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Luzerner Theater | La Traviata

Publiziert am 13. Januar 2013

Die Oper fesselt mit dem Kontrast von praller Sinnlichkeit und Sensibilität. Sie lässt uns in den berauschenden Klängen von Giuseppe Verdis Meisterwerk schwelgen.

La Traviata | Luzerner Theater | Oper in drei Akten | Musik: Giuseppe Verdi | Libretto: Francesco Maria Piave, nach Alexandre Dumas LA DAME AUX CAMÉLIAS | Uraufführung: 6. März 1853 in Venedig | Musikalische Leitung: James Gaffigan | Inszenierung: Lorenzo Fioroni | Premiere: 12. Januar 2013 | bis 16. Mai 2013

Kritik
Das Luzerner Theater hat sich zum 200. Geburtstag des italienischen Meisters mutig daran gemacht, eine der meistgespielten und bekanntesten Opern aus der Feder des Komponisten, LA TRAVIATA, zu präsentieren, sie auf ihre Relevanz für die Gegenwart zu erforschen. … Svetlana Doneva in der Titelpartie verfügt über eine facettenreiche, ungemein ausdrucksstarke Stimme, setzt ihr üppiges Timbre effektvoll ein und verfügt ebenso über wunderschön verklingende Piani… Der genialste und überzeugendste Einfall kam dem Regisseur für das zweite Bild des zweiten Aktes: Violetta ist (nach einem ergreifenden Amami, Alfredo!!!) nach Paris zurückgekehrt. Ihre einstigen Freunde bei Flora feiern noch immer in der selben, platten Manier, stülpen sich Spaghetti-Töpfe über den Kopf, schmieren sich mit Rasierschaum voll, fallen wollüstig über den Violetta-Ersatz her. Doch Violetta sitzt in Jeans und Angora-Pullover am Bühnenrand und betrachtet aus der Distanz das dekadente, abstossende Getue… Diese Luzerner TRAVIATA vermag Interesse zu wecken, bleibt spannend und erfüllt Giuseppe Verdis Meisterwerk musikalisch (auch dank James Gaffigans umsichtigem Dirigat und dem prägnant singenden Chor des Luzerner Theaters) mit praller Sinnlichkeit und Sensibilität, bringt den dem Werk immanenten Kontrast von croce und delizia, von gioia und dolore zu plastischer Wirkung.
Ausführliche Würdigung der Premiere und weitere Hinweise zu Werk und Inhalt auf oper-aktuell

Kurze Liaison
1844 lernt der Sohn des angesehenen Schriftstellers Alexandre Dumas die berühmte Kurtisane Marie Duplessis kennen und lieben. Da ihm die finanziellen Mittel fehlen, seiner Beziehung Exklusivität zu sichern, trennt er sich bald wieder und geht mit seinem Vater auf Reisen. Als er zurückkehrt, ist die Kurtisane an Tuberkulose gestorben. Sogleich schreibt Alexandre Dumas Sohn den Roman «La Dame aux camélias», in dem er seine kurze Liaison so erzählt, wie er sie gerne erlebt hätte. Kaum ist das Werk vollendet, arbeitet er es zu einem Theaterstück um, das zu einem beispiellosen Erfolg gerät – und auch Giuseppe Verdi begeistert.

Das Glück der gesamten Familie steht in Frage
Eine bereits von Krankheit gezeichnete Edelkurtisane verliebt sich in einen jungen mittellosen Verehrer. Sie gibt ihr Luxusdasein auf und versucht ein bürgerliches Leben in Zurückgezogenheit an der Seite des Geliebten. Dann kommt dessen Vater und hält ihr die Unmöglichkeit dieser Liaison vor Augen: Das Glück der gesamten Familie steht in Frage durch die Schatten, die ihre Vergangenheit wirft. So opfert sich die Gefallene für den Geliebten und kehrt zu ihrer früheren Existenz zurück. Doch wieder holt sie die Vergangenheit ein …

Eine Primadonna im Ausnahmezustand
Verdi fand in diesem Stoff all das, was eine gute Belcanto-Oper ausmacht: prägnante Situationen, existenzielle Krisen, extreme Affekte und vor allem – eine Primadonna im Ausnahmezustand. Für das psychologisch ausdifferenzierte Kammerspiel schrieb er ebenso klar konturierte wie hoch expressive Melodien, die, ganz auf den dramatischen Moment hin zugeschnitten, trotz des Rückgriffs auf tradierte Formschemata die Meisterwerke seiner Vorgänger wie Vincenzo Bellini und Gaetano Donizetti an wirkungsmächtiger Unmittelbarkeit weit übertreffen. Das radikal Neue aber: Die Titelfigur als unschuldiges Opfer gesellschaftlicher Zwänge kommt nicht aus einer historischen Ferne, sondern aus der Gegenwart des Uraufführungspublikums.

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