Berlinale 2017 | Erstes Wettbewerbs-Highlight | «Wilde Maus»

Publiziert am 12. Februar 2017

Die Berlinale 2017 hat mit «Wilde Maus» ihr erstes Highlight im Wettbewerb. Von den bisher gezeigten Konkurrenten um den Goldenen Bären wünscht man sich diesen Film als Gewinner. Das Regiedebüt des österreichischen Komikers Josef Hader, in dem er auch die Hauptrolle spielt, ist einfach herrlich.

«Wilde Maus» von Josef Hader | Dauer: 103 Min. | Österreich 2017 | Der Film ist einer von achtzehn im Rennen um den Goldenen Bären.

Die Berlinale dauert vom 9. bis 19. Februar 2017.

Wieder einmal lachen
Nicht etwa, dass die anderen bisher gezeigten Filme im Rennen um den Goldenen Bären alle schlecht wären. Aber viele davon haben doch eine unangenehme Gemeinsamkeit – sie sind einfach zu lang! Die Digitalisierung hat den sparsamen Umgang mit dem zu drehenden Filmmaterial überflüssig gemacht. Spielzeiten von gut zwei Stunden sind die Folge. Das ermüdet oft, schadet aber in erster Linie der Dramaturgie der Filme, Beispiele sind «On Body and Soul» von Ildikó Enyedi oder «Félicité» von Alain Gomis. Gute Filme, die aber um dreissig Minuten gekürzt wirklich besser wären. Nach neunzig Minuten hat man als Zuschauer einfach genug. So lange dauert ein Fussballspiel, und so lange dauerten vor der Digitalisierung viele Spielfilme. Natürlich darf es auch einmal ein bisschen mehr sein, aber es sollten einfach keine Längen entstehen. Und das ist bei Hader glücklicherweise der Fall, bei ihm würde man sogar gerne noch länger am Leben des entlassenen Musikkritikers Georg teilhaben wollen, als in den 103 Minuten, die einem gegönnt sind. Denn der Film ist voller brillanter Ironie und Komik, und genau das wünschte man sich wieder vermehrt: nicht nur kürzere, sondern auch intelligentere Filme, die uns zum Lachen bringen. Filme wie «Wilde Maus». Nicht nur als Statement dafür wäre Haders Filmdebüt, in dem er Regie führt und gleichzeitig die Hauptrolle spielt, ein würdiger Gewinner des Goldenen Bären.

Handlung von «Wilde Maus»
Georg (Josef Hader) ist fünfzig und arbeitet als Musikkritiker in Wien. Als er unvermittelt seinen Job verliert, weil sein Boss (Jörg Hartmann) sparen will, verheimlicht er das vor seiner Ehefrau Johanna (Pia Hierzegger) und übt stattdessen des Nachts Rache an seinem einstigen Chef. Von anfänglicher Sachbeschädigung wächst sein privater Terror sich mit der Zeit zu immer grösseren Attacken aus. In der freien Zeit, die der arbeitslose Georg nun tagsüber hat, zimmert er mit seinem alten Schulfreund Erich (Georg Friedrich) und mit Nicoleta (Crina Semciuc), Erichs Freundin aus Rumänien, derweil an einer alten Achterbahn, die er wieder fahrtauglich machen will. Erich hat in der Vergangenheit mit seinem Job ähnliche Ungerechtigkeiten erfahren müssen wie Georg, und so finden die zwei Männer in dem jeweils anderen einen Verbündeten darin, ihre bürgerlichen Existenzen unaufhaltsam hinter sich zu lassen.

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