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Oliver Keller, Theater Marie inszeniert «Geld, Parzival» von Joël László

Theater Marie | Geld, Parzival

Publiziert am 27. November 2020

«Geld, Parzival» überträgt Wolframs mittelalterlichen Ritter- Kosmos in eine neuzeitliche Welt des Kapitalismus

Der Autor Joël László hat den Parzival aus der Artus-Sage für das Theater Marie ins Heute geholt. Als Kapitalist sucht dieser nach Glück und Freiheit. Die Premiere im Kurtheater Baden war bunt, schillernd, etwas frivol und wunderbar zynisch.
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Joël László, 1982 geboren und in Seengen AG aufgewachsen, hat Geschichte und Islamwissenschaften studiert. Der dreifache Vater lebt mit seiner Familie in Basel. Er schreibt Prosa, Hörspiele und Theatertexte und arbeitet als Übersetzer. Sein Stück «Wiegenlied für Baran» gewann 2017 den Publikumspreis am Heidelberger Stückemarkt. In der Spielzeit 2017/18 war er Hausautor am Theater Basel, wo sein Stück «Die Verschwörerin» zur Aufführung kam. Mit dem Theater Marie hat der Autor bereits bei der Kurzstücksammlung «Zukunft Europa» (2014/15) gemeinsam mit Ariane Koch und beim Bühnenklasssiker «Liliom» (2017) zusammengearbeitet. Weitere jüngere Arbeiten: «Ante oder der Thunfisch», Hörspiel für den Bayrischen Rundfunk, sowie die Erzählung «Sinai» im Sammelband «Dunkelkammern. Geschichten vom Entstehen und Verschwinden» (Suhrkamp 2020).

Zur Inszenierung
Dass Geld als Heilsversprechung nicht taugt, sondern ein Gefühl von Kälte verbreitet, erschliesst sich im Parzival aus Joël Lászlós Stück nur nach und nach. Den Motiven einer durch Kapitalismus und Geldfokussierung geprägten Gesellschaft werden Kindergesichter entgegengesetzt. Kinder sind die Zukunft. Kinder brauchen Hoffnung. Sie tauchen in der Gralsburg auf und heischen Mitleid. Sie gucken Parzival beim Wüten zu und fordern ihre Gegenwart auch mit dem gewaltsamen Auftritt von Cundrie in der Artusrunde ein. Kinder schauen uns Erwachsenen bei unserem Tun zu: manchmal staunend, und immer mit der Zuversicht, dass die Zukunft gut sein wird. Joël Lászlós Stück schlägt den Bogen von der Schwangerschaft von Herzeloyde, die ihrem Sohn Parzival keine Luft zur freien Entwicklung lässt, bis zu einer Schlussszene, die eine kollektive Schwangerschaft ohne Besitzanspruch evoziert. Wir wollen schwanger gehen mit dem Gedanken an eine gemeinsame hoffnungsvolle Zukunft. Wir müssen Verantwortung für nachfolgende Generationen übernehmen und unserer Welt und ihren Lebewesen Sorge tragen. Unser ersehnter Gral ist ein kollektiver, verantwortungsvoller Umgang mit der Zukunft der Welt und der Menschen: der Gral als Verantwortung für Nachkommenschaft.

Theater Marie
Theater Marie ist das Kompetenzzentrum für Theaterproduktion im Kanton Aargau und besteht aus einem zweiköpfigen Leitungsteam (Olivier Keller, Patric Bachmann), drei Festangestellten und einem Pool freischaffender Theatermenschen. Es ist einzigartig in der freien Theaterszene der Schweiz. Ausgestattet mit einer dreijährigen Leistungsvereinbarung mit dem Aargauer Kuratorium und der Stadt Aarau geniesst es eine gewisse Planungssicherheit und verfügt daher über künstlerische Freiheit. Das Tourneetheater arbeitet eng mit Koproduktions- und Gastspielhäusern zusammen. In den letzten Jahren haben sich zwei Hauptstränge der Programmation herauskristallisiert: Inszenierungen, die ihren Ursprung nehmen in der zeitgenössischen Kreation von Texten, und Arbeiten, die die dramaturgische Kraft von Musik in den Vordergrund stellen. Die Inszenierung von Alexandra Badeas «Zersplittert» wurde 2017 zum Schweizer Theatertreffen eingeladen. Theater Marie wurde 2017 als bemerkenswerte Off-Bühne in der Zeitschrift Deutsche Bühne nominiert. «Frau im Wald» von Julia Haenni war zu Gast am biennal stattfindenden internationalen Theaterfestival DramaFestMX (2018) in Mexico City sowie am Heidelberger Stückemarkt (2019).

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Geld, Parzival | Theater Marie | Suhr (AG) | Besetzung Spiel: Jessica Cuna, Grégoire Gros, Lina Hoppe, Ingo Ospelt, Suly Röthlisberger, Andri Schenardi, Sandra Utzinger und Daniel Steiner (Musik) | bis 18. September 2021

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