Player laden ...

Luzerner Theater | La Bohème

Publiziert am 24. April 2009

Die Oper "La Bohème", in der Version von Ruggero Leoncavallo, ist eine sehenswerte und differenzierte inhaltliche und musikalische Darstellung der Bohème des 19. Jahrhunderts.

La Bohème von Ruggero Leoncavallo | Regie: Nelly Danke | Musikalische Leitung: Mark Foster | Luzerner Theater | Premiere Fr 24.04.09 | Weitere Vorstellungen bis 13. Juni 2009

Kritik:
Besuchte Aufführung: 26. April 2009
Das Luzerner Theater unternimmt mit dieser Aufführung von Leoncavallos BOHÈME einen gelungenen Versuch, das zu Unrecht selten gespielte Werk wiederzubeleben.
Leoncavallo bleibt mit seiner Version des Stoffes weit näher an der literarischen Vorlage als sein berühmter Zeitgenosse Puccini. So findet man in diesem Werk gleich fünf dankbare grosse Partien (nicht wie bei Puccini, wo sich alles auf Mimi und Rodolfo konzentriert). Luzern kann alle Rollen aus dem eigenen Ensemble besetzen, und zwar hervorragend. Tanja Ariane Baumgarten zeigt sehr differenziert die verschiedenen Facetten der Musette: Vom Glamour Girl in den ersten beiden Akten zum verzweifelten Sarkasmus im dritten und der Empathie im vierten Akt. Ihrer über ein breites dynamisches Spektrum verfügenden Stimme zuzuhören ist sowieso stets ein Hochgenuss. Mimi ist in Leoncavallos Oper zu Beginn durchaus wohlauf, was Madelaine Wibom mit hellem, klarem Sopran und zauberhaftem Vibrato wohlklingend zum Ausdruck bringt. Rodolfo wird von einem Bariton gesungen (bei Puccini Tenor). Tobias Hächler spielt sympathisch zurückhaltend, sein grosser Moment im vierten Akt geht dadurch umso stärker unter die Haut. Marcello hat die grossen Arien zu singen, und Jason Kim tut das mit bruchlos geführter, den Raum herrlich erfüllender Stimme, ohne die geringsten Ermüdungserscheinungen. Bewundernswert! Schaunard ist (im Gegensatz zu Puccini) sehr präsent: Howard Quilla Croft zieht die Fäden mit bemerkenswerter Nonchalance.
Die Nebenrollen sind mit Martin Nyvall, Caroline Vitale und Boris Petronje ebenfalls sehr gut besetzt. Das Orchester unter Mark Foster spielt manchmal etwas gar polternd und laut, da wären in dieser farbenreichen Partitur vielleicht noch einige Zwischentöne zu entdecken gewesen.
Nelly Danker (Regie) und Werner Hutterli (Bühne) zeigen diese Welt der verlorenen Lebensträume sehr eindringlich auf. Die Bühne verengt sich zunehmend, genau wie das Leben der Bohémiens immer grauer und trister wird. Zum Schluss bleibt wohl kaum ein Auge trocken. Die Aufführung vermag echt zu rühren ohne kitschig zu sein. Das will etwas heissen!

Fazit:
Verdienstvolle Ausgrabung, diese Bohème ist Puccinis Werk durchaus ebenbürtig, wenn nicht gar in vielen Belangen überlegen.

Inhalt:
Ein Jahr aus dem Leben einer Gruppe von (Lebens-)künstlern, das so spöttisch und fröhlich, so voller Lebenslust und Ungebundenheit an einem Weihnachtsabend im Café Momus beginnt und mit ergreifender Tragik ein Jahr später zu Ende geht.
Der Dichter Rodolfo, der Maler Marcello, der Philosoph Colline und der Musiker Schaunard und seine Freundin Eufemia festen im grossen Stil, obwohl sie kein Geld haben. Bald stossen Rodolfos Geliebte Mimi und ihre Freundin Musette dazu. Marcello und Musette verlieben sich.
Musette kann ihre Miete nicht mehr bezahlen und mitsamt des hausrats auf die Strasse gesetzt. Trotzdem feiert die Clique eine rauschende Party, nun halt im Hinterhof. Die Ausgelasenheit findet ein Ende, asl die biederen Bürger dem Treiben Einhalt gebieten.
Schaunard trennt sich von der männerhungrigen Eufemia, Mimi haut mit einem reichen Banker ab, Musette erträgt die Armut nicht mehr und trennt sich von Marcello.
Wieder ist Weihnachten, die drei Freunde frieren und hungern (Colline taucht nicht mehr auf).
Mimi erscheint, schwer krank sucht sie eine Bleibe. Musette versetzt ihren Schmuck, um Medikamente und einen Arzt für ihre Freundin zu besorgen. Zu spät. Mimi stirbt.

