Otto Piene, Light and Air, Installationsansicht Langen Foundation, 2014 (Detail). | © © 2020, ProLitteris, Zürich; Nachlass Otto Piene / Sprüth Magers, Berlin

Museum Haus Konstruktiv | Otto Piene | Die Sonne kommt näher

Publiziert am 28. Januar 2020

Ein einzigartiges Œuvre, das bis heute nichts an Aktualität eingebüsst hat – Otto Piene im Zürcher Museum Haus Konstruktiv.

Das Museum Haus Konstruktiv widmet Otto Piene eine umfangreiche Einzelausstellung mit einer Auswahl von Werken, die zwischen 1955 und 2014 entstanden sind: Neben frühen, vom Abstrakten Expressionismus beeinflussten Gemälden werden Raster, Rauch- und Feuerbilder sowie Lichtinstalla- tionen und Luftskulpturen gezeigt. Unter Einbezug der Elemente Licht, Feuer und Luft schuf der Künstler eindrucksvolle, verspielte und doch zeitlose Werke.
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Pienes Inflatables
Den Auftakt zur Ausstellung, die unter Einbeziehung des von Sprüth Magers verwalteten Nachlasses konzipiert wurde, bilden sieben raumfüllende Sterne in Gelb, Orange, Rot, Violett, Blau, Indigo und Grün von 2014. Mittels lautstarker Gebläse füllen sich die aus Tuch gefertigten Objekte in rhythmischer Abfolge mit Luft, um dann wieder in sich zusammenzusacken. Diese Arbeiten zählen zu den Inflatables, den Luftskulpturen, mit denen sich Piene bereits in den 1960er-Jahren als Pionier der Sky Art etablierte. Pienes Interesse, unkonventionelle Elemente wie Luft, Licht, Feuer und Rauch in sein Schaffen zu integrieren und so die Kunst zu erneuern, geht einher mit der Aufbruchstimmung der Nachkriegszeit, die Piene nachhaltig geprägt hat.

Otto Piene
Der 1928 in Nordrhein-Westfalen geborene Piene wächst in Lübbecke auf und wird 1944 als Flakhelfer in die Wehrmacht eingezogen. Nach dem Abitur besucht er 1949 die Akademie der Bildenden Künste in München, wechselt 1950 für drei Jahre an die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf und schliesst 1957 ein Philosophiestudium an der Universität Köln ab. Wie viele Künstler seiner Generation, die die Verheerungen des Zweiten Weltkrieges erlebt haben, ist Piene ab Mitte der 1950er-Jahre auf der Suche nach neuen künstlerischen Ausdruckmitteln und -formen. Der schnelle Wiederaufbau nach dem Krieg und das rasante Wirtschaftswachstum lassen ihn 1965 die Frage stellen: «Gibt es irgendwo eine Synthese von der technischen urbanen Welt und der Welt der Naturkräfte? Müssen sie einander ausschliessen oder könnten wir darauf vertrauen, dass die Sonne Rosen wachsen lässt und ebenso Kraftwerke versorgt? Dass Feuer Steaks grillt und Raketen antreibt?» Fest entschlossen, das Kunstgeschehen aufzumischen, gründet er 1958 zusammen mit Heinz Mack die Gruppe ZERO, der sich drei Jahre später auch Günther Uecker anschliesst. Gemeinsam propagieren sie in zahlreichen Ausstellungen und Happenings den Nullpunkt und einen Neuanfang in der Kunst. Besonders fasziniert sind die ZERO-Künstler vom Medium Licht. Piene wird sich sein ganzes Leben lang damit beschäftigen, wovon viele Exponate in der Ausstellung zeugen.

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Otto Piene – Die Sonne kommt näher | Museum Haus Konstruktiv | bis 12. September 2020 | kuratiert von Sabine Schaschl

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