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Fotomuseum Winterthur | Juergen Teller - enjoy your life!

Publiziert am 04. Juli 2018

«Was mich letztlich einzig und allein interessiert, ist die Interaktion zwischen zwei Menschen. Einer von denen bin ich, der Fotograf.»

Juergen Teller, 1964 in Bayern geboren, zählt international zu den gefragtesten Fotografen der Gegenwart. Er ist genauso exponiert wie umstritten. Seine Auffassung der Fotografie sei der Fabel näher als dem Roman, schreibt der französische Kritiker Éric Troncy treffend. Tellers Bilder werden nicht mit Informationen überladen, sie stellen keine Behauptungen auf – vielmehr bilden sie Annahmen und offene Narrative, in denen jedes Element seine Funktion, seinen eigenen Platz hat.
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Kunst und Kommerz
Juergen Teller bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und kommerzieller Fotografie, ein zentrales Interesse bildet das Porträt: In den Bereichen Musik, Mode, Alltag und Landschaft gelingt es ihm, mit eigenem Gespür für Personen und Situationen unmittelbare, manchmal scheinbar einfache Bildkompositionen zu schaffen. Gezielte Brüche von Sehgewohnheiten und Erwartungen sind einigen Arbeiten implizit, idealisierende oder verklärende Bildstrategien liegen ihm fern. Seine Arbeiten, oft umfangreiche Serien, werden zahlreich in Büchern, Zeitschriften und Magazinen veröffentlicht. Nachdem er – aus einer Instrumentenbauerfamilie stammend – seine Bogenmacherlehre aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste, studierte Teller an der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie in München und zog 1986 als freier Fotograf nach London. Dort begann er für Musik-, Zeitgeist- und Modemagazine zu fotografieren und wurde 1991 bekannt, als er die Band Nirvana auf ihrer Nevermind Release-Tour begleitete und seine sensiblen Fotos des schüchternen Frontmannes Kurt Cobain weltweit verbreitet wurden.

Mode und People
In bewusster Distanz zum immerwährenden Glamour im Bereich Mode- und People-Fotografie hat Juergen Teller eine exponierte Stellung: In Modekampagnen für namhafte Labels versetzt er Schauspielerinnen, Supermodels, Popstars oder andere Prominente in neue, oft irritierende visuelle Zusammenhänge, wie z.B. in der Serie «Kanye, Juergen & Kim, Château d’Ambleville» von 2015. Das opulente Buch «Eating at Hotel Il Pellicano. Juergen Teller, Antonio Guida, Will Self» zeigt Aufnahmen, für die Teller 2013 die Kreationen des Sternekochs Antonio Guida in dem toskanischen Hotel in Szene setzt. Dieses künstlerische Prinzip überträgt er auch auf die nicht kommerziellen Arbeiten. «Was mich letztlich einzig und allein interessiert, ist die Interaktion zwischen zwei Menschen. Einer von denen bin ich, der Fotograf. Und wenn mich diese Begegnungen berühren, dann ist es gut.» So basieren Tellers Shootings mit Charlotte Rampling auf grosser spielerischer Freude und einem inzwischen bedingungslosen gegenseitigen Vertrauen, was auch die jüngsten Aufnahmen «Charlotte Rampling, a Fox, and a Plate» im neuen Londoner Atelier belegen.

Unverstellter, ehrlicher Blick
Juergen Teller fordert von seinen Modellen die Bereitschaft zum Unverfälschten und Ungeschönten. Sein unermüdlicher, ehrlicher und unverstellter Blick auf seine Portätierten setzt auch bei den Betrachter*innen Toleranz und Neugierde voraus. Er agiert wie ein Regisseur mit seiner Kamera, mit dem Set, den Requisiten und vorallem den Protagonist*innen seiner Bilder. So ist nachzuvollziehen, dass auch andere Personen den Auslöser der Kamera betätigen, wenn er selbst zum Modell seiner Inszenierungen wird. «Alles ist im weitesten Sinne eine Art Selbstporträt. Es ist einfach die Art, wie Du die Dinge siehst, und wie gewisse Dinge Dich neugierig machen und Dich einfach mitreissen», so Teller. In den seit 2016 entstandenen Serien «Plates/Teller» fliessen alle bisherigen Themen und Kompositionen als Konzentrat zusammen. Und als «Storyteller» reflektiert Teller das Medium Fotografie als Spiegel der Gesellschaft und untersucht fast intuitiv dessen Medienwirksamkeit.

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Fotomuseum Winterthur | «Juergen Teller – enjoy your life!» | 02. Juni bis 07. Oktober 2018 | öffentliche Führungen jeweils mittwochs und samstags | Die Ausstellung war zuvor in der Bundeskunsthalle Bonn sowie in der Galerie Rudolfinum in Prag zu sehen.

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