Werk:
Jeder Opernfreund kennt Puccinis LA BOHÈME. Dabei war es Ruggero Leoncavallo, der Puccini auf den Stoff aufmerksam machte und ihm einen Librettoentwurf überreichte. Puccini zeigte sich nicht interessiert, machte sich aber heimlich trotzdem ans Komponieren und beauftragte seine eigenen Librettisten mit der Ausarbeitung des Textes. Als Leoncavallo davon erfuhr, begann er ebenfalls mit der Komposition. Manchmal spielt das Leben grausam: Puccini war zuerst fertig, seine BOHÈME kam in Turin 1896 zur Uraufführung, Leoncavallos Werk (Uraufführung 1897) hatte deshalb von Anfang an keine Chance. Zu Unrecht. Leoncavallos Oper ist bedeutend vielschichtiger, dramaturgisch weit interessanter, musikalisch von mindestens ebenbürtiger Qualität, meines Erachtens gar dem Werk Puccinis in vielen Bereichen überlegen. Leoncavallo komponiert Phrasen von eindringlichem Pathos, Auseinandersetzungen von dramatischer Durchschlagskraft, überzeugt aber auch in den ersten beiden Akten mit eleganter Salonmusik und raffiniertem Konversationston, in welchen er herrlich aufblühende Ariosi einflicht.

Für art-tv: © Kaspar Sannemann, 28. April 2009

1.1 Videobericht als Web-Movie
Sie können unsere Videos kostenlos mittels Embed-Code in Ihre Website einbinden. Regelmässiges und mehrmaliges Einbinden von art-tv Videos in eine andere Website als art-tv.ch bedarf unserer Zustimmung.

1.2 Web-Video auf Datenträger
Sie können einen unserer Web-Videos für 35.- Franken plus 5.- Handling auf einer CD bestellen. Es gelten dieselben Bestimmungen wie unter Punkt 1.1.

1.3 Videobericht hochauflösend
Möchten Sie den Bericht in Kinoqualität besitzen oder diesen weiterverarbeiten? Gerne erstellen wir für Sie eine Daten-DVD im gewünschten Format (MPG/DV o.ä.) für Fr. 250.- Franken. Ohne weitere Angaben erhalten Sie den Trailer im Formt DV Pal.

1.4 Kopie des Rohmaterials
In begründeten Fällen können wir Ihnen das gesamte Rohmaterial im gewünschten Format zur Verfügung stellen. Eine digitale Kopie kostet 280.- Franken*. Ist das Originalmaterial noch auf Digitalkassetten gespeichert kostet das Kopieren der ersten 100 Minuten (oder 2 DV-Bänder) insgesamt 280.- Franken, jede weitere Stunde derselben Produktion 50.- Franken*. Wünschen Sie ein anderes Format, oder haben Sie andere Fragen? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

1.5 TV und Film
Für TV-Sender oder für Filmprojekte bestehen spezielle Regelungen, bitte kontaktieren Sie uns diesbezüglich. (+41 (0) 76 337 59 99)

Rechtliches
Der Bericht und das Videomaterial dürfen nur für den Eigenbedarf verwendet werden und nicht an Dritte abgegeben oder verkauft werden. Eine andere Einbindung in eine Website als über den Embed-Code ist u.U. kostenpflichtig. Die Tarife werden im Einzelfall ausgehandelt.

Preise exkl. MwSt

* Pflichtfelder

Das könnte Sie auch interessieren

Tanz

Ballett Zürich | William Forsythe

Eine berauschende Hommage an den kürzlich 70 Jahre alt gewordenen amerikanischen Choreografen William Forsythe.
Mehr
Theater-Szene, Musical | Oper | Tanz

Luzerner Theater | «Märchen im Grand Hotel»

Heidi Maria Glössner kehrt in einer eigens für Luzern gestalteten Version der Jazz-Operette «Märchen im Grand Hotel» ans Luzerner Theater zurück.
Mehr
Theater, Comedy

Theater Burgbachkeller | Zuger Spillüt | Lysistrate

Was ist uns wichtiger: Geld, Krieg, Gleichberechtigung, Liebe oder doch die Lust?
Mehr
Musical | Oper | Tanz

Theater St.Gallen | Operette «Die schöne Helena»

Riesenwelle und Surfbrett – das Theater St.Gallen hat die schöne Helena geschickt modernisiert
Mehr

Anzeige

Festivals

Migros-Kulturprozent | Tanzfestival Steps 2020

Die Welt tanzt landesweit auf 38 Schweizer Bühnen.
Mehr
Musical | Oper | Tanz, Tanz

