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CH Kino | Xenix Juni/Juli 2011

Publiziert am 02. Juni 2011

Kino Xenix Programmvorschau vom Juni/Juli 2011.
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Bigger Than Lebowski: Jeff Bridges (Trailer: True Grit)
Von «vor der Kamera stehen» konnte keine Rede sein, als der jüngere Sohn des Schauspielers und Fernsehregisseurs Lloyd Bridges seinen allerersten Filmauftritt hatte: In John Cromwells Drama THE COMPANY SHE KEEPS (1950) liegt er lässig im Arm der schönen Jane Greer – noch keine sechs Monate alt. Doch schon als Schüler war Jeff Bridges zusammen mit seinem Bruder Beau regelmässig in den TV-Serien seines Vaters zu sehen, um Mitte der Siebzigerjahre bereits eine Filmografie vorweisen zu können, die ihresgleichen suchte. Etwa Peter Bogdanovichs wunderbare Kleinstadtelegie THE LAST PICTURE SHOW (1971), die Bridges die erste «Oscar»-Nominierung (als bester Nebendarsteller) eintrug. 1972 lieferte er eindrückliche Porträts junger Amerikaner auf der Suche nach sich selbst in John Hustons desillusioniertem Boxerdrama FAT CITY und Robert Bentons groteskem Spätwestern BAD COMPANY. 1973 folgte dann Lamont Johnsons ebenso brachiale wie praktisch unbekannte Tom-Wolfe-Verfilmung THE LAST AMERICAN HERO mit Bridges als Autorennfahrer. Und im Jahr darauf glänzte er mit seiner natürlichen Lässigkeit als junger Partner von Clint Eastwood in Michael Ciminos grandiosem Ganovenstreifen THUNDERBOLT AND LIGHTFOOT. Obwohl Jeff Bridges seinen Durchbruch im Umfeld des «New Hollywood» hatte, parallel zu Schauspielern wie Harvey Keitel, Al Pacino, Ryan O’Neal oder Robert De Niro, wird er selten mit dieser Ära und den etwas älteren Kollegen in Verbindung gebracht. Was vor allem damit zusammenhängt, dass er als einer der wenigen grossen Charakterdarsteller des amerikanischen Kinos nie eine eigene Star-Persona kreiert hat.

Danach folgten so aussergewöhnliche Filme wie etwa Michael Ciminos imposantes Opus Magnum HEAVEN’S GATE, John Carpenters bestechender Fantasyfilm STARMAN, der Musikfilm THE FABULOUS BAKER BOYS von Steve Kloves, in dem Jeff nach langer Zeit wieder an der Seite seines Bruders Beau spielte, Terry Gilliams skurriles Märchen THE FISHER KING, das eindrückliche Independent-Drama AMERICAN HEART von Martin Bell (das ein von Bridges produziertes Herzensprojekt war), oder Peter Weirs starke Psychostudie FEARLESS. Bis dann im Frühjahr 1998 mit THE BIG LEBOWSKI von Joel Coen der Film in die Kinos kam, der Jeff Bridges aufgrund seines unverfälscht-entspannten Spiels zu Kultstatus verhalf. Der Rest ist Geschichte und fand einen vorläufigen Höhepunkt in der Verleihung des längst fälligen Darsteller-«Oscars» für Bridges’ überdudemässige Performance im Countrydrama CRAZY HEART. An seinem sehr frühen, sehr lässigen Umgang mit der Schauspielerei hat sich im Verlauf seiner über vierzigjährigen Karriere nichts geändert – der Mann hat sich seine Natürlichkeit und Lässigkeit bewahrt. Seine Filme sieht Bridges genauso entspannt: Wenn einer davon im Fernsehen läuft, sei das für ihn, als schaue er in alte Homemovies rein. In der grossen Xenix-Retrospektive sind diese allerdings im Format zu sehen, in dem sie gedreht wurden – zum Teil als äusserst rare Archivperlen. «Streifen zum Reinsaugen», wie der Dude sagen würde….

