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Opernhaus Zürich | Ballett | Nijinski

Publiziert am 05. März 2019

Er liebte einen Mann und heiratete eine Frau, war ein tänzerisches Genie und endete in der Psychiatrie. Das Leben eines der grössten Ballerinos.
Sein Name steht bis heute für perfekte Tanzkunst: An der Spitze von Sergej Djagilews legendärem «Ballets Russes» begeisterte Vaslav Nijinski mit seinen virtuosen Sprüngen – bis er auf dem Höhepunkt seines Ruhmes abstürzte und dem Wahnsinn verfiel. Marco Goecke hat dem Jahrhunderttänzer und -choreografen ein abendfüllendes Ballett gewidmet. Die Neufassung seiner 2016 in Stuttgart uraufgeführten Version ist demnächst in Zürich zu sehen.

Zürcher Ballett | «Nijinski» | Ballett von Marco Goecke | Premiere 9. März 2019 | Weitere Vorführungen bis 6. April 2019

Uraufführung in Stuttgart
Das Ballett feierte 2016 bei «Gauthier Dance» am Theaterhaus Stuttgart seine umjubelte Uraufführung. Mit den Zürcher Tänzer*innen erarbeitet Marco Goecke nun eine erweiterte Neufassung von «Nijinski», und ist nach «Deer Vision» und «Petruschka» zum dritten Mal Gast beim Ballett Zürich. Das musikalische Gerüst dieses bewegenden Abends bilden neben Claude Debussys «Prélude à l’après-midi d’un faune» die beiden Klavierkonzerte von Frédéric Chopin, gespielt vom Schweizer Pianisten Adrian Oetiker.

Tragisches Genie
Nur zehn ruhmreiche Jahre waren Vaslav Nijinski an der Spitze von Sergej Djagilews legendärem «Ballets Russes» vergönnt. Als Faun und Goldener Sklave berauschte er das Publikum mit virtuosen Sprüngen und androgynem Charisma. Seine gewagten Choreografien provozierten Skandale. Er liebte einen Mann und heiratete eine Frau. Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes stürzte der Tänzer ab. Ehe er 1950 in London starb, verdämmerte er dreissig Jahre geisteskrank in Sanatorien. Eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie, zweifelhafte Diagnosen und Therapieexperimente trieben seine Seele ins Unerreichbare. Aus Schweizer Sicht interessant: Sein allerletzter Auftritt war in St.Moritz.

Mehr als eine tänzerische Biografie
«Nijinski», getanzt von Zürcher Ballett, ist eine faszinierende Fusion aus Goeckes unverwechselbarer, zittrig-nervöser bis rasender Körpersprache und einer Erinnerung an den Künstler Nijinski, die auch choreografische Elemente aus dessen Tänzerkarriere zulässt. Die Choreografie nimmt den Menschen Nijinski und sein Wesen in den Blick, überführt Emotionen in hochästhetische Bewegungen. Obwohl Goecke den Ausnahmekünstler durch die Etappen seines Lebens begleitet, geht das Stück weit über eine rein biografische Beschäftigung hinaus und zielt auf grundlegende Fragen. Im Mittelpunkt steht der Zauber und der Wert der Kunst – aber auch der Preis, den sie allen Kreativen unnachgiebig abverlangt.

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