Tanzszene Schweiz | Oliver Dähler | Offen bleiben für Veränderung

Tänzer, Fotograf, Choreograf und Coach: Oliver Dähler hat viele Talente. Er nutzt sie, um anderen Mut zu machen.
Mehr
Theater-Szene, Musical | Oper | Tanz

Grosser Kulturpreis St.Gallen | Choreograf und Tänzer Martin Schläpfer

Der Grosse Kulturpreis der St.Gallischen Kulturstiftung 2019 geht an Choreograf und Tänzer Martin Schläpfer.
Mehr
Theater-Szene, Theater

Kultur macht Schule | Theaterfunken

Von Oktober bis Dezember funkt es in den Theaterinstitutionen des Kantons Aargau.
Mehr
Theater-Szene, Bücher

Hanspeter Müller-Drossaart | «gredi üüfe»

Mit seinem Gedichtband «gredi üüfe» war der beliebte Schweizer Schauspieler und Autor das Highlight am 3. Mundartfestival in Arosa.
Mehr
Theater-Szene, Musical | Oper | Tanz, Oper

Luzerner Theater | «CARMEN.maquia»Mit Wettbewerb

Gustavo Ramírez Sansano ist zurück in Luzern und bringt eine Neufassung seines grossen Erfolgs «CARMEN.maquia» mit.
Mehr
Musical | Oper | Tanz, Projekte

Tanzszene Schweiz | Fumio Inagaki | Tanzen, tanzen, immer nur tanzen

Fumio Inagaki war Ballettpianist und Tänzer am Opernhaus Zürich. Dort begann er vor rund 50 Jahren auch zu unterrichten. Das tut er bis heute.
Mehr
Musical | Oper | Tanz

Tanzszene Schweiz | Mira Studer | Suchen, nicht finden ist das Ziel

Ganz ohne Leitplanken in eine Zukunft als Profitänzerin und mit dem Nichts umgehen lernen.
Mehr
Musical | Oper | Tanz

Tanzszene Schweiz | Marine Besnard | Von der Tänzerin zur Choreografin

Tanzen war ein Hobby, eine grosse Leidenschaft und wurde zu ihrem Beruf – doch was kommt nach der Tänzerinnenkarriere?
Mehr
Theater

Projekt Zürcher Wunderland | Destilliert Geschichten für die Bühne

Fehler im Leben können verhängnisvoll werden – doch Profischauspieler Mathias Reiter macht spannendes Theater daraus.
Mehr
Theater-Szene, Theater, Film-Szene, Festivals

Blickfelder | schule&kultur

Das Festival für ein junges Publikum ist mit seinen Theater- und Tanzaufführungen, Konzerten und Filmvorführungen auf grosse Nachfrage gestossen.
Mehr
Theater

neuestheater.ch | Dornach | «Warten auf Godot» Samuel Beckett

Ein perfektes Bühnenbild, ein aussergewöhnliches Schauspielerteam, eine geradlinige Regie, ein sehr starker Text – und immer das Warten auf Godot.
Mehr
Theater-Szene, Theater

25 x Landschaftstheater Ballenberg | Ein Rückblick

1991 zeigte das Landschaftstheater Ballenberg seine erste Vorstellung "Romeo & Julia auf dem Dorfe" – 25 Inszenierungen später: ein Kaleidoskop.
Mehr
Theater-Szene

Theater Winterthur | Der Besuch der alten Dame

Sie kennt die Welt, weil sie ihr gehört! Friedrich Dürrenmatts weltberühmtes Stück «Der Besuch der alten Dame» feiert Premiere am Theater Winterthur.
Mehr
Theater-Szene, Theater, Kunst-Szene, Musik-Szene

Performance | pulp.noir | ABSURD LAUT CAMUS

Wie geht das, in verrückten Zeiten nicht verrückt zu werden, sondern entschlossen zu handeln?
Mehr
Theater-Szene, Theater

IntegrART Symposium 2019

Menschen mit Behinderung leben in einer Welt, die nicht für sie gemacht ist. Das IntegrART-Symposium lädt zu einem Perspektivenwechsel ein.
Mehr
Kulturgeschichte, Theater, Festivals

Landschaftstheater Ballenberg | Romeo + Julia auf dem Dorfe

Die tragisch, schöne Geschichte von Gottfried Keller ist bereits die 25. Inszenierung des Landschaftstheater. Sie stand schon einmal auf dem Programm.
Mehr

eMagazin

Neuste Ausgabe

Alle Ausgaben

Mitglied werden

Profitieren

Mehr

Wettbewerbe

Gewinnen

Mehr

eClick

Sonderausgabe

Ausgabe ansehen