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Kunsthaus Zofingen | Horizonte

Publiziert am 05. Februar 2021

Mit der Gruppenausstellung «Horizonte» schliesst das Kunsthaus Zofingen seine Reihe zum Thema Natur und Mensch ab.

Um ein möglichst breites Bild im Umgang mit dem Horizont verkörpern zu können, zeigt Kuratorin Claudia Waldner ganz unterschiedliche Positionen aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Video, Installation und Objektkunst, Werke von Esther Amrein, Rachel Buehlmann, Rosângela de Andrade Boss, Agnes Meyer–Brandis, Karoline Schreiber, Roman Signer, Una Szeemann, Ernst Waldner, Caspar Wolf. «Horizonte» ist Waldners letzte Ausstellung in Zofingen bevor sie beruflich neue Wege geht.
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Sinnbild für Sehnsüchte
Wie weit reicht mein Horizont? Diese scheinbare Trennlinie, die den Himmel von der Erde abgrenzt, dient als Sinnbild für Sehnsüchte, Utopien und gedankliche Erweiterung des persönlichen Blickfeldes. Immer wieder reizt es Künstler*innen diese Linien auszuloten, sie zu beobachten, sie festzuhalten und aufzuzeigen. Vom Berggrat bis zum Meeresspiegel, stetig dem Fluss der Zeit folgend, löst sich der Horizont in Wolken auf und trifft dort auf reale Begebenheiten und Imagination im Gedankenraum. Ein Verschieben unseres Blickwinkels auf diese unterschiedlichen Horizonte birgt das Wechselspiel zwischen Bewegung und Stillstand – zwischen hier und dort.

Die Wolken des Kernkraftwerks
Beim Betreten der Ausstellung begeben sich die Besucher*innen direkt in das Reich der Wolken. Im Werk «Die Wolke» zeigt Karoline Schreiber (1969) eine plastische Gedankenwolke, die eine enorme Kraft in sich birgt und im Weiss einen starken Kontrast zum ruhigen Schwarz im Hintergrund bildet. Die Künstlerin zeichnet bis zur Erschöpfung. Unermüdlich bringt sie ihre Gedankenwolken auf die Leinwand, das Papier und jeglichen Untergrund, den sie finden kann. Um eine andere Art Wolkenbild geht es der Künstlerin Rachel Bühlmann (1977). Sie fotografiert seit mehreren Jahren die Wolke des Kernkraftwerks in Gösgen und zeigt in Zofingen erstmals Auszüge aus der Serie. Auch wenn das Licht in der Wolke romantisch bricht und sich wie ein erhabenes Naturphänomen präsentiert, bleiben beim Betrachten stets die nüchterne Erkenntnis über den Ursprung und die dahinter verborgene Gefahr mit einem fahlen Gefühl zurück.

Roman Signer
Wasser, Feuer, Luft und Erde sind Elemente, die immer wieder in die Gestaltung der Aktionen von Roman Signer (1938) eingreifen und sie vollenden. Die Videoarbeit Don’t Cross the Line (2002) beginnt mit einer Kameraeinstellung auf eine Schachtel, in der sich gelbes Markierungsband mit der Aufschrift Police Line Do Not Cross befindet. Drei rote, mit Gas befüllte Ballons sind an einem Ende des Bandes befestigt. Sie spulen, einmal befreit, das Band aus der Schachtel ab und zeichnen eine vorüberziehende, gelbe Demarkationslinie in die Landschaft der Mojave-Wüste. Um den Lauf der Zeit, den Fluss der Dinge und das «Hinterlassen von Spuren unsichtbarer Phänomene» geht es im Werk LES MAINS NÉGATIVES, 2020 der Künstlerin Una Szeemann (1975). Ein aus dem Maggiatal stammender Granitblock, in den ein bronzener Ankerring geschlagen wurde, bildet den ruhenden Pol einer Zeitreise in zwei Richtungen. Im Rahmen der Ausstellung «Horizonte» wird der Granitblock im Kunsthauses Zofingen installiert, mit Ausblick durch die Bogenfenster auf die vielbefahrene Strasse am Rande der Altstadt. Die Arbeit lädt zum Sitzen und Verweilen ein. Sich Zeit nehmen mit dem Blick auf den Fluss des Verkehrs, des Treibens der Stadt. Das Verweilen und die damit verbundene Entschleunigung und das genaue Hinschauen sind ebenfalls die Intension des Malers Ernst Waldner (1949). Er widmet sich den klassischen Gattungen der Malerei und sucht seine Motive vor allem in Landschaftsgenres. Das intensive Schaffen des Malers, der sich im Werk und Leben mal auf der einen, mal auf der anderen Seite der Alpenkette bewegt, beinhaltet immer wieder auch den Blick aus verschiedenen Richtungen. Berglandschaften, die vor vierzig Jahren entstanden sind, ergänzen neuere Arbeiten, Zeichnungen, Forschungen und Berechnungen rund um das Thema Horizont.