Il ne faut pas être un gangster pour rêver d’Anna Mouglalis
Auch wenn kaum jemand ihren Namen kennt – wer sie als kellnernde Möchtegernkriminelle in J’AI TOUJOURS RÊVÉ D’ÊTRE UN GANGSTER, als Femme fatale in GAINSBOURG (VIE HÉROÏQUE) oder als abgebrühte Betrügerin in MAMMUTH gesehen hat, weiss, von wem hier die Rede ist. Denn die Auftritte der schönen Anna Mouglalis bleiben in Erinnerung, selbst wenn sie nur kurz sind: wegen der unkonventionellen Rollenwahl der mittlerweile 33-jährigen Schauspielerin, wegen ihres vollen Körpereinsatzes, ihrer Leinwandpräsenz und nicht zuletzt wegen ihrer tiefen, verrauchten Stimme. Unnötig anzufügen, dass ihre erotische Ausstrahlung beträchtlich ist und sie deshalb immer wieder als Verführerin besetzt wird. Das gilt insbesondere für die drei Premieren, die im Rahmen unserer Hommage zu sehen sind: In Jean-Pierre Limosins frecher erotischer Farce NOVO ist Anna Mouglalis als Irène mit dem an Gedächtnisverlust leidenden Graham zusammen, den sie immer wieder von Neuem betören muss, da er nach ihren Treffen jeweils nicht mehr weiss, wer sie ist. Roberto Andò wiederum hat ihr die Rolle der geheimnisvollen Milla auf den Leib geschrieben, die in LE PRIX DU DÉSIR ihren zukünftigen Ehemann mit dessen Stiefvater betrügt und sich auf eine verbotene Beziehung voll düsterer Leidenschaft einlässt. Im eindrücklichen italienischen Gangsterepos ROMANZO CRIMINALE von Michele Placido schliesslich nimmt sie als Luxusprostituierte beziehungsweise Geliebte eine Schlüsselrolle zwischen Unterwelt und Polizei ein. Und – ja genau: Das war auch Anna Mouglalis, die in Claude Chabrols kammerspielartigem Thriller MERCI POR LE CHOCOLAT die steife Struktur einer grossbürgerlichen Familie zum Einsturz brachte. Zu entdecken ist eine faszinierende Schauspielerin, die demnächst auch als Regisseurin fürs Kino debütieren wird. Wir bleiben dran….

KURZ & KNAPP: Animationsfilme & mehr
Den Saisonabschluss der kurzweiligen Kurzfilmabend-Reihe «Kurz & Knapp» bestreitet das Programm «Animationsfilme & mehr», das 14 Filme aus sechs Ländern versammelt und ebenso vielseitige wie intelligente Unterhaltung verspricht….

Dokfilm
Joonas Berghäll und Mika Hotakainen machen uns in STEAM OF LIFE (MIESTEN VUORO) mit der Intimität eines Ortes bekannt, an dem sich die Zungen lösen, je weiter sich die Poren öffnen. In festen Einstellungen sehen wir, wie Männer aller Altersklassen in ihren schlichten Schwitzbuden von ihren Verletzungen, ihrer Einsamkeit und ihren Hoffnungen erzählen. Während Szene für Szene ungeschminkt Innenleben ausgebreitet werden, sodass die Sauna manchmal einer psychoanalytischen Praxis gleicht, sehen wir friedliche, kontemplative Bilder einer mütterlich tröstenden Natur. Doch in all dem Dampf (und zuweilen unter Tränen) kommt es auch zu Momenten, die die melancholische Bedächtigkeit des Films brechen….

Kinderkino
Unser letzter Kinderfilm vor der Sommerpause dieser Reihe bringt ein Wiedersehen mit Pippi Langstrumpf, die in Olle Hellboms dritter Astrid-Lindgren-Verfilmung PIPPI IM TAKA-TUKA-LAND mit ihren beiden FreundInnen Tommy und Annika den von Seeräubern gefangen gehaltenen Vater befreit und zur Belohnung einen grossen Schatz bekommt. Ein heiteres Filmabenteuer, in dem in einer Nebenrolle Thor Heyerdahl als Pirat zu sehen ist….

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Xenix Programmvorschau Juni/Juli 2011

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