Die Filmcoopi-Crew 1992

Filmpodium Zürich | 50 Jahre Filmcoopi

Publiziert am 01. Juli 2022

50 Jahre engagierte, leidenschaftliche, herausfordernde und «künstlerisch wertvolle Filme» für die Schweizer Kinos.

Aus der Schweizer Filmszene sind sie kaum wegzudenken: Die Filmcoopi! Herangewachsen zu einem der grössten unabhängigen Filmverleiher im Lande, feiern sie nun ihr 50-Jähriges! Über dreissig Filme aus ihrem Katalog bringen sie in einem Jubiläumsprogramm auf die Kinoleinwand. Zu sehen sind wegweisende Filmkunst, Publikumslieblinge und natürlich Werke von Filmschaffenden, die die Filmcoopi über viele Jahre begleitet haben. Wir haben acht Filme ausgewählt, die wir ganz besonders ans Herz legen!
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Die Kino- und Verleihbranche im Umbruch: Podiumsdiskussion zu Herausforderungen, Zukunftsperspektiven und Visionen

Die Filmbranche ist Umbruch. Das ist augenfällig. Während das Publikum vor 50 Jahren neue Filme noch im Kino entdeckte, berichten Tageszeitungen heute im immer dünner werdenden Kulturteil über die heissen Starts auf Streamingportalen. Zürich zählt 73 Leinwände, so viele wie noch nie – und beklagt eine historisch tiefe Zuschauer:innenzahl. MUBI, die cinephile Streamingplattform schlechthin, hat 2021 den deutschen Weltvertrieb «The Match Factory» gekauft – einer der aktuell interessantesten Filmproduzenten sowie Händler von Filmrechten – und drängt gerade mit drei Titeln ins Kino.Verleiher und Kinos antworten auf diese Entwicklung mit eigenen Streamingportalen und innovativen Verleihformen: «Memoria» von Apichatpong Wheerasetakul beispielsweise wurde in den USA nicht gleichzeitig in mehreren Staaten gestartet, sondern wanderte von Stadt zu Stadt, von Kino zu Kino – und war immer nur an einem Ort und für ein Publikum zu sehen. Anlässlich des 50. Geburtstags der Filmcoopi stellen sich Vertreter der hiesigen Filmbranche in einem Podium der Frage nach den Herausforderungen, den Zukunftsperspektiven und den Visionen für den Kino- und Filmmarkt.

Fillmpodium Zürich | 24. August 2022 | Es diskutieren: Yves Blösche und Felix Hächler (Filmcoopi), Frank Braun (Kinobetreiber), Cyril Schäublin (Filmemacher) und weitere Gäste.

Der Kult-Film: Down by Law | Regie: Jim Jarmusch | USA, 1986
Zuhälter Jack und Radio-DJ Zack hatten gerade eine Rauferei, als sie mit dem Falschspieler Roberto einen neuen Zellengenossen erhalten. Der gesprächige Italiener hebt sogleich die Stimmung der Zwangsgemeinschaft und hat auch einen Plan, wie sie aus dem Gefängnis ausbrechen können. Eine skurrile Odyssee durch die Sümpfe Louisianas beginnt. «Dieser Film ist Jazz, nicht nur, was die faszinierende Tonspur betrifft, sondern in seiner ganzen Anlage, in seinem Rhythmus, seinen Themen, seinen Improvisationen, seinen Soli, seinem lebendigen Ganzen.» – Fred Zaugg, Der Bund

Der Geheimtipp: Maman est chez le coiffeur | Regie: Léa Pool | Kanada, 2008
Québec, Sommer 1966: Élise und ihre beiden jüngeren Brüder freuen sich auf die Ferien. Dann zerbricht plötzlich ihre harmonische Familie: Der Vater hat mit seinem Golfpartner die Mutter betrogen. Léa Pools Film behält «lange Zeit seinen sommerlich-leichten Tonfall bei, in den sich anfangs kaum wahrnehmbar kleine Störungen und Widersprüchlichkeiten drängen (…). Dennoch überwiegt niemals das Schwere, was auch an den bezaubernden Kinderdarstellern liegt, die dafür sorgen, dass man selbst in den tragischsten Momenten noch ein Lächeln kaum unterdrücken kann.» – Joachim Kurz, kino-zeit.de

Die Britische Komödie: The Party | Regie: Sally Potter | GB/Dänemark, 2017
In einem vornehmen Londoner Stadthaus feiert die alternde linksliberale Politikerin Janet ihren Aufstieg zur Minister-Kandidatin. Als ihr Ehemann Bill vor versammelten Freunden ein schockierendes Geständnis macht, bröckeln nicht nur die gelifteten Fassaden der Gäste, sondern auch die äusserst brüchigen Bande weiblicher Solidarität. «Sally Potters Film ist ein kurzer, scharfer und witziger Schocker; ein ebenso theatralisches wie komödiantisches Kammerspiel, das sich mit Eleganz und Eile in Echtzeit abspielt und auf eine freche Pointe zusteuert, die einen über den Abspann hinaus lachen lässt.» – Peter Bradshaw, The Guardian, 13.2.2017

