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Kommentar zum 1. Zürcher Filmpreis von arttv Chefredaktor Felix Schenker
Vergabe des Zürcher Filmpreises: Anregungen für die nächste Ausgabe. |

1. Zürcher Filmpreis | Kein Schaden ohne Nutzen | Kommentar

Publiziert am 04. Oktober 2019

Ein umstrittenes Auswahlverfahren und ein Überraschungfilm, der tatsächlich alle überraschte! Die erste Ausgabe des neuen Zürcher Filmpreises verursachte eher ungläubiges Kopfschütteln als zustimmendes Kopfnicken. Nichtsdestotrotz: Mit Fanny Bräunings Dokumentarfilm «Für immer und ewig» und Bettina Oberlis Spielfilm «Le vent tourne» wurden nicht nur die besten Zürcher Filme, sondern gleichwohl auch die besten Schweizer Filme der letzten Monate gewürdigt. Mehr lesen

Felix Schenker, arttv Chefredaktion

Gelungene Überraschung
Angekündigt war ein Überraschungfilm. Eine Überraschung ist der Zürcher Filmstiftung tatsächlich gelungen, wenn auch anders als erwartet: Selbstverständlich ist man als Besucher*in davon ausgegangen, dass es sich beim Überraschungfilm um eine neue Produktion handeln würde, die von der Filmstiftung gefördert wurde und kurz vor dem Release steht. Um einen Film also, den die Anwesenden in Form einer Vorpremiere zu Gesicht bekommen würden. Stattdessen stand «Für immer und ewig» von Fanny Bräuning auf dem Programm. Zugegebenermassen ein fantastischer Film, der den Zürcher Filmpreis mehr als verdient hat. Das filmaffine Publikum hat diesen aber zu grossen Teilen bereits gesehen, lief er doch nicht nur an diversenen Festivals, sondern ebenso in den Kinosälen. Dementsprechend setzte an jenem Abend der Preisverleihung ein Exodus aus dem Kinosaal ein. Sympathischerweise organisierte Marianne Muriset-Welsch von der Zürcher Filmstiftung spontan einen «Zwischen-Apero», der die Wartezeit auf die eigentlich Filmsoirée verkürzte. Ebenfalls etwas überraschend oder vielmehr irritierend war der Umstand, dass Lara Stoll und Cyrill Oberholzer, die mit ihrem Film «Das Höllentor von Zürich» nominiert waren, gleichzeitig und erst noch im Alleingang die Jury für den Wettbewerb «Fast Track» bildeten. (Immerhin geht es um 650 000 Franken) Sympathisch hingegen, dass Cyrill Oberholzer seinen Jury-Job selber ironisch interpretierte, indem er die Kriterien aus Goethes Faust zitierte.

Mehr Fragen als Antworten
Neues zu wagen ist immer gut und dafür verdient die sympathische Crew der Zürcher Filmstiftung unsere Hochachtung. Zusätzlich hat die Vergabe des ersten Zürcher Filmpreises einige ganz grundsätzliche Fragen aufgeworfen. Was ebenfalls gut ist: Aufgrund der erwähnten Neuerungen ist in der Branche nämlich heftig über den Sinn und Zweck von Förderinstrumenten in der Kultur diskutiert worden. Bereits das Auswahlverfahren des 1. Zürcher Filmpreises, ein Hybrid aus Fachjury und Publikumsvoting, führte zu heftiger Kritik. Da das Zurich Film Festival aber bekanntlich ein Publikumsfestival erster Güte ist, macht dieser Entscheid unserer Meinung nach durchaus Sinn. Die Frage soll deshalb viel grundsätzlicher gestellt werden. Muss es denn ein Kulturpreis sein, mit dem man den Zürcher Film feiert?

Preise – Preise – Preise
Preisen ist immer gemeinsam, dass sie wenig Gewinner*innen und viele Verlierer*innen zurücklassen. Anders als bei Sportanlässen, fehlen messbare Siegerkriterien in der Kultur. Das führt oft dazu, dass jene, die leer ausgehen, nicht nur frustriert sind, sondern sich zusätzlich ungerecht behandelt fühlen. Wie wäre es also, wenn die Züricher Filmstiftung das machen würde, was sie in ihrer Einladung erwähnt: eine Soirée des Zürcher Films. So könnte man, statt Preise zu vergeben, auf lustvolle und unterhaltende Weise auf Filmprojekte hinweisen, die am Entstehen sind: mit einem Making-of die Neugierde auf ein neues Spielfilmprojekt wecken, ein Gespräch mit einer Schauspieler*in führen, mit Filmmusik aus einem künftigen Zürcher Film Emotionen wecken oder aber auf die faszinierende Entstehungsgeschichte eines Dok-Filmes, wie aktuell des Bruno-Manser-Projekts, hinweisen. Kurz: neugierig machen auf Zürcher Filmprojekte, die sich in der Pipeline befinden. Gespannt auf die zweite Ausgabe des Zürcher Filmpreises darf man auf alle Fälle sein. In diesem Sinne: Chapeau!

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