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Luzerner Theater | La Cenerentola

Publiziert am 30. Juni 2013

Komische Oper auf Spitzenniveau: Ein Prinz auf Brautschau, ein Familienvater in finanzieller Not, den Freuden des Alkohols jedoch nicht abgeneigt, drei Schwestern unter Supermodel-Konkurrenzdruck und ein Philosoph als Krisenmanager, das sind die Ingredienzien.

La Cenerentola | Komische Oper in zwei Akten von Gioacchino Rossini | Text von Jacopo Ferretti, nach Charles Perrault | Inszenierung: Sam Brown | Musikalische Leitung: Howard Arman | Choreografie: Bert Uyttenhove | Italienisch mit deutschen Übertiteln | Luzerner Theater | bis 13. Dezember 2013

Kritik
Es gibt sie also noch, die Opernabende, die man ungetrübt geniessen kann … Dem Luzerner Theater ist ein solcher Abend geglückt. Es folgt ein virtuoser Ballwechsel nach dem anderen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Jede Geste, jede Regung, jede Koloratur wird auf den musikalischen Punkt genau mit unglaublicher Lebendigkeit und Natürlichkeit eingesetzt, in einen Ablauf und eine Choreografie eingebunden, die einem vor lauter Präzision und Spiellust manchmal den Atem stocken lassen. Die Inspiration zur Aktion kommt stets aus und von der Musik Rossinis, sie wirkt nie aufgesetzt oder peinlich. Der musikalische spritus rector der Aufführung ist Howard Arman. Er hat die Fäden souverän in der Hand, spinnt ein Gewebe, das sowohl feinsinnig als auch deftig und süffisant sein kann. Als Angiolina (Cenerentola) erlebt man Marie-Luise Dressen in einer Partie, die ihr auf den Leib und die Stimme geschrieben scheint, prall und doch mit samtenem Dunkel im Timbre.
Ausführliche Kritik auf oper-aktuell

Sieg und Niederlage
Pingpong ist ein Spiel: Ein Ball geht rasant hin und her zwischen zwei Gegnern, die versuchen sich gegenseitig auszutricksen. Das ist in einer guten Komödie nicht anders. Der britische Regisseur Sam Brown fügt beides zusammen und lässt dazu noch virtuos singen. Seine Inszenierung dieser komischen Oper rückt Tischtennis ins Zentrum des Geschehens, es entscheidet über Sieg und Niederlage, Aufstieg und Fall.

Echt empfundene Gefühle
Der Librettist Jacopo Ferretti griff für den Komponisten auf das Märchen «Aschenputtel» in der Version von Charles Perrault (1697) zurück, arbeitete die Vorlage aber entscheidend um. So konzentrierte er sich unter Verzicht auf alle übernatürlichen Elemente weniger auf die Suche des Prinzen nach der passenden Frau fürs Leben als vielmehr auf die Ausarbeitung profilierter Nebenfiguren, die neben dem eher naiv-sentimental gezeichneten Hauptpaar die eigentliche Komik in bester Commedia-dell-arte-Manier übernehmen. Rossini schrieb zu dieser turbulenten Screwball Comedy eine abwechslungsreiche bunte Musik, die der Klamotte ebenso Raum gibt wie den Momenten echt empfundener Gefühle. So zählt dieses Meisterwerk, das die anspruchsvollste, vielseitigste Koloraturpartie im Schaffen des Komponisten enthält, zu den unbestrittenen Höhepunkten der Gattung.

Fazit:
Auf nach Luzern!!! Eine vor Witz nur so sprühende Aufführung, spritzig und musikalisch mit grösstmöglicher Sorgfalt gestaltet, umgesetzt von einem Ensemble, das an sängerischer Kunstfertigkeit und darstellerischer Wucht keine Wünsche offen lässt.

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