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Rezension | The Truffle Hunters

Publiziert am 05. Oktober 2021

Eine Köstlichkeit, die kostbarer ist als Gold – «The Truffle Hunters» erzählt vom weissen Alba-Trüffel und den Spürnasen, die ihn aufzufinden wissen

In den verborgenen Wäldern im Nordwesten Italiens jagt eine schrumpfende Gemeinschaft fröhlicher alter Männer mit ihren treuen Hunden nach der teuersten Zutat der Welt. Mit beispiellosem Zugang zu den schwer fassbaren Trüffeljägern folgt der Film diesem verrückten Zyklus vom Waldboden bis zum makellosen Restaurantteller. Und es ist ein aus dem wahren Leben gegriffenes Märchen, das von der Gemeinschaft der Trüffeljäger handelt und ihrem Kampf um eine in Vergessenheit geratene Lebensweise.
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Rezension

Was für eine Trouvaille – dieses halbdokumentarische Porträt über Trüffeljäger aus dem Piemont und ihren Hunden! Alles eigenwillige Originale – eher über 80 wie drunter –, die mit ihren wirbligen Vierbeinern durch die nebligen Herbstwälder stapfen, angetrieben von der puren Leidenschaft für den kostbaren weissen Alba-Trüffel, der nicht selten für Tausende Euro gehandelt wird. Jeder dieser «trifulau» hält seine Fundorte streng geheim. Geruch, Textur, Geschmack, Grösse, Form – alles entscheidet über den Preis der unscheinbaren, knolligen, ausschliesslich wild wachsenden Pilze, die von den Hunden tief in der Erde erschnüffelt werden.

Doch die sanftmütigen Jäger sehen ihre Welt, ihre Werte, überhaupt ihr Leben im Einklang mit der Natur, dem Untergang geweiht: zum einen durch den Klimawandel und zum andern durch das wachsende Begehren für die als hochpreisige Delikatesse gehandelten Knollen. Mehr und mehr macht sich eine Goldgräbermentalität breitmacht, aus der Gier, Missgunst und Hinterhältigkeit entspringen. Nicht selten werden die über alles geliebten Hunde von Konkurrenten vergiftet.

Der von der narrativen Fotografie herkommende Michael Dweck dokumentiert gemeinsam mit Co-Regisseur und -Produzent Gregory Kershaw (beide USA) den Alltag der Jäger und wie sie durch die Wälder streifen – nebst einer Reihe von statisch komponierten Tableaus, die die Eigenbrötler im familiären Rahmen zeigen: etwa den 84-jährigen Aurelio im Zwiegespräch mit seiner pfiffigen Hündin Birba, den 88-jährigen Carlo, der von seiner Frau Maria zum Daheimbleiben ermahnt wird – und sich nachts wie ein Teenager zum Fenster raus schleicht. Oder der Dichter Angelo, der resigniert der Trüffeljagd den Rücken gekehrt hat und seine Ernüchterung zu Hause in die Tasten seiner Schreibmaschine haut. Wir erleben aber auch den smarten Gianfranco und seine Verhandlungen mit Jägern und Michelin-Restaurant-Chefs oder Paolo, den «Trüffel-Richter», der mit all seinen Sinnen die erlesenen Trüffel kostet und so ihren Wert bestimmt.

«The Truffle Hunters» gibt einen herzerwärmenden Einblick in das Leben von Individualisten, die sich mit Leib und Seele der Trüffelsuche verschrieben haben und die nicht viel vom Geld, dafür umso mehr von der Magie der Suche und vom Glück des Findens erzählen können. Dweck und Kershaw realisierten über die skurrilen Alten einen zauberhaften Film, der vom Mysterium einer Passion erzählt und von einer ruralen Gesellschaft, die man längst verloren glaubte.

Rezension: Doris Senn

The Truffle Hunters | Die Synopsis

Tief in den Wäldern Norditaliens ist der wertvolle weisse Alba-Trüffel zu finden. Von den reichsten Genussmenschen der Welt wird er immer wieder gewünscht – aber der Trüffel bleibt für viele dennoch ein seltenes Rätsel. Er kann nicht kultiviert oder gefunden werden, selbst von den einfallsreichsten modernen Baggern. Die einzigen Seelen auf der Erde, die wissen, wie man ihn ausgräbt, sind ein paar Hunde und ihre ergrauten menschlichen Gefährten – italienische Älteste mit Spazierstöcken und teuflischem Sinn für Humor, die nur nachts nach dem Trüffel suchen, um nicht Hinweise für andere Trüffeljäger zu geben. Dennoch löst diese kleine Enklave von Trüffeljägern einen fieberhaften Kaufmarkt aus, der die ganze Welt umspannt. Mit beispiellosem Zugang zu den schwer fassbaren Trüffeljägern folgen die Filmemacher Michael Dweck und Gregory Kershaw diesem verrückten Zyklus vom Waldboden bis zum makellosen Restaurantteller.

The Truffle Hunters | Stimmen

«Das faszinierende Porträt der Trüffeljäger im Piemont ist eine Liebeserklärung an die Natur. Die Welt der Trüffel ist nur schwer greifbar und die Trifolai einzugrenzen, die betagten Sucher und Kenner der Knolle mit ihren Hunden, ist nicht viel einfacher. Die Regisseure nähern sich jedoch mit Geduld dieser Welt an und macht einen poetischen Film daraus.» – Giancarlo Schwendener, outnow.ch | «Wie die edle Knolle, nach der alle lechzen, ist auch The Truffle Hunters zumindest als Augenschmaus kulinarisch somit perfekt aufbereitet.» – Michael Pekler, Filmbulletin.ch |  «Einzigartig und reizvoll. Ein Fest für die Augen und Nahrung für die Seele.» – The Hollywood Reporter | «Eine köstlich ansteckende cineastische Reise. Ein Film, der Freude verbreitet. » – Variety | «Wie ein flüchtiger Blick in himmlische Gefilde.» – The Film Stage

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The Truffle Hunters | Regie: Michael Dweck und Gregory Kershaw | Dokumentation | Verleiher: Praesens Film

Kinostart Deutschschweiz: 11. November 2021

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