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Theater in XXL | Viscosistadt Emmenbrücke | Gedächtnispalast

Publiziert am 30. April 2019

Annette Windlin inszeniert auf 5000m2, fünf Etagen ein Theaterprojekt der Superlative. Bis zu 60 gleichzeitig gezeigte Szenen stehen zur Auswahl.
Mit dem theatralen Grossprojekt «Gedächtnispalast» kehrt frisches Leben in eine leerstehende Fabrik in Emmenbrücke zurück. Fenster leuchten in der Nacht, Menschen strömen in die Hallen, Lärm und Gelächter, Musik, Gesang und die Stimmen der Spielenden dringen nach draussen. Gespielt wird in 60 Szenen die Liebesgeschichte zwischen Marga und Hannes – ohne chronologischen Ablauf – auf fünf Etagen und an zahlreichen Schauplätzen in den weitläufigen Hallen einer alten Spinnerei.

Gedächtnispalast | 5000 m2 Theater in der Viscosistadt Emmenbrücke | Regie: Annette Windlin | 26. April bis 29. Juni 2019

Freie Bahn fürs Publikum
Die Zuschauenden betreten dieses Bühnenuniversum durch einen der vier Eingänge. Sie bahnen sich ungezwungen ihren Weg durch den Theaterabend, wandern individuell von Bühne zu Bühne, von Schauplatz zu Schauplatz und wählen frei unter den Szenen aus: Man verharrt nach Lust und Laune an Ort und Stelle, zum Beispiel im Wirtshaus, wo Hannes’ Freunde sich ein Stelldichein geben, oder bei Margas Vater in seiner Wäscherei. Oder man ist dabei, wenn Marga und Hannes sich am Flussufer verlieben. Jede Person erlebt das Stück auf ihre Weise, niemand sieht die ganze Geschichte. Zumal persönliche Erinnerungen einen auf Schritt und Tritt begleiten; sie werden bei der Interpretation des Gesehenen kräftig mitmischen. Geschrieben hat das Stück Martina Clavadetscher.

Geschichte neu schreiben
Gründe, sich zu erinnern, gibt es zuhauf in den von Ruth Mächler atemberaubend ausgestatteten Bühnenräumen. Denn sie beherbergen – welch ein Schatz – eine skurrile Sammlung unzähliger Gegenstände, Kleider und Möbel. Das arrangierte Material wird im Theater zur reinen Magie. Da erkennt man etwa eine Armee voller zugeschraubter Honiggläser, gefüllt mit präzise ausgeschnittenen Kartonsternen, fein säuberlich sortiert nach Farben und Formen – genug, um damit den Himmel zu bedecken. Es ist, als würden diese Dinge atmen. Wer diesen Kosmos erschaffen hat, muss entweder vollends verrückt oder glücklich gewesen sein. Nur Kinder, Verrückte und Liebende widmen sich mit Hingabe dem Unnötigen. Das Stück «Gedächtnispalast» haucht diesen Gegenständen, die ein Zufall vor der Kehrrichtverbrennungsanlage rettete, neues Leben ein. So wird die alte Spinnerei durch die Inszenierung zu einem Ort der vielfachen Erinnerung, und jede Person, die eintritt, wird durch ihr Gedächtnis zum Autor oder zur Autorin einer eigenen ungeschriebenen Geschichte.

«… ein Theaterprojekt der Superlative.» – Bote der Urschweiz

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