briefe erzählen von Heimweh, Sehnsucht, der Einsamkeit in der Fremde, aber auch von Neugier und unbeirrbarem Optimismus. Sie stammen aus verschiedenen Familienarchiven und persönlichen Kontakten, sowie von einem Aufruf in den Sozialen Medien. Die Sammlung umfasst handschriftliche Briefe und E-Mails. Dabei stammen die Textstücke nicht nur aus den letzten Jahren, sondern gehen bis zu hundert Jahre zurück und wurden von Menschen aller Altersgruppen geschrieben. Für das Stück werden statt der eigentlichen Namen die Bezeichnung der Familienmitglieder verwendet: Grossmutter, Grossvater, Vater, Mutter, Tante, Onkel, Bruder, Schwester…

Stimmen der Abwesenden
Für das Stück ORTWECHSEL wird der szenische Raum mit Kunstobjekten des in Paris lebenden Künstlers Denis Collet Park, zwei performenden Schauspielern und den gefalteten Briefen ausgestattet. Obwohl die Briefe ursprünglich in sehr unterschiedlichen Sprachen geschrieben wurden, wurden sie für die Performance auf Deutsch übersetzt. Die Performer, eine Frau und ein Mann, tragen schlichte, schwarze Kleidung und rote Socken, die das Unterwegssein verbildlichen. Die Reduktion der Ausstattung soll dazu verhelfen, dass die Zuschauer*innen leichter zur Fiktionalisierung der einzelnen, in den Briefen vorkommenden Personen gelangen. Die Performer verkörpern die Stimmen der abwesenden Menschen und lesen sitzend, stehend, liegend Auszüge aus den Briefen. Die zwei Stimmen verkörpern Briefe, die eine Nähe in der Ferne suchen, die eine geliebte Person in Gedanken zu berühren versuchen. Zuhause sein – nicht mehr zuhause sein. Das Zuhause träumen – das Zuhause wiederherstellen.

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