Der Film-Epos: The Piano | Regie: Jane Campion | Australien, Neuseeland und Frankreich, 1993
Mitte des 19. Jahrhunderts: Für eine arrangierte Ehe reist Ada mit ihrer Tochter nach Neuseeland und muss am Strand ihr geliebtes Klavier zurücklassen. Dessen neuer Besitzer lässt Ada für Klavierstunden zu sich kommen und unterbreitet ihr ein Angebot, wie sie sich ihr Instrument Taste für Taste zurückerobern kann. «Nie zuvor habe ich einen Film gesehen, der so einzigartig und eindringlich ist wie The Piano (…). Es ist einer dieser seltenen Filme, in denen es nicht nur um eine Geschichte oder einige Figuren geht, sondern um ein ganzes Universum von Gefühlen – darum, wie Menschen voneinander abgeschottet sein können, einsam und verängstigt, darum, wie Hilfe aus unerwarteten Richtungen kommen kann, und darum, dass man nie etwas erfährt, wenn man nicht fragt.» – Roger Ebert, rogerebert.com, 19.11.1993

Der CH-Dok: Die erschiessung des Landesverräters Ernst S. | Regie: Richard Dindo, Niklaus Meienberg | Schweiz, 1976
«‹Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen›: Diese These wird aufs Schönste illustriert von der Geschichte des Ernst S., die der wegweisende Dokumentarfilm (…) aufrollt. Ernst S. (…) wollte nicht für ein paar Rappen Stundenlohn in Fabriken malochen (…) und verhökerte 1941 ein paar gemauste Granaten an die Deutschen, um Bier zu kaufen. Dafür wurde er (…) totgeschossen, während der halbe Bundesrat, General Wille, Emil Bührle und andere angesehene Eidgenossen ungestraft den Nazis den Teppich ausrollten (…). Ein wichtiges und haarsträubendes Stück helvetische Vergangenheitsbewältigung.» – Michel Bodmer, filmo.ch

Das Dok-Highlihgt: Le sel de la terre | Regie: Juliano Ribeiro Salgado, Wim Wenders | Brasilien/Frankreich und Italien, 2014
In intensiven Gesprächen nähert sich Wim Wenders in seinem oscarnominierten Dokumentarfilm dem brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado, der mit seinen bildgewaltigen Schwarzweissaufnahmen unseren Umgang mit dem Planeten hinterfragt. Salgados Sohn steuert Bildmaterial von gemeinsamen Expeditionen bei. «Le Sel de la terre ist (…) ein kleines Kunstwerk. Ein Film, der als Ode an die Fotografie genauso gut funktioniert wie als Porträt von Sebastião Salgado. Der Brasilianer hat in seinen Bildern stets den Menschen ins Zentrum gerückt. Und war trotzdem weit davon entfernt, ihn zu glorifizieren.» – Selim Petersen, srf.ch, 13.11.2014

Die Film-Rarität: Gadjo Dilo | Regie: Tony Gatlif | Frankreich/Rumänien, 1997
Stéphane, ein französischer Musikologe, fährt nach Rumänien auf der Suche nach einer geheimnisvollen Sängerin, deren Stimme sein Vater noch einmal hören wollte, bevor er starb. In einem kleinen Romadorf freundet er sich mit dem alten Musiker Izidor an und trifft auf Sabina, die seine erste grosse Liebe wird. Gatlifs Roadmovie ist ein «starkes Plädoyer für Toleranz (…). Die sinnliche Mischung aus Poesie, ungestümer Gefühlsgewalt, Sozialwirklichkeit und einer leidenschaftlichen, fast magischen Musik entwickelt einen faszinierenden und verstörenden Sog.» – Margret Köhler, AZ München, 1998

Der CH-Erfolgsfilm: Die göttliche Ordung | Regie: Petra Volpe | Schweiz, 2016
Die junge Hausfrau und Mutter Nora lebt Anfang der 1970er-Jahre in einem Schweizer Dörfchen. Von den Umwälzungen der 68er-Bewegung ist hier wenig zu spüren. Doch als Nora sich für das Frauenstimmrecht einsetzt, gerät der Dorf- und Familienfrieden gehörig ins Wanken. Petra Volpes Film «ist dramatisch und erhellend, versöhnlich und aufklärend, vergnüglich und erschreckend. Es kommt selten vor, dass ein Deutschschweizer Spielfilm mit dieser Leichtigkeit vom Drama zur Komödie wechselt, dabei die Satire streift, ohne den Realismus aufzugeben, und schliesslich wieder ganz selbstverständlich im Familienfilm mündet.» – Michael Sennhauser, sennhauserfilmblog.ch

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50 Jahre Filmcoopi | Jubiläumsprogramm | 1. Juli 2022 bis 26. September 2022

Lesetipp: Interview mit Claudia Badoer und Felix Hächler im Filmbulletin

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