Caspar Wolf – Pionier der Landschaftsmalerei
In der Ausstellung werden Parallelen aus verschiedenen malerischen Perspektiven und in Bezug auf die Bergbegehungen von damals zu heute gestellt. Als Pionier der europäischen Landschaftsmalerei des 18. Jahrhunderts gilt Caspar Wolf (1735-1783). Als einer der Ersten überhaupt malte der aus Muri stammende Künstler vor 250 Jahren die Welt der Alpen genau so, wie er sie mit eigenen Augen sah. Ausschnitte aus dem Film «Reisen im fast unbekannten Gebürg», der für das Museum Caspar Wolf in Muri produziert wurde, veranschaulicht die Bergketten und Panoramen von damals bis heute. Durch die Gegenüberstellung der Sicht des Malers auf die heutigen Horizonte der Gletscherregionen werden die starken Veränderungen in Bezug auf die Gletschersituation und deren Schmelzprozess deutlich. Die beiden Künstlerinnen Esther Amrein (1968) und Rosângela de Andrade Boss (1966) untersuchen in gemeinsamen Arbeiten immer wieder die Beziehungen zwischen materiellen und immateriellen Systemen. Das Duo wurde immer wieder durch die Vorgehensweise des Malers Caspar Wolf inspiriert, sowohl durch seinen Blick auf die landschaftliche Wahrnehmung, als auch die starken Kontrastdarstellungen zwischen dunkel und hell. Neben dem grossen Gemeinschaftswerk «Cortina» ist die Künstlerin Esther Amrein mit weiteren raumgreifenden Arbeiten vertreten. Es ist immer der Standpunkt, der den Blick und somit den Horizont bestimmt. Amrein verbindet Einzelteile eines fiktiven Horizontes zu einer langen Linie, die sie im Laufe der Ausstellung mehrmals umbaut, ergänzt und verändert. Agnes Meyer-Brandis (1973) verlässt die Erde über den Grat des Horizontes auf der Brücke der Wissenschaft und Phantasie. Ihre Interessen gelten der «Erforschung der Welt und ihrer Realitäten durch den Einsatz von erweiterten fantastischen Realitätsanwendungen», wie sie selbst schreibt. Am komplexen Projekt «Moon Goose Experiment» arbeitet die multimediale Künstlerin seit 2008. Das Werk ist inspiriert von der fantastischen Erzählung «Man in the Moone» von Frances Goodwin aus dem 17. Jahrhundert. In dieser beschreibt Goodwin eine abenteuerliche Reise zum Mond mit einem von Gänsen gezogenen Gefährt und schildert dabei sehr eindrücklich die Effekte der Schwerelosigkeit.

Textgrundlage: Claudia Waldner, 2021, mit Zitaten der Künstler*innen

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Horizonte | Kunsthaus Zofingen | 17. April bis 20. Juni 2021 | Vielfältiges Begleitprogramm

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5 Publikationen | Von Wurzeln zu Wolken | Kunsthaus Zofingen

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