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Interview | Peter Liechti

Publiziert am 30. September 2013

Nach langer Entfremdung und in fortgeschrittenem Alter hat sich der Filmemacher Peter Liechti seinen betagten Eltern wieder angenähert. Und zwar gründlich, in einem beeindruckenden Doppelprojekt von Buch und Film.
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Peter Liechti

Die Geschichte einer Ehe als zeitloses Drama
«Um Himmels Willen – das sind Fragen!», sagt die Mutter, als der Sohn das Gespräch eröffnet; über Jahrzehnte war man sich ausgewichen. Der Film ist das Protokoll einer späten Wiederbegegnung des Regisseurs mit seinen alten Eltern – und der Versuch einer persönlichen Geschichtsrevision. Dabei entstand ein neues Bild der Eltern, das auch immer wieder Einblick gewährt in eine Ära, deren Ende längst eingeläutet wurde. Die Geschichte ihrer Ehe berührt hingegen als zeitloses Drama; noch heute wird uns wind und weh dabei.

Langer Arbeitsprozess
Während eines Jahres hat Liechti seine alten Eltern in ihrem rechtschaffenen Kleinbürgerleben mit der Kamera begleitet. Er hat sich viel Zeit genommen und seinen Eltern seit vielen Jahren wieder einmal richtig zugehört. Und trotz seiner heiklen Doppelrolle als Sohn und Filmemacher im Elternhaus, ist er auch den schwierigen Fragen nicht ausgewichen.

Die Eltern als Hasenpuppen
Die langen Gespräche und Aussagen der Eltern hat Liechti aufgeschrieben und in einem monatelangen Arbeitsprozess zu klaren, starken Sätzen verdichtet. Diese inszeniert er zwischendurch als Kasperletheater. In einem Puppentheater, einem Kunstraum, der seine Kindheit repräsentiert und gleichzeitig die Enge kleinbürgerlicher Verhältnisse.

Stimmen
Unglaublich berührend, aufwühlend, schmerzend und erwärmend. Beim Schauen dieses Films durchläuft man Bäder verschiedener Gefühlstemperierungen; ein wahrliches Mitleiden und letztlich Mitleben. Man verlässt den Kinosaal trotzdem mit der Gewissheit, dass da irgendwo die Liebe steckt. Peter Liechti hat mit dem Puppentheater eine wunderbare Form des Erzählens gefunden – ein Kunstwerk. Ruth Baettig; art-tv.ch & festivalonline.ch | Peter Liechtis Filme wirken radikal, weil sie das echte Leben zeigen. Beeindruckend ist die Schonungslosigkeit, mit der er in seinem neuen Film seine Eltern porträtiert. Mit diesem Werk «Vaters Garten – die Liebe meiner Eltern» sprengt Liechti einmal mehr die Grenzen des Dokumentarfilms. Wie er Vater und Mutter als Hasenpuppen wie im Kasperlitheater inszeniert, ohne sie damit der Lächerlichkeit preiszugeben, ist ein kleines Meisterstück. Sibilla Semadeni, Kulturplatz

Buch zum Film
«Klartext» ist ein Sprachmonument, das ergreifende Protokoll einer Forschungsreise, die Peter Liechti unternimmt zur Terra Incognita einer Liebe, die ihm ebenso rätselhaft erscheint wie bedrückend, so unergründlich wie eigensinnig, so faszinierend wie kostbar: die Liebe seiner Eltern. Peter Liechti: Klartext, Fragen an meine Eltern. Vexer Verlag, 2013.

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Vaters Garten – Die Liebe meiner Eletern | Regie: Peter Liechti | Film | Schweiz 2013 | Dauer: 93 Min. | Verleih: Look Now!

Peter Liechti ist der Eherengast der 49. Solothurner Filmtage vom 23. bis 30. Januar 2014. Mit Peter Liechti werde eine Persönlichkeit des Schweizer Films geehrt, «die für einen innovativen Tonfall im Dokumentarfilm steht und auf eine lange und bedeutende Karriere zurückblickt», schreiben die Solothurner Filmtage in der Medienmitteilung.

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