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Rezension | Von Fischen und Menschen

Publiziert am 16. Dezember 2020

Sarah Spale in der Rolle einer Mutter am Abgrund, inszeniert von Stefanie Klemm, die für ihr Erstlingswerk den «Opera Prima» gewann.

Nach dem Tod der kleinen Milla verstricken sich Judith und Gabriel immer tiefer in einem Gespinst aus Rache, Schuld und Lügen, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint. Ein starkes, stilles Stück Kino, intensiv und glaubwürdig gespielt von Sarah Spale, die im Mittelpunkt der Geschichte steht. Auch Matthias Britschgi füllt seinen vielschichtigen Part als Gabriel hervorragend aus – für arttv Filmjournalistin Madeleine Hirsiger eine Entdeckung.
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arttv Rezension
Es ist ein subtiles und spannendes Drama, das Regisseurin und Drehbuchautorin Stefanie Klemm mit ihrem ersten abendfüllenden Film auf die grosse Leinwand bringt. Ein starkes, stilles Stück Kino, intensiv und glaubwürdig gespielt von Sarah Spale, die im Mittelpunkt der Geschichte steht. Als alleinerziehende, liebevolle Mutter lebt sie zusammen mit ihrer aufgeweckten Tochter Milla in einem weit abgelegenen Tal im Jura. Die kleine Forellenzucht, die sie mit Gabriel (Matthias Britschgi) – einer Aushilfe – betreibt, sichert ihr ein minimales Einkommen. Die Arbeit ist hart, das Wetter oft garstig. Ein Schicksalsschlag wirft sie aus der Bahn, bringt ihr Leben völlig durcheinander. Wie nun Sarah Pale diese Rolle ausfüllt, ist beeindruckend: Glaubhaft spielt sie die Verzweifelte, die Überforderte, aber auch die Kämpferin. Sie beherrscht das emotionale Spiel – gleichgültig, wie lange die Kamera auf ihrem Gesicht weilt – sie hält es aus. Und das ist das, was diese aussergewöhnliche Schauspielerin ausmacht: Alles, was sie spielt, gehört zu ihr, ob als Ermittlerin in der TV-Serie «Wilder», als Junkie-Mutter in «Platzspiz-Baby» oder als Judith in «Von Fischen und Menschen». Sie ist die Rolle, oder die Rolle ist sie.
Und dann soll der überzeugende Matthias Britschgi nicht vergessen gehen: Auch er füllt seinen vielschichtigen Part als Gabriel hervorragend aus – für mich eine Entdeckung. Madeleine Hirsiger

Zum Film
Judith betreibt in einem abgelegenen Jura-Tal eine kleine Forellenzucht. Die harte Arbeit fordert von der alleinerziehenden Mutter alles. Glücklicherweise hat sie seit kurzem mit Gabriel einen zuverlässigen Gehilfen. Zwischen den beiden wächst ein vertrauensvolles Verhältnis; auch Judiths kleine Tochter Milla schliesst Gabriel schnell ins Herz. Ein jäher Schicksalsschlag zerstört das Idyll. Verzweiflung, Trauer und Wut drohen Judith zu erdrücken. Ihr einziger Halt ist die Verbundenheit mit Gabriel. Judith ahnt nicht, wie sehr dieser in die tragischen Ereignisse verstrickt ist. (Syniosis)

Zur Regisseurin
Nach ihrem Masterstudium (Regie und Drehbuch) an der Zürcher Hochschule der Künste gründete Stefanie Klemm ihrer eigene Produktionsfirma, mit der sie seit 2000 Auftragsproduktionen, Kurzfilme, Experimental- und Tanzvideos realisiert, die an verschiedenen Filmfestivals und im TV präsentiert wurden. Sie war Stipendiatin der Drehbuchwerkstatt München (2011/12) und der Wajda School Warschau (Intensive pre-production workshop EKRAN 2013), schreibt Drehbücher und ist als Regisseurin tätig. Klemm ist Gründungsmitglied der Table-Reading-Gruppe Berner DrehbuchautorInnen, leitet Drehbuchaufstellungen (Structural Script Constellations nach Varga-Von Kibéd) und unterrichtet an verschiedenen Institutionen. Im Sommer 2020 wurde ihr erster abendfüllender Spielfilm fertiggestellt. Der von Dschoint Ventschr produzierte Film «Von Fischen und Menschen» mit Sarah Spale und Matthias Britschgi in den Hauptrollen hatte seine Uraufführung am Internationalen Filmfestival in Chicago. «Von Fischen und Menschen» gewann bei den Solothurner Filmtagen 2021 die erste Auszeichnung von «Opera Prima», eine neu initiierter Preis für Schweizer Debutfilme.

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Von Fischen und Menschen | Regie: Stefanie Klemm | Drama | 87 Minuten | Schweiz, 2020 | Verleih: Filmcoopi | Gewinner «Opera Prima» der Solothurner Filmtage für das beste Erstlingswerk

Filmstart Deutschschweiz: 20. Mai 